Für die neue Saison haben die Regelhüter im Fußball einige Neuerungen beschlossen. Was ergibt Sinn, was weniger? Trainer, Spieler und Schiedsrichter aus dem Fußballbezirk analysieren die Änderungen.

Auswechslung Fortan muss der ausgewechselte Spieler das Spielfeld immer an der nächstmöglichen Begrenzungslinie verlassen. So soll Zeitspiel verhindert werden. Pierre Eiberger, Kapitän des SSV Reutlingen 05 Fußball, begrüßt dies: „Bisher gab es Auswechslungen, die gefühlt drei Minuten gedauert haben. Nun geht alles schneller. Man verlässt auf dem kürzestem Weg das Feld, der neue Spieler kommt rein, und schon geht es weiter.“

Münzwurf Bislang durfte der Gewinner des Münzwurfs die Seite auswählen. Nun darf er zwischen Seitenwahl und Anstoß wählen. „Für mich ist lediglich die Seitenwahl entscheidend, meistens wegen der Sonne. Ob man jetzt in der ersten oder zweiten Halbzeit Anstoß hat, bringt keinen besonderen Vorteil mit sich“, sagt Eningens spielender Abteilungsleiter Paul Stingel.

Freistöße Diese dürfen auch dann schnell ausgeführt werden, wenn der Schiedsrichter eine Gelbe oder Rote Karte zeigen will. Die Verwarnung kann der Unparteiische dann bei der nächsten Spielunterbrechung nachholen. „Bei einer Gelben Karte ist das aus meiner Sicht sicherlich in Ordnung. Kritisch wird es bei einer Roten Karte, da dort der Spieler dann länger auf dem Feld steht, als er eigentlich dürfte und so bei einem eventuellen Gegenangriff noch mit von der Partie ist“, so Stingel.

Strafen für Trainer In Zukunft können auch Trainer und andere Offizielle mit einer Gelben oder Roten Karte bestraft werden. Kann der Schuldige nicht ausgemacht werden, erhält automatisch der Chef-Trainer die Verwarnung beziehungsweise den Platzverweis. „Der Fußball hat im Vergleich zu anderen Mannschaftssportarten ein enormes Disziplinproblem in den Coaching-Zonen. Daher ist es richtig, dass es nun so eine Regel gibt“, sieht Philipp Herbst, Schiedsrichter Obmann der Gruppe Reutlingen, ganz klar einen Vorteil in dieser Änderung.

Schiedsrichter Der Unparteiische ist künftig nicht mehr „Luft“. Wird er angeschossen und der Ball geht anschließend ins Tor oder der Ballbesitz wechselt, gibt es Schiedsrichter-Ball. „Absolut die richtige Entscheidung. So bleibt das Spiel fair“, erklärt Stingel.

Mauer Bei einem Freistoß dürfen sich die Spieler der ausführenden Mannschaft nun nicht mehr in die Mauer stellen. Sie müssen einen Meter Abstand halten. Voraussetzung: Die Mauer besteht aus drei oder mehr Spielern der verteidigenden Mannschaft. „Das ist eine sehr gute Regelung, da es bei der Bildung der Mauer sehr oft hin und her geht. Da wird man meistens eh nur abgelenkt, und so gibt es auch kein Geschubse und Geschiebe mehr“, sieht Stingel in der neuen Regel große Vorteile für das Spiel.

Elfmeter Der Torhüter muss beim Strafstoß künftig nur noch mit einem Fuß auf der Torlinie stehen, nicht mehr mit beiden Füßen. „Naja, ob diese Regelung Sinn macht, weiß ich jetzt nicht“, sagt Tim Becker, Torhüter beim Verbandsligisten VfL Pfullingen. „Ob die 20-30 Zentimeter dem Keeper einen Vorteil bringen, wage ich zu bezweifeln, da es eh oft Auslegungssache des Schiedsrichters ist, ob man sich zu früh nach vorne bewegt“, so Becker weiter.

Abstoß und Freistoß Bisher musste der Ball erst den Strafraum verlassen, jetzt dürfen Mitspieler ihn auch im Strafraum annehmen. „Dies ist eine klare Schwächung der verteidigenden Mannschaft, die das abstoßende Team per Pressing unter Druck setzen möchte, da hier die abstoßende Mannschaft den Ball viel schneller unter Kontrolle bringen kann und auch mehr Spielfeldfläche zur Verfügung hat“, sagt Eiberger, der diese Regel kritisch betrachtet.

Rückpass-Regel Wenn ein Torhüter den Rückpass seines Mitspielers nur unkontrolliert klären kann, darf er einen möglichen Querschläger in Zukunft in die Hand nehmen. „Das Spiel lebt irgendwie ja auch von Fehlern, und wenn ein Torhüter den Rückpass nicht richtig klären kann, sollte er dafür nicht noch belohnt werden, dass er dann die Hände zu Hilfen nehmen darf“, stellt Becker klar.

Ifab gibt weltweit die Richtung vor


Regelhüter ist das International Football Association Board (Ifab), dem vier Fifa-Mitglieder und Vertreter der britischen Fußball-Verbände (England, Schottland, Wales, Nordirland) angehören. Das Gremium ist zuständig für alle Regelfragen im Weltfußball.