Das Abstiegsgespenst reist am Samstag zum Geisterspiel an: Während außer ein paar Offiziellen, Medienvertretern und dem Stadionsprecher das heutige Oberligaheimspiel des SSV Reutlingen Fußball gegen den Neuling 1. FC Rielasingen-Arlen (14 Uhr, Kreuzeichestadion) wegen der bundesweit für Schlagzeilen sorgenden WFV-Strafe unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, schaut die unheimliche Spukgestalt, die bedrohte Fußballklubs eine Etage tiefer stoßen will, zum Leidwesen beider Klubs definitiv zu.

Denn der Aufsteiger aus dem Landkreis Konstanz, südlich von Singen (Hohentwiel) zu Hause, kommt als Tabellen-15. mit 24 Punkten zum Ranglistenelften, der 25 Zähler aufweist. Für beide Teams ist die heutige Partie enorm wichtig.

WFV überwacht, wer zuschaut

20 Personen pro Verein sind zugelassen, dazu die Presse und Liveticker-Schreiber. Bei den 20 Personen sind auch SSV-Mitarbeiter dabei, die ehrenamtlich dienen. Der Verband WFV schickt einen Mitarbeiter, der die Anzahl  überprüft.

SSV-Trainer Maik Schütt meint vor der heutigen Partie: „Ich habe als Trainer noch nie  bei einem Geisterspiel mitgewirkt, wir müssen das ausblenden. Ich bin mehr als erfreut, was unsere Ultras der Szene E angeht. Was die Fans alles auf die Beine stellen mit der Spendenaktion und dem heutigen Bierfest nebenan, ist sagenhaft. Wir haben wirklich tolle Fans, das ist bundesweit einmalig.“ Fast 11000 Euro kamen bis gestern Nacht zusammen.

Pierre Eiberger und Denis Lübke haben eine leichte Erkältung überstanden. Es gibt das Verletztenquartett mit Tim Schwaiger, Tom Schiffel, Luca Wöhrle und Dominik Sessa. Onesi Kuengienda fehlt wegen einer Gelb-Rot-Sperre.

Neue Köpfe für SSV Reutlingen

Am 17. März stellt sich Cem Korkmaz bei der Mitgliederversammung des SSV Reutlingen Fußball zur Wahl für den Posten des  Ersten Vorsitzenden. Er wird auch die sportliche Leitung übernehmen.

Sinan Demez kandidiert genauso wie Steuerberater Jürgen Matteis (52), der einzige von der alten Vorstandschaft.

Korkmaz spielte beim VfB Stuttgart, den Stuttgarter Kickers, beim VfL Kirchheim mit dem Ex-Reutlinger Thomas Scheuring und bei Normannia Gmünd, er war Oberliga-Torschützenkönig. Außerdem war Cem Korkmaz 2017/2018 Aufsichtsrat und Präsidiumsmitglied bei den Stuttgarter Kickers, wohnt weiterhin in Stuttgart. Der fünffache Familienvater stieg bei SAP ein, ging dann zur Porsche-Tochter MHP – der 36-Jährige war jüngster Vorstand, jetzt ist er als Unternehmensberater selbständig.

Dazu  hat er einen Beirat, dem neben Joe Yebio noch Andreas Will, Wolfram Schmid, Benjamin Schirmer, Jochen Noack und Christian Grießer angehören.

Der gebürtige Pforzheimer Sinan Demez (41) ist Wirtschaftsjurist, die Söhne des dreifachen Familienvaters spielen beim SSV.  Er stellt sich als Zweiter Vorsitzender zur Wahl.

Trauer um Herbert Hahn

Trauer an der Kreuzeiche: Herbert Hahn, der den SSV Reutlingen jahrzehntelang durchs ganze Land fuhr, ist gestorben, wurde am Freitag mit einer Urnenbeisetzung beerdigt. Der mit 77 Jahren verstorbene Unternehmer war  langjähriger Förderer und Freund des SSV Reutlingen. Beim Kreuzeicheklub galt er als Busfahrer-Legende, kutschierte die SSV-Profis schon in der 2. Bundesliga durch die gesamte Republik, kannte alle Strecken und kam niemals zu spät.

INTERVIEW MIT SSV-KAPITÄN
PIERRE EIBERGER

Nach dem Spielausfall in Villingen beginnt der SSV Reutlingen Fußball nach genau 91 Tagen Pause gegen den 1. FC Rielasingen-Arlen heute (14 Uhr) an der Kreuzeiche mit der restlichen Rückrunde nach der Winterpause. SSV-Kapitän Pierre Eiberger nimmt Stellung zu einigen Fragen.

Wie beurteilen Sie den Spielausfall in Villingen vor Wochenfrist?

Pierre Eiberger: Es lag Schnee auf dem Rasen. Ich hatte einen Infekt mit Fieber, hätte wohl nicht spielen können. Für unsere Verletzten Schwaiger, Schiffel, Sessa und Wöhrle war der Ausfall gut, sie hatten eine Woche länger Zeit, um fit zu werden.

Welches Ziel streben Sie nun an?

Natürlich den Klassenerhalt, wir müssen so schnell wie möglich punkten, um da unten raus zu kommen. Ich denke so an 18 Punkte aus den ersten zehn Spielen, dann hätten wir Luft. Wir können jeden Gegner schlagen, wenngleich wir nach Rielasingen-Arlen mit Göppingen und dem VfB Stuttgart II zwei Brocken vor uns haben.

Wie sehen Sie den Weggang von Ruben Reisig zu den Kickers?

Wir haben uns blind verstanden, er ist nicht zu ersetzen. Jeder kannte die Laufwege des Anderen. Ich vermisse Reisig schon jetzt, er war ein ganz wichtiger Mann.

Was gibt es zu den zurückliegenden Turbulenzen und den Streik im Zusammenhang mit den Beiträgen zur Verwaltungsberufsgenossenschaft zu sagen?

Beim Streik ging es um die besagte VBG,  da ging Vertrauen in den SSV Reutlingen Fußball verloren. Ein gewisses Misstrauen herrschte. Doch wir müssen, nachdem nun alles erledigt ist, nach vorne und nur auf den Sport blicken.

Wie sehen Sie die Zukunft?

Ich höre in der Kabine, welche Angebote unsere Spieler haben und wohin sie gehen könnten. Ich hoffe aber, dass es die SSV-Verantwortlichen nach der Mitgliederversammlung am 17. März schaffen, den Großteil der Spieler in Reutlingen zu halten, damit Trainer Schütt nicht wieder zwölf Neue einbauen muss. Kontinuität  wäre enorm wichtig.