Oberligist SSV Reutlingen setzte sich gestern in der zweiten Pokal-Runde in Wittendorf sicher mit 4:1 durch, erreichte die dritte Runde, muss am 28. August nach Seedorf oder Nagold, die sich heute (17.45 Uhr) gegenüber stehen.

Der SSV Reutlingen begann beim Landesligisten in Wittendorf sehr konzentriert und kam früh zu zwei Toren, die ihm das Spiel auf dem extrem gewöhnungsbedürftigen Platz erleichterten.

Vorbildlicher Kapitän

Kapitän Tom Patrick Schiffel, der Stammkapitän Pierre Eiberger ist ja verletzt, machte klar: „Ein frühes Tor würde uns sicher helfen.“ Das besorgte er selbst in der neunten Minute, als sein Schuss unhaltbar im Netz einschlug. Sechs Minuten später war es Neuzugang Willie Sauerborn, der auf 2:0 erhöhte und dem SV Wittendorf den Wind aus den Segeln nahm. Der SSV  begann mit vier Neuzugängen.

Erst ab der 30. Minute kam der Landesligist besser ins Spiel, als der SSV Dampf rausnahm, aber das Spiel stets kontrollierte. Trainer Maik Schütt hatte von einer Pflichtaufgabe gesprochen, ohne überheblich zu klingen, man habe Respekt vor jedem Gegner, aber nach dem 2:0 war auch er erleichtert.

Er hatte drei Änderungen gegenüber dem Spiel in Ilshofen vorgenommen: In der Vierer-Abwehrkette spielten Arbnor Nuraj im Zentrum und Nils Staiger rechts. Im Tor stand Enrico Piu. Sauerborn war in Ilshofen schon eingewechselt worden. Alle fügten sich gut  ein.

Schütt hatte noch eine gut besetzte Bank, er konnte Spieler schonen, denn am Samstag kommt eine Top-Mannschaft an die Kreuzeiche, der FC 08 Villingen, der im DFB-Pokal nach 90 Minuten gegen Fortuna Düsseldorf ein 1:1 gehalten hatte.

In der zweiten Halbzeit machte der SSV gleich klar Schiff, haute den Deckel drauf, denn Raphael Schneider und Daniel Elfadli erhöhten bis zur 60. Minute auf 4:0, ehe der Gastgeber noch zum Ehrentor kam (Robert Ruoff, 70.).

Eberhard Spohn, Sportlicher Leiter, meinte: „Es war sehr schwer, eine große Umstellung auf dem kleinen Platz. Wir hatten wenig Räume, aber wir sind zufrieden, der Sieg geriet nie in Gefahr.“

SSV-Trainer Maik Schütt zum 4:1: „Wir haben Druck aufgebaut, die Einstellung war prima, wir haben uns viele Chancen herausgespielt, aber die Effektivität fehlte. Wir hätten vier Tore mehr  erzielen können. Der SV operierte nur mit langen Bällen, wir standen gut, ließen kaum was zu. Das war von allen eine gute Vorstellung.“ Der Trainer zum Personal: Jäger blieb mit Infekt zu Hause. Hartmann und Gashi absolvierten ein Training  in Reutlingen.

SSV Reutlingen: Piu – Staiger, Nuraj, Reisig, Schramm, Schiffel (46. Bulut), Maier, Wöhrle, Elfadli (46. Heim), Schneider (46. Kuengienda), Sauerborn (46. Zukic)

Den VfL Pfullingen hat es beim Landesligisten SpVgg Holzgerlingen erwischt. Er verlor nach Verlängerung mit 4:5. Zunächst hatten die Pfullinger ein klares Plus in Sachen Ballbesitz. Heiko Schall packte in der fünften und 13. Minute vielversprechende Versuche aus, hatte nach 22 Zeigerumdrehungen dann das Visier richtig eingestellt, veredelte eine Hereingabe von Lukas Linder. Damit konnte er den aus  der 18. Minute stammenden Rückstand egalisieren. Martin Welsch war ohne Not aus dem Kasten gestürmt, Florian Hess hatte per Heber für den Landesligisten getroffen.

In der Folge war der VfL Herr der Lage, finale Pässe fehlten aber. Holzgerlingen entpuppte sich indes als Meister der Effizienz. Nach langer Zeit kam in der 42. Minute wieder ein Wortmeldung. Julian Rubin zog aus halblinker Position ab – und es stand 2:1, weil VfL-Keeper Welsch erneut eine unglückliche Figur abgab. Das Spielobjekt war ihm durch die Hände gerutscht. Mit dem 2:1 ging es in die Pause.

Für die zweite Halbzeit hatte VfL-Trainer Michael Konietzny  einen Tausch vorgenommen, Valon Dodaj für Lukas Früh aufs künstliche Grün geschickt. Man nennt so etwas glückliches Händchen, denn eben Dodaj war nach 51 Minuten zur Stelle, musste eine Linder-Vorlage nur noch über die Linie bugsieren.

Der Ausgleich brachte aber keine Sicherheit ins Spiel des VfL Pfullingen, der weiterhin Passgenauigkeit vermissen ließ – und dann auch noch in der Deckung schlampte. Patrick Orifiamma hatte in der 71. Minute alle Freiheiten, die man sich vor dem gegnerischen Tor wünscht. Es stand 3:2 für Holzgerlingen, allerdings nur drei Minuten lang. Matthias Dünkel konnte für die Pfullinger erneut auf Remis stellen. Einen Pass von Yasin Yilmaz setzte er per Chip und via Innenpfosten ins Tor: Maßarbeit. Ab der 78. Minute spielte Dünkel dann nicht mehr mit, wurde mit Rot nach einem Scharmützel mit Alex Thies des Feldes verwiesen, der Kontrahent ging mit (Gelb-Rot). Das Kartenspiel wurde indes nicht von allen verstanden. Danach trudelte man der Verlängerung entgegen.

Fatmir Karasalihovic war zunächst der Held auf Pfullinger Seite, traf nach toller Haussmann-Vorarbeit zum 3:4, nahm ebenfalls den Innenpfosten zu Hilfe (96.). Die Freude währte fünf Minuten, dann hatte Orifiamma per Kopf ausgeglichen, ehe er einen Yilmaz-Fehler umgehend mit dem 5:4 bestrafte (108.). Erst mit dem Abpfiff hatte der VfL durch Dodaj noch eine Ausgleichschance.

Timo Schyska, VfL-Abteilungsleiter für Kommunikation, berichtete von einem typischen Pokalfight. „Wir haben nicht schlecht gespielt, fünf Gegentore gehen aber gar nicht, zumal wir sie alle durch individuelle Fehler begünstigt haben.“

VfL Pfullingen: Welsch – Yilmaz, Tiryaki-Zeeb (66. Haussmann), Früh (46. Dodaj), Linder (86. Karasalihovic), Seiz. Dünkel, Lehmann (81. Matus), Schall, Wagner, Packert