Reutlingen / Matthias Jedele  Uhr

Es war ein komisches Gefühl, das ein Großteil der Zuschauer am Samstag nach dem Schlusspfiff der Oberliga-Partie zwischen dem SSV Reutlingen und dem SV Oberachern hatte. Einerseits war man glücklich, dass der eingewechselte Youngster Felix Heim in der 84. Spielminute den 2:2-Ausgleich für seine Farben erzielte und somit einen Fehlstart in die Punktspielrunde verhinderte. Andererseits zeigte sich aber auch deutlich, dass die vielen Abgänge in der Sommerpause ein recht großes Loch im Gefüge der 05er hinterlassen hatten. Die junge Truppe von Reutlingens neuem Cheftrainer Maik Schütt zeigte sich durchaus engagiert und willig. In vielen Situationen wurden jedoch zu oft die falschen Entscheidungen getroffen. „Wir haben viel Leidenschaft im Spiel gehabt. Was wir nicht gut gemacht haben, ist das Umschaltspiel und die Bälle in die Tiefe. In der zweiten Halbzeit waren wir zu passiv und Oberachern hat das eiskalt ausgenutzt. Die vielen Abspielfehler tun richtig weh, und so kommt dann auch die eine oder andere Chance zustande“, erklärte SSV-Coach Maik Schütt nach der Partie.

Aggressives Pressing

Im ersten Durchgang setzten beide Mannschaften auf aggressives Pressing, und so blieb oft nur der lange Ball als Option, um hinten nicht unter Druck zu geraten. Torchancen blieben zunächst Mangelware. Ein gefühlvoller Heber von Reutlingens Linksverteidiger Tom-Patrick Schiffel musste dann herhalten, um Bewegung auf die Anzeigetafel des Reutlinger Kreuzeichestadions zu bringen. Seine zielgenaue Flanke fand den Kopf von Reutlingens einziger Sturmspitze Onesi Kuengienda und dieser nickte aus vier Metern Torentfernung unhaltbar ein (36.).

Nach dem Seitenwechsel hätte Reutlingens Raphael Schneider das 2:0 machen müssen. Er verpasste aber den Zeitpunkt des Abschlusses, und so war die Chance auf die vermeintliche Vorentscheidung dahin. Anschließend spielten nur noch die Gäste und das kompromisslos. Oberachern hatte nach einer knappen Stunde viel zu viel Platz im Mittelfeld und überbrückte dieses in höchstem Tempo. Für die Reutlinger Defensive ging dies deutlich zu schnell. Der völlig blank stehende Nico Huber hatte am Ende keine Mühe, den Ausgleich zu erzielen (59.).

Die Gäste aus Südbaden hatten nun Blut geleckt und spielten voll auf Sieg. Nur 120 Sekunden nach dem Ausgleich hatten die mitgereisten SVO-Fans den erneuten Torschrei auf den Lippen, als sich SSV-Schlussmann Xaver Pendinger mit einer Slapstick-Einlage selbst in Gefahr brachte. In bester Liberomanier wollte die Reutlinger Nummer eins einen langen Ball klären, dieser Versuch misslang jedoch, und nur dem aufmerksamen Ruben Reisig zu verdanken, der den zweiten SVO-Treffer mit dem Kopf verhinderte.

Zehn Minuten später entschied sich Pendinger bei einem ähnlichen Ball dann nicht herauszulaufen und klebte fatalerweise auf der Linie. Der eingewechselte Jean-Gabriel Dussot bedankte sich artig mit einem trockenen Schuss ins lange Eck – 2:1 für die Gäste. In Minute 77 entschied der nicht immer souverän agierende Schiedsrichter Gaetano Falcicchio auf Strafstoß für die Acherner und zeigte SSV-Innenverteidiger Reisig wegen eines vermeintlichen Foulspiels die Gelbe Karte. Eine Aktion, die nahezu niemand im Stadion nachvollziehen konnte. Gabriel Gallus war es egal, dieser schnappte sich das Spielgerät und wollte Pendinger mit einem Flachschuss, der allerdings eher einer Rückgabe ähnelte, in die Mitte überlisten. Der vor der Saison vom SV Oberachern an die Kreuzeiche gewechselte Keeper roch allerdings den Braten und hielt den Schuss aus elf Metern sicher.

17-Jähriger sichert Punkt

Dies pushte nochmals seine Truppe, und so kam in Minute 84 der große Auftritt des erst 17-jährigen Felix Heim, der leidenschaftlich den Ball nach vorne trieb, um anschließend Daniel Elfadli auf außen zu bedienen. Dessen Flanke fand Raphael Schneiders Fuß und von dort kam der Ball zu Heim zurück, der am langen Pfosten gekonnt vollstreckte. In einer hektischen Schlussphase flog noch Oberacherns Anthony Decherf wegen Ballwegschlagens mit dem Ampelkarton vom Platz, was auf den Spielstand aber keine Auswirkung mehr haben sollte (90.). „Zum Schluss wurde die Mannschaft nochmal wachgerüttelt und hat verdient den Ausgleich gemacht. Dies zeigt, dass die Moral gestimmt hat“, zeigte sich Schütt am Ende dann nicht ganz unzufrieden. Sein Gegenüber Mark Lerandy brachte es dann auf den Punkt: „Mit einer besseren Chancenverwertung hätten wir das Spiel mit zwei oder drei Toren Vorsprung gewinnen können.“

Am kommenden Samstag gibt der SSV Reutlingen seine Visitenkarte beim TSV Ilshofen ab, der sein Auftaktspiel beim Aufsteiger 1. FC Rielasingen-Arlen mit 1:2 verlor.

So spielten sie

SSV Reutlingen gegen
SV Oberachern

2:2

 SSV Reutlingen: Pendinger – Jäger, Reisig (81. Hartmann), Schiffel, Schmitt (63. Heim), Wöhrle (74. Zukic), Elfadli, Eiberger, Maier, Schneider, Kuengienda (81. Methner).
SV Oberachern: Schmittheissler – Fritz, Sheron, Leberer, Tritz, Durmus (90. Erius), Gallus, Decherf, Ambri (88. Muto), Giardini (66. Dussot), Huber.
Tore: 1:0 Kuengienda (36.), 1:1 Huber (55.), 1:2 Dussot (71.), 2:2 Heim (84.)
Gelb-Rot: Decherf (90./SV Oberachern/Unsportlichkeit)
Besonderes Vorkommnis: Gallus (SV Oberachern) scheitert mit Foulelfmeter an Torwart Pendinger (77.).