Bezirkspokal Klar und dennoch eng

STMI 05.06.2015
Auch wenn es am Ende noch knapp wurde, war das Bezirkspokalfinale in Pliezhausen eine eindeutige Angelegenheit: Der SSV Reutlingen II gewann vor 620 Zuschauern mit 2:1 (1:0) gegen den TSV Ofterdingen.

"Wir mussten die Rolle des Außenseiters annehmen", sagte Timo Lurf, Trainer des TSV Ofterdingen, nach Abpfiff des Pokalfinales. Man wollte den Gegner in der Sommerhitze kommen lassen und selbst vereinzelte Nadelstiche setzen. Oder, wie es TSVO-Torwart Markus Keller formulierte: "Wenn Du im Finale bist, willst Du es gewinnen."

Doch die technisch und läuferisch überlegenen Reutlinger spielten von Beginn an ihr Können aus. Und das lähmte den TSVO. "Ein bisschen Muffe", stellte Christian Dürr, Abteilungsleiter des TSV Ofterdingen für den ersten Spielabschnitt fest. Der vor der Pause beste Ofterdinger war Torwart Markus Keller. Er brauchte ein paar gute Reaktionen - und einen guten Teil Glück - um seinen Kasten sauber zu halten: Nach dem Gewühl und der Doppelchance durch SSV-II-Kapitän Vincent Bernhardt (5.) und nach dem Innenpfostentreffer von Alessandro Amendola (18.). In der Anfangsphase waren das die größten Chancen der Reutlinger, die nur eine Richtung kannten - nach vorne. Dabei, so Vincent Bernhardt, habe man noch versucht Körner zu sparen: "Nur drauf laufen, um etwas Power aufzuheben. Wir haben gehofft, dass Ofterdingen einbricht", verrät der SSV-II-Spielführer.

Er selbst brachte die Erlösung für seine Elf: In der 36. Minute bekamen die Ofterdinger noch einmal - wie vorher so oft - irgendein Körperteil zwischen Ball und Torlinie. Die Kugel flog fast so schnell wieder zurück, wie sie aufs Tor gekommen war - zu Bernhardt. Er nahm die Kugel volley, streichelte sie allerdings aus 25 Metern in hohem Bogen über Keller hinweg ins linke obere Eck. Drei Minuten später hätte Reutlingens Colin Bitzer die Führung ausbauen können: Er überlupfte Torwart Keller und einen Ofterdinger Verteidiger. Der Ball senkte sich an die Unterkante der Latte und wurde irgendwie geklärt.

Nach der Pause schienen die Ofterdinger resigniert zu haben. Aus dem Spiel war die Luft raus. Das änderte sich erst, als TSVO-Trainer Timo Lurf in der 67. Minute gleich dreimal wechselte und dazu taktisch umstellte. Bereits drei Minuten später kombinierten die drei neuen Steinlachtäler: Philmon Nill bediente Musa Jaith, der sich drehte und Lars Schmid in die Gasse schickte. Die Fahne des Schiedsrichterassistenten ging sehr spät hoch - abseits. 72. Minute: Ecke Giuseppe di Leone, Jonas Koll legte mit der Brust für Dominik Laur ab, schoss jedoch links vorbei.

Die Ofterdinger Offensive ermöglichte aber auch schnelle Gegenstöße des SSV II: In der 86. Minute flankte Georgios Tengelidis von links auf die andere Seite. Bitzer lief zur Grundlinie, passte dann zu Dominik Grauer. Der traf zwar nicht voll, der Ball hoppelte dennoch zum 2:0 über die Linie. Alles gegessen? Pustekuchen! Der TSVO warf alles nach vorn und schaffte den Anschlusstreffer (91.): Lars Schmid spielte mit Domink Laur auf rechts außen Doppelpass und traf rechts unten. "Bei uns war die Spannung weg", gestand der scheidende SSV-II-Trainer Kim Laudage (er geht als Spielertrainer zum TSV Sondelfingen). Dennoch: Es reichte.

SSV Reutlingen Fußball II: Orman - Tengelidis, Amendola (76. Gence), Heim, J. Hofacker, Bernhardt, Durmaz (45. Elbracht), Bitzer (94. Stoffregen), Stern (76. Kavak), Bennardo (87. Ates), Grauer.

TSV Ofterdingen: Keller - Laur, Mehl, Dehner (67. Nill), Steinhilber, Schlegel (53. Koll), Rago, di Leone, Gasparovic (67. Jaith), Fabian Schmid, Traub (67. Lars Schmid).

Tore: 1:0 Bernhardt (37.), 2:0 Grauer (86.), 2:1 Schmid (90.).

Schiedsrichter: Dennis Fuchs (pfeift für die Stuttgarter Kickers).

Zuschauer: 620.