SSV Ein Riesenverlust

Sven Schimmel (Mitte) verlässt den SSV Reutlingen zum Saisonende.
Sven Schimmel (Mitte) verlässt den SSV Reutlingen zum Saisonende. © Foto: Axel Grundler
WOLFGANG GATTIKER 24.04.2015
Vor dem heutigen Oberliga-Heimspiel des SSV Reutlingen Fußball gegen den Kehler FV beklagt Trainer Robert Hofacker den Wechsel von Sven Schimmel nach Freiberg/Neckar: „Das ist ein Riesenverlust für uns.“

Heute um 15.30 Uhr gastiert der Kehler FV an der Reutlinger Kreuzeiche. Dort konnten die Südbadener nur einmal gewinnen, aber SSV-Spieler Pierre Eiberger warnt: „Der Kehler FV ist ein unangenehmer Gegner, der in Freiburg beim FFC am Mittwoch ebenso mit 3:1 gewann, wie wir in Aalen. Herrman überragte als zweifacher Torschütze für die Kehler, auf ihn müssen wir heute besonders achten.“

Der SSV Reutlingen hat jetzt inklusive dem WFV-Pokal-Halbfinalerfolg in Freiberg/Neckar drei Siege in acht Tagen eingefahren, strebt den dritten Punktspielsieg in Folge an, nachdem in Aalen der erste Auswärtstriumph seit dem 18. Oktober gelang, als Seemann und zweimal Golinski trafen und man den Rückstand nach 20 Sekunden durch VfR-II-Torschütze Kienle wettmachte.

Aalens zweite Mannschaft wird sich wohl nicht vom Spielbetrieb der Oberliga freiwillig zurückziehen. Ärger für die Medienvertreter und Zuschauer gab es dennoch am Mittwoch in der Zweitliga-Spielstätte. Denn der Service in der Aalener Scholz-Arena war schwach, es gab keine Durchsagen und keine Mannschaftsaufstellungen – die Partie wurde vom VfR Aalen augenscheinlich lieblos abgewickelt.

Dafür pfiff Karoline Wacker aus Marbach, was auffiel, weil Schiedsrichterinnen bei SSV-Spielen immer noch eine Seltenheit darstellen. Abwehrchef Rouven Wiesner konnte bei den Kreuzeichekickern überraschend spielen. Der SSV-Kader für die neue Runde steht, das aktuelle Team hat sich wieder gefunden, ist nun eine Einheit und besitzt den Teamgeist, der lange vermisst wurde. Die Achalmstädter bringen jetzt plötzlich wieder herausragende Leistungen und möchten heute den vierten Sieg innerhalb von zehn Tagen erringen – das wäre eine sehr gute Bilanz.

Doch einige Reutlinger Spieler haben nun acht Spiele in vier Wochen in den Knochen, das geht an die Substanz. SSV-Trainer Robert Hofacker wusste, dass in Aalen auch Glück dabei war: „Wir hatten kollektiven Tiefschlaf zu Beginn, hätten bereits 0:3 zurückliegen können. Der VfR Aalen II ließ uns im Spiel, und nach gut 15 Minuten fanden wir zu unserem Spiel, dominierten klar, hätten höher gewinnen können. Wir ließen nun kaum mehr etwas zu, das war eine tolle zweite Halbzeit. Darauf bauen wir heute gegen Kehl auf, wobei wir dann – wenn wir den einstelligen Platz, den wir nun haben, behalten wollen – hellwach sein müssen von der ersten Sekunde an.“

Routinier Giuseppe Ricciardi meinte: „Wir waren zu Beginn in Aalen noch im Bus – das hätte ins Auge gehen können. Dann besannen wir uns, waren konzentriert, das zeichnet uns aus.“ Torschütze Marc Golinski war glücklich: „Ich hatte zwei Eckstöße zum Testen, beim dritten schlug ich zu, der Ball passte genau oben ins Eck. Nun sind wir Neunter, möchten den Tabellenplatz halten.“

SSV-Trainer Robert Hofacker lobte und klagte gleichzeitig: „Sven Schimmel bot eine Klasseleistung, das war überragend. Sein Abgang ist ein Riesenverlust für den Verein. Er ist in dieser Form nicht zu ersetzen. Schimmel ist megaschnell.“

Sven Schimmel, der zum SGV Freiberg wechseln wird, freute sich, ebenso wie seine Reutlinger Teamkollegen, dass der FV Ravensburg und nicht die TSG Balingen (die Zollernälbler führten am Mittwoch schon mit 2:0, verloren dann das WFV-Pokalhalbfinale in Oberschwaben im Elfmeterschießen) der WFV-Pokalendspielgegner im Degerlocher Gazi-Stadion auf der Waldau am 6. Mai (19 Uhr) ist. Schimmel will freilich bis Ende Mai alles geben: „Wir waren in Aalen nach 20 Sekunden geschockt, der Schock saß tief, das dauerte eben 15 Minuten, dann waren wir voll bei der Sache.“

Hinten stand man kompakt, vorne hätte man noch zwei, drei Tore machen können, aber es war der erste Auswärtssieg seit einem halben Jahr. Die Kreuzeichekicker rissen sich zusammen, boten die dritte Top-Leistung in einer Woche und bewiesen, dass sie es können.

In dieser Verfassung und mit dieser Moral und Leidenschaft würden sie in der Tabelle deutlich weiter oben stehen.

Info Liveticker zum Spiel des SSV Reutlingen gegen Kehl unter www.swp.de/ssv-reutlingen