Ein Fall hat jüngst im Fußball-Bezirk Alb für Aufsehen gesorgt. Im Kreisliga-B-Spiel zwischen CP Reutlingen und Türkspor Dettingen ließ der Schiedsrichter einen Videobeweis eines Privatmannes von der Seitenlinie aus zu und nahm ein Tor zurück.  Was war passiert? Der gastgebende CP Reutlingen hatte in der Nachspielzeit den Siegtreffer zum 3:2 erzielt, was die Anhänger von Türkspor Dettingen auf die Palme brachte. Sie hatten kurz zuvor ein Handspiel erkannt. Als Beweis führten sie ein Video an, das ein Privatmann außerhalb des Spielfeldes aufgezeichnet hatte.

Sie baten den Schiri nach draußen und zeigten ihm die entsprechende Aufzeichnung. Der Schiedsrichter, der aus dem Bezirk Zollern für diese Partie eingeteilt war, nickte und entschied auf Handspiel. In der Folge nahm er den Treffer zurück.

Doch der Mann in schwarz irrte gewaltig. Er hatte sich wohl an seinen Kollegen in der Bundesliga orientiert, was aber grottenfalsch ist. Denn seit wann findet ein Video-Beweis, der bisher ausschließlich für die Bundesliga reserviert ist, in der Kreisliga eine Anerkennung?

„Es liegt ein klarer Regelverstoß vor, das Spiel ist annuliert und wird nachgeholt“, sagte der Erste Vorsitzende der Schiedsrichter-Vereinigung Reutlingen, Philipp Herbst. Damit bestätigte er das Urteil des Sportgerichts Alb, das ebenso entschieden hatte. „Es liegt ein klarer Regelverstoß vor, der Videobeweis darf nur bei Punktspielen in der Bundesliga angewendet werden“, erklärten die Sportrichter.

Die Vorgehensweise des eifrigen Video-Aufzeichners ist gestoppt worden. Doch es könnte Nachahmer finden. „Es kommt immer öfters vor, selbst bis in die unterste Spielklasse, dass an Seitenlinien gefilmt wird“, sagt Herbst, „aber es ist eben nicht zugelassen und damit ein Regelverstoß.“ Für das Wiederholungsspiel ist auf jeden Fall nun ein Schiedsrichter angesetzt, der bis in die Landesliga hinauf pfeifen darf, also ein erfahrener Referee, darauf legt Herbst wert, der selber aktiv pfeift und eine Berechtigung für Punktspiele bis in die Verbandsliga besitzt. Ob sich der Vorsitzende einmal vorstellen kann, dass Video-Beweise bis in die unteren Spielklassen eingeführt werden könnten? „So schnell geht es mit Sicherheit nicht, ich denke, dass es irgendwann Mal bis in die 2. Bundesliga reicht. Es sind ja enorme Kosten vorhanden.“

Hoheit bewahren

In Sachen Video-Beweise sollten seiner Meinung nach die Schiedsrichter ihre Hoheit bewahren, sprich, nicht fremdgesteuert werden. Die Autorität müsse gewahrt werden und Entscheidungen in Studios außerhalb der Stadien durch Assistenten „geht gar nicht“. Er könne sich ein sogenanntes Trainer-Challenge vorstellen, wie sie in anderen Sportarten, wie zum Beispiel im Tennis oder Hockey vorgesehen sind. Dort werden einem Trainer oder Offiziellen beispielsweise pro Halbzeit eine begrenzte Zahl an Einsprüchen gestattet.

Jedenfalls sei der Video-Beweis vom Grundsatz her eine gute Sache, es gehe eigentlich darum, ganz grobe Verstöße zu erkennen und zu korrigieren. Zum Beispiel bei Tor oder nicht Tor, oder Hand im Strafraum. Horst Beck, Vorsitzender im Bezirk Alb, stimmt dem Vorsitzenden der Schiedsrichter-Vereinigung zu: „Bei klaren Dingen wie Handspiel, Tor oder nicht, sowie  bei Foulelfmetern oder nicht, kann ein Videoassistent eine Hilfe sein.  Entscheidungen, die der Schiedsrichter fällt, sollten im Prinzip gelten, sonst geht der Fußball kaputt.“ Es sei einiges verbesserungswürdig, beispielsweise Video-Assistenten außerhalb des Spielortes in einer anderen Stadt oder auch zu langes Warten bei strittigen Entscheidungen.