Tübingen Manuel Bölstler - Eine Entscheidung für das Abenteuer

Manuel Bölstler trägt aktuell das Trikot des Karlsruher SC.
Manuel Bölstler trägt aktuell das Trikot des Karlsruher SC. © Foto: Karlsruher SC
Tübingen / Jan Horstkötter 04.04.2013
Der Fußballprofi Manuel Bölstler aus Unterjesingen hat einen ungewöhnlichen Weg gewählt. Im Jahr 2011 ist er zum israelischen Zweitligsten gewechselt. Das Abenteuer hat allerdings nur ein Jahr gedauert.
Unter einem Abenteuer versteht man im Allgemeinen ein risikoreiches Unternehmen. Man kann sich den typischen Abenteurer mit Hut, leicht abgewetzter Kleidung und Peitsche vorstellen – na ja, eben wie Indiana Jones. Manuel Bölstler (29 Jahre) ist der etwas andere Abenteurer. Er trägt keinen Hut, keine abgewetzte Kleidung und erst recht keine Peitsche. Ganz im Gegenteil. Er trägt Fußballschuhe, kurze Hose und Stutzen. Sein „Abenteuer“ bestand auch nicht darin, einen verlorenen Schatz wiederzufinden. Nein. Er ging 2011 für ein Jahr nach Israel, um dort Fußball zu spielen. Er ist damit der erste deutsche Profi in Israel.
 
Angefangen hat Bölstler in Unterjesingen. Dort hat er in der Jugend  gespielt. Seine Eltern erkannten sein Talent schon früh erkannt und schickten ihn in der C-Jugend zum SSV Reutlingen. In der württembergischen Auswahl macht Bölstler auf sich aufmerksam. Schließlich zeigt ebenfalls in der C-Jugend der VfB Stuttgart Interesse. Das Problem: Wie kommt man als 15-Jähriger mehrmals pro Woche nach Stuttgart zum Training? Die Lösung ist Manuels Mutter. Sie weiß, dass ihr Sohn talentiert ist und so fährt sie ihn mit dem Auto jedes mal zum Training nach Stuttgart. Nach der A-Jugend soll Manuel bei den Amateuren des VfB spielen. Die Mannschaft ist allerdings gerade in die vierte Liga abgestiegen. Das entspricht nicht Bölstlers Vorstellungen. Also lässt er sich im Jahr 2002 für drei Jahre zum niederländischen Zweitligisten SC Cambuur-Leeuwarden ausleihen. Er schafft es erneut auf sich aufmerksam zu machen. Klaus Augenthaler vom 1. FC Nürnberg lädt ihn zum Probetraining ein. Alles läuft gut. Bis Trainer Augentaler und Manager Edgar Geenen im April 2003 entlassen werden. Augenthalers Nachfolger, Wolfgang Wolf, hat kein Interesse am gebürtigen Tübinger. Kurz darauf erhält Bölstler die nächste Hiobsbotschaft: Er reißt sich das Kreuzband und muss fast ein Jahr pausieren.
 
Nach verschiedenen kurzen Stationen in Darmstadt, Wuppertal, Ahlen, Erfurt und Bielefeld, entscheiden sich der Mittelfeldspieler und seine heutige Frau Franziska für ein Abenteuer. Sie wollen für eine begrenzte Zeit im Ausland leben. Indonesien und Israel stehen zur Auswahl. Letztlich entscheiden sich die beiden für Israel. Bölstler unterschrreibt beim Zweitligisten Hapoel Kfar Saba.  Der heute 29-jährige wird sofort zum Kapitän ernannt. Er ist klarer Führungsspieler im defensiven Mittelfeld und weckt erneut das Interesse höherklassiger Vereine. Zahlreiche Klubs aus der ersten Liga wollen ihn verpflichten. Aber nach einem Jahr in Israel ist das Abenteuer wieder beendet. Die politische Situation in Israel ist kritisch. Bölstler und seine Partnerin fühlen sich nicht mehr sicher. Zudem möchte seine heutige Ehefrau gerne wieder arbeiten, was aufgrund der sprachlichen Barriere in Israel nicht möglich ist. Die beiden entscheiden sich dazu Israel zu verlassen.
 
„In meiner ganzen Karriere war ich nie nahe bei meiner Familie und meinen Freunden, deswegen war Karlsruhe unsere Wahl“, sagt Manuel. Er unterschreibt im Sommer 2012 einen Zweijahresvertrag beim Karlsruher SC. Nach kurzer Zeit reißt er sich erneut das Kreuzband. Wieder muss Bölstler eine längere Zwangspause einlegen. Seit Kurzem befindet sich der Mittelfeldspieler wieder im Training. Die erste Mannschaft ist erst mal kein Thema. Der KSC führt die dritte Liga als Tabellenführer an (Stand 31.03.2013), ist komplett eingespielt. Bölstler muss sich vorerst hinten anstellen und zunächst Spielpraxis in der zweiten Mannschaft sammeln. Nebenher macht er sein Diplom zum Personal-Trainer. Nach seiner aktiven Karriere will er bei seinem Spielerberater Ingo Haspel in die Firma einsteigen. „Ich war sein erster Spieler, mit dem er damals angefangen hat und bis heute ist er eigentlich wie mein zweiter Papa geworden“, erzählt Manuel. Die beiden haben ein enges und gutes Verhältnis. Und vielleicht empfiehlt Bölstler seinen zukünftigen Schützlingen auch das große Abenteuer Israel.

Info In einer losen Folge stellen wir Spieler aus der Region vor, die mittlerweile bei Vereinen in den höchsten drei deutschen Ligen spielen oder nahe daran sind, den dorthin zu schaffen.
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