Ulm 0:3 gegen Kassel für Sauter kein Untergang

Auch Fabio Kaufmann (rechts) war gegen Kassel der Kräfteverschleiß anzumerken. Foto: Matthias Kessler
Auch Fabio Kaufmann (rechts) war gegen Kassel der Kräfteverschleiß anzumerken. Foto: Matthias Kessler
Ulm / WINFRIED VOGLER 04.04.2013
Alles ausgereizt - die Spatzen stoßen an ihre Grenzen. Fehlende körperliche und geistige Frische forderte bei der 0:3-Niederlage gegen Hessen Kassel beim Fußball-Regionalligisten SSV Ulm 1846 seinen Tribut.

0:3 (0:1) gegen Hessen Kassel. Ein Rückschlag mit Ansage. Trainer Paul Sauter vom Fußball-Regionalligisten SSV Ulm 1846 hatte die Gefahr geahnt: "Zwei Tage Regeneration sind sehr knapp", orakelte der Fußball-Lehrer und verwies darauf, dass Kassel sich über Ostern hatte ausruhen können. Er musste sich gefühlt haben Edward John Smith. Der Kapitän der Titanic hatte das Steuer zwar fest in der Hand, aber als der Eisberg auftauchte, war jeder Rettungsversuch aussichtslos.

Sauter brauchte kein Fernglas, um zu sehen, dass seine Crew gegen die Nordhessen auf einem falschen Kurs war. "Wir haben nicht clever agiert und haben uns von der aggressiven Kasseler Abwehr den Schneid abkaufen lassen", stellte er fest. Schon unmittelbar nach dem 2:0-Sieg beim Meisterschaftsfavoriten SV Elversberg am Ostersamstag hatte er vor den Gefahren und Unwägbarkeiten gewarnt. Er wusste, dass viele seiner teilweise angeschlagenen Spieler vor einem körperlichen Einbruch stehen: Sebastian Griesbeck, Elyes Seddiki, Ruben Rodriguez, Fabio Kaufmann, Moussa Touré oder Ayoze Perez.

Als Sauter am Dienstagabend auf seiner Kommandobrücke Platz genommen hatte, dauerte es neun Minuten (0:1), um zu wissen, dass da ein Schiffbruch drohte. "Ich kenne meine Jungs. Ich hab sofort gesehen, dass ihnen die körperliche und geistige Frische fehlt. Wir haben gegen Kassel Lehrgeld bezahlt und unsere Grenzen aufgezeigt bekommen", sagt Sauter. "Die spielerische Klasse hat uns gefehlt. Die Grenzen unserer Spieler muss man kennen, da hilft kein Jammern."

Der SSV-Coach will seine Mannschaft aber nicht schlecht reden. "An einem guten Tag sind wir mit der Spitze ebenbürtig. Aber wir sind in dieser Liga Neuling und erst in der Entwicklung", gibt Sauter zu bedenken und schränkt ein: "Wir sind jetzt gutes Mittelmaß."

Was andere Vereine freilich nicht vor Begehrlichkeiten abhält. "Unser Ziel lautet, sukzessive zu anderen Klubs aufzuschließen, um Spieler nicht beim erstbesten Angebot zu verlieren. Dazu müssen aber die finanziellen Rahmenbedingungen passen", erklärt Sauter, für den die Planung für die neue Saison längst begonnen hat. Mit dem umworbenen Sebastian Griesbeck, der noch ein weiteres Jahr in der Ausbildung zum Versicherungskaufmann steht, versucht er seit Weihnachten eine Vertragsverlängerung zu erreichen. "Wenn wir ganz oben in der Liga angreifen wollen, müssen wir wirtschaftlich anders aufgestellt sein", unterstreicht Sauter und betont, dass aktuell der Klassenerhalt oberste Zielsetzung ist: "Die Fünfundvierzig-Punkte-Marke wollen wir knacken. Da müssen wir noch ein paar Dreier einfahren."

Elf Spiele haben die Spatzen (36 Punkte) noch vor der Brust. Da bedeutet eine Niederlage wie gegen Kassel nicht gleich den Untergang.

Themen in diesem Artikel