Reutlingen Krankenhausreif geschlagen: Vater rastet bei Fußballspiel aus

Reutlingen / EB 04.11.2013
Drama beim Topduell der Fußball-Kreisliga B3 Alb in Reutlingen: Ein Betzinger Autoverwertungsunternehmer wurde brutal zusammengeschlagen und musste in die Intensivstation des Klinikums eingeliefert werden.

Was sich gestern am Rande des Fußball-Kreisliga-B3-Spiels in Reutlingen abspielte, wird zweifellos ein Nachspiel haben und hinterließ entsetzte, geschockte Augenzeugen. Schiedsrichter Bilal Senkal (lange Vorsitzender des TK Anadolu SV Reutlingen) musste die Partie zwischen der TSG Young Boys Reutlingen II und dem SV Gniebel auf dem Ringelbach-Sportplatz in der 85. Minute abbrechen. "Nach Handgreiflichkeiten zwischen zuvor hinausgestellten oder ausgewechselten Spielern beider Teams sowie einem Spieler-Vater an der Seitenlinie musste ich das Spiel zunächst unterbrechen. Nachdem sich die Lage etwas beruhigt hatte, wollte ich wieder anpfeifen. Doch der Kapitän der Gästemannschaft aus Gniebel wollte mit seiner Truppe nicht mehr auflaufen. Daraufhin war ich gezwungen, die Partie vorzeitig zu beenden", macht Referee Bilal Senkal klar.

Doch damit nicht genug: Jetzt begann ein Drama im Ringelbach. Der immer noch nicht zu beruhigende Vater eines Young-Boys-II-Spielers wurde nun massiv rabiat gegen einen bekannten Betzinger Autoverwertungsunternehmer, der bei der TSG Young Boys Reutlingen als Spielleiter der Zweiten Mannschaft fungiert. Den verdienten Funktionär des Vereins, bei dem sein eigener Sohn kickt, malträtierte der völlig aus der Kontrolle geratene Vater mit Händen und Füßen. Selbst als das Opfer wehrlos am Boden lag, wurde es noch vom wie von Sinnen zutretenden Vater attackiert. Schwerverletzt wurde der Betzinger ins Reutlinger Klinikum am Steinenberg eingeliefert, wo er in die Intensivstation aufgenommen wurde.

Fußball-Abteilungsleiter Bastian Mauser vom SV Gniebel war einer der Augenzeugen: "Ich habe so etwas noch niemals erlebt. Ich bin fassungslos und ich kann nicht begreifen, wie man in Sachen Aggression und Gewalt so weit gehen kann. Ich bin total geschockt, dass die Situation derart eskaliert ist. Dass ein eigentlich so faires, normales Fußballspiel derart aus den Fugen gerät, lässt mich entsetzt zurück."

Klaus Schäfer, früher Frauenfußballtrainer des TV Derendingen und jetzt Trainer der TSG Young Boys II, musste ebenfalls die Prügelattacken des amoklaufenden Vaters seines eigenen Spielers spüren. "Ich selbst habe auch ein paar Schläge des Vaters abbekommen, der von uns allen nicht mehr zu bändigen war. Ich habe in die Augen des Mannes geschaut - so etwas habe ich noch nie gesehen, da lief mir ein kalter Schauer über den Rücken."

Nicht nur die massive körperliche Gewalt, die der Vater auf dem Ringelbach-Sportplatz an den Tag legte, sorgte für Entsetzen. Auch seine eindeutigen Drohungen ließen gestern erschütterte Augenzeugen zurück. Paradox: Der besessene Angreifer war bis vor kurzem selbst Trainer, coachte das Frauenfußballteam SF/SSV Reutlingen. Jetzt werden Sport- und Zivilgerichte der Sache nachgehen müssen.

Update, 4. November, 13.50 Uhr

Die Young Boys Reutlingen haben mittlerweile auf den Vorfall mit einer Pressemitteilung reagiert, die Sie nachfolgend im Wortlaut lesen können:

"Die TSG Young Boys Reutlingen verurteilt die Gewalt eines zuschauenden Spielervaters ohne Einschränkungen

Wir alle im Verein sind geschockt. Weder verbale noch körperliche Gewalt wollen wir bei uns im Verein dulden. Unser Leitbild ist diesbezüglich eindeutig.

Zutiefst verurteilen wir die Brutalität, wo unser Vereinsmitarbeiter von einem Spielervater auf übelste Art zusammengeschlagen wurde. Der Vater ist nicht Mitglied in unserem Verein und wir konnten diesen Exzess leider nicht vorausschauen. Selbstverständlich erhält der Täter eine absolute Stadionsperre. Zudem gelten unsere Unterstützung und unser Mitgefühl dem Opfer, wir wünschen ihm gute Genesung.

Die TSG Young Boys sind erschüttert, dass unser Vereinsfunktionär, der schlichtend eingegriffen hat, mit kaum vorzustellender Aggression und Gewalt, selbst am Boden liegend, misshandelt wurde. Wir werden unsere Beobachtungen der Polizei gegenüber bestmöglich darstellen und hoffen, dass der Täter angemessen zur Rechenschaft gezogen wird. Es ist erschreckend, wie der Täter bei seinem Gewaltausbruch selbst schlimmste Folgen billigend in Kauf nahm."