Um ihn herum lachten Angehörige der Spieler, turnten Kinder über die Ränge der BZN-Halle im Reutlinger Norden,  sangen Schlachtenbummler und Kicker des SV Croatia Reutlingen Volkslieder in ihrer Muttersprache – doch deren 1. Vorsitzender Nikola Solic blieb äußerlich ruhig und freute sich gelassen innerlich über den Erfolg.

SV Croatia Reutlingen gewinnt Endspiel gegen SG Reutlingen

Soeben hatten seine Bezirksligakicker, die in der Punktrunde als Tabellenzweiter hinter Spitzenreiter Young Boys Reutlingen noch aussichtsreich im Rennen liegen, den 1. Reutlinger Stadtpokal unterm Hallendach ergattert.

Doppeltorschütze Niko-Kresimir Petrovic

Mit einem verdienten 2:0 im Finale über die SG Reutlingen, gesichert durch die Treffer des Doppeltorschützen Niko-Kresimir Petrovic (2. und 4. Minute der durchgehend zehnminütigen Spielzeit), triumphierten die Reutlinger Kroaten, die auch als Ausrichter der Erstveranstaltung ein starkes Bild abgaben.

„Ich wäre auch nicht böse gewesen, wenn die SG oder die Young Boys Reutlingen dieses Turnier gewonnen hätten. Unsere Mannschaft aber war im richtigen Moment voll da. Im Halbfinale hatte ich den Eindruck, dass wir einfach mehr wollten als die Young Boys“, gab Nikola Solic zu verstehen.

Einwurf Matthias Jedele zum 1. Reutlinger Stadtpokal Gelungene Premiere

Reutlingen

In der Tat: Ivan Mamic (3.), Niko-Kresimir Petrovic (5.) und Tomislav Cilic (9.) eliminierten mit ihren Treffern die Young Boys, die einige Turnierbesucher eher als den SV Croatia im Endspiel erwartet hatten.

Doch wie tags zuvor die kroatischen EM-Handballer in Wien gegen das DHB-Team beim 25:24, als nach zuvor wechselhaftem Spielverlauf erst in der Schlussphase das Momentum auf Seiten der Südosteuropäer lag, waren die Reutlinger Bezirksligafußballer in der entscheidenden Turnierphase am Drücker.

In der Zwischenrunde mussten sie sich der SG Reutlingen noch mit 0:4 beugen, hatten aber immerhin hinter ihr den zweiten Rang erobert und das Viertelfinalticket gelöst. In der Vorrundengruppe wurde Croatia zwar Erster, verlor aber bei zwei Siegen gegen den TSV Pliezhausen (6:0) und das CP Reutlingen (5:2) gegen den als Dritten ausgeschiedenen TSV Trochtelfingen mit 0:1.

Knappe Ergebnisse

Im Viertelfinale reichte ein Tor von Mirko Jelcic (8.) zum knappen 1:0 über den TSV Sondelfingen. Die SG hatte sich ebenso knapp gegen die kesse U19 des VfL Pfullingen mit 2:1 behauptet, die Young Boys den TSV Eningen mit 2:0 eliminiert. Der SSV Rübgarten mit dem erfolgreichsten Turniertorjäger Justin Noah Giorgis (7 Treffer), als A2-Ligist eine der positiven Turnierüberraschungen, war erst im Viertelfinale mit 2:4 am TB Kirchentellinsfurt gescheitert.

Kristian Röstel bester Torwart des Turniers

Die SG Reutlingen, deren ebenso reaktionsschneller wie emotionsgeladener Torwart Kristian Röstel zum besten Keeper des Turniers gewählt wurde,  hatte ihr Halbfinale gegen den TB Kirchentellinsfurt mit 2:0 gewonnen, Marcel Schreyer (2.) und Andreas Bäuerle (3.) trafen frühzeitig. Bei der Siegerehrung fand der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Knut Kircher (wohnt im nahen Rottenburg) anerkennende Worte für die SG und ihren auffälligen Keeper.

Ex-Profi Krassimir Balakow übergibt Siegerpokal

Den Siegerpokal an Croatia gab es aus den Händen von Krassimir Balakow. Der Ex-Profi, der 236 Spiele für den VfB Stuttgart bestritt, war extra für das Turnier aus seinem Heimatland Bulgarien eingeflogen. „Krassimir ist regelmäßig zu Gast bei uns, hält seine Fußballschule bei uns im Dietwegstadion ab“, verrät Solic die Hintergründe.

FC Mittelstadt sagt kurzfristig ab

Als Dritter im Bunde der Ehrenden fungierte Uwe Weber, Leiter des Amts für Schulen, Jugend und Sport der Stadt Reutlingen. „Das Turnier hat die Erwartungen übererfüllt. Bis auf die Absage des FC Mittelstadt für Samstag, die eine ungewollte 40-minütige Pause bedingte, lief alles glatt“, freute sich Nikola Solic und lobte sein 50-köpfiges Helferteam vom Ausrichter Croatia Reutlingen. Erol Türkoglu, ein Kind des Fußballbezirks Alb und derzeit Trainer des Neckar/Fils-Bezirksligisten FV Neuhausen/Filder, war nur als interessierter Zuschauer vor Ort und hatte neben viel Lob eine einzige Anregung für die Zukunft parat: „Die Rolle des mitspielenden Torwarts würde ich überdenken. Darunter leidet das Spiel eher als dass es beflügelt wird.“