SSV Tor des Tages in 90. Minute

Reutlingens verletzter Kapitän Andreas „Bobo“ Mayer (links) drückt Daniel Seemann, der den goldenen Treffer erzielte.
Reutlingens verletzter Kapitän Andreas „Bobo“ Mayer (links) drückt Daniel Seemann, der den goldenen Treffer erzielte. © Foto: Baur
Wolfgang Gattiker 10.04.2017

Nachdem der SSV Reutlingen Fußball auch schon viel Pech in dieser Saison hatte, war er am Samstag der Gückliche. Gastgeber OFV hatte ein klares Chancenplus, darunter drei Aluminium-Treffer  und verlor in der Schlussminute. Da kam alles positiv für den SSV zusammen.

Es war das Glück des Tüchtigen, denn die Gäste legten sich ins Zeug, gaben alles. Das war die Einstellung, die am Mittwoch im Pokal nicht zu sehen war.

Der SSV setzte nach dem Pokalspiel in Balingen (1:4-Pleite) die letzten Kräfte frei, siegte 1:0, hat nun in der Meisterschaft den vierten Sieg in Folge bei 11:0 Toren errungen. Er ist mit 40 Punkten fast schon gerettet.

Trainer Jochen Class hatte Golinski, Kuengienda und Yahkem für Mayer (Muskelbündelriss), Seemann und Ubabuike gebracht. Offenburg wollte den Sieg, stand unter Druck und der SSV begann gut, ohne sich Chancen zu erspielen. Die Pässe kamen selten an - ein Manko.

Kaum echte Chancen

Sobald der SSV Druck machte, gab es Löcher in der OFV-Abwehr, aber der SSV kam zu keiner echten Chance. Maximilian Rohr gefiel, er war der Marathonmann mit vielen Ballgewinnen, auch die Spitzen arbeiteten nach hinten, doch das Ortenau- Team kam eben zu glasklaren Chancen, die oft vom starken SSV-Keeper Marcel Knauß („Ich wollte nach dem 4:4 im Hinspiel mit meinen Patzern zu Null spielen, das gelang”) zunichte gemacht wurden.

Die Gäste hatten einige Ballverluste und in der 15. Minute traf Marco Petereit die Latte, ehe Knauß zweimal blendend reagierte. In der 33. Minute kam der SSV zu einer Chance: aus dem Getümmel traf Hartmann den Pfosten. Yahkems Nachschuss wurde geblockt. Junker schoss  noch aus fünf Metern aufs Tor: Knauß (fehlerlos) klärte.

In der 45. Minute kam Kevin Feger zum Schuss, der Ball sprang an den Innenpfosten und kullerte in Zeitlupe ins Aus. Der Gastgeber war torgefährlicher als der SSV, der zu viel zuließ. Der OFV hatte  gute Chancen, Knauß war stets auf dem Posten. In der 70. Minute kam Adrian Vollmer frei zum Schuss - er traf den Innenpfosten, der Ball kullerte die Torlinie entlang ins Aus - unglaublich. Beim Gast schwanden die Kräfte, aber SSV-Torjäger Daniel Schachtschneider legte die allerletzten Kräfte frei: nach Rohr-Pass schüttelte er im Zweikampf und Laufduell Jan Kohle ab, eilte aufs Tor, das kostete Kraft. Deshalb der Querpass zu Daniel Seemann, der locker einlochte und das in der 90. Minute - ein Traumkonter.

Beim Eckball  tauchte dann Offenburgs Keeper Bergdorf im SSV-Strafraum auf, der SSV klärte. Dann passierte etwas Kurioses: SSV-Stürmer Yahkem eilte aufs leere Tor zu, hätte aus 30 oder 40 Metern einfach schießen müssen. Er bremste ab - Chance vertan. Class dazu: „Der hat das leere Tor gar nicht gesehen, wollte den Ball halten.”

Der OFV hatte ein Chancenplus von 10:3. Wenn man solche Großchancen nicht reinmacht, verliert man eben und ist in großer Abstiegsgefahr. Der Gast spielte diszipliniert, aber man muss die Konter besser ausspielen, denn der letzte Pass im Strafraum kam selten an. Am Donnerstag im Heimspiel gegen Göppingen wird es sicherlich schwerer. Kapitän Pierre Eiberger gab zu: „Da hatten wir viel Glück, aber wir haben drei Punkte, sind bei 40 fast gerettet.

SSV-Trainer Jochen Class bilanzierte: „Das Ergebnis freut mich, das Team ging über Grenzen, war nach dem Mittwoch stehend k.o., aber Lob für Schachtschneider, der nochmals die allerletzten Kräfte freimachte und den entscheidenden Zweikampf gewann. Wir hatten Glück, aber morgen fragt keiner mehr wie das 0:1 zustande kam. Zum Klassenerhalt sind 44 Punkte nötig.”

OFV-Trainer Kai Eble meinte: „Das war das beste Heimspiel unter meiner Regie, aber wenn man unten steht - das ist  eine Floskel - gehen die Bälle nicht rein. Wir hatten sieben glasklare Chancen, stehen wieder auf, hätten 4:0 gewinnen können und keiner hätte sich beklagen können. “

So spielten sie

Offenburger FV: Bergdorf - Kahle, Baitenger (81. Schillinger), Schlieter, K. Feger - M. Feger, Chrobok (16. Beiser-Biegert), Junker, Vollmer-Petereit (64. Lawson), Tsolakis.

SSV Reutlingen Fußball: Knauß - Lübke, Hartmann, Wiesner, Schiffel - Eiberger, Golinski (76. Seemann), Rohr, Kuengienda (46. Ubabuike) -  Schachtschneider (90.+1 Haas), Yahkem.

Zuschauer:  652 (Offenburger Saison-Rekord, darunter 100 Reutlinger).

Tor: 0:1 Seemann (90.).

Eckballstatistik: 10:9.

Gelbe Karten: keine.

Schiedsrichter:  Robin Siegl (Hüffenhardt).

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