Ein Metzinger Urgestein tritt kürzer

JONAS SCHULZ 14.07.2012
Mit 80 Jahren will Fritz Kuhn (79), das "Mädchen für alles" hinter den Kulissen der aktiven Metzinger Fußballer, keine Vereinsämter mehr innehaben. Doch Kuhn und die TuS können scheinbar nicht ohne einander.

Immerhin konnte sich Fritz Kuhn nun schon der Tätigkeit als Stadionsprecher der Metzinger Landesliga-Fußballer - sein Nachfolger wird Thomas Reutter (48) - "entledigen." Wenn auch mit einer gehörigen Portion Wehmut, schließlich führte Kuhn seit dem Landesliga-Aufstieg in der Saison 1994/95 fachmännisch durch die Heimspiele der Metzinger "Ersten" im Otto-Dipper-Stadion. Dann war der sympathische Ur-Metzinger mit dem verschmitzten Lächeln stets in "seiner" Sprecherkabine anzutreffen und kämpfte mit so manch schwierig auszusprechenden Spielernamen.

"Früher war das noch nicht so einfach, weil sämtliche Spielberichtsbogen damals handschriftlich ausgefüllt waren. Da musste ich schon ab und zu etwas raten, habe es aber immer irgendwie hinbekommen", sagt Kuhn, der vor 17 Jahren vom damaligen Ausschussmitglied Martin Straub in das Amt des Stadionsprechers überredet wurde.

So sei er damals in die Sache "reingerutscht", die anfänglichen Bedenken waren jedoch schnell beiseite gewischt, zu groß war die Begeisterung für den Fußballsport und "seine" TuS. Zizino Teixeira-Rebelo, der Abteilungsleiter des Vereins, würdigte am 25. Mai vor dem letzten Heimspiel der abgelaufenen Saison gegen den VfB Bösingen im Namen des Vereins die "über Jahre leidenschaftlich vorgetragenen Verse und kurzweiligen Moderationen des Dichters und Denkers, des Mannes der Anekdoten" (Zitat Teixeira-Rebelo) und schenkte ihm als Erinnerung ein vergoldetes Mikrofon. Auch Hans-Michael Traum, einem langjährigen Metzinger Weggefährten, tut Kuhns Abgang weh: "Die Zusammenarbeit mit Fritz war fruchtbar. Er hat stets fair berichtet. Fritz hat immer dazugehört."

Kuhn selbst blickt glücklich auf eine schöne Zeit zurück: "Es hat mir stets große Freude bereitet und Spaß gemacht. Für mich war das eine Herzensangelegenheit." Ihm nimmt man das ab. Kuhn schwärmt von längst vergangenen "wunderbaren Tagen", die ihn als Jugendlichen und später als Aktiven bei der TuS II im Jahr 1950 zum runden Leder brachten. Der alte 08-Platz an der Reutlinger Straße, auf dem bis 1960 gekickt wurde, war immer toll besucht, "400 bis 500 Zuschauer war das Minimum bei den Spielen und eine Bombenstimmung", so Kuhn, "davon können die heutigen TuS-Kicker nur träumen."

Da Kuhns fußballerisches Talent nach eigener Aussage "eher mäßig" war, wirkte der Senior von 1956 bis 1964 als Schiedsrichter. Von 1966 an bis heute (46 Jahre) war und ist Kuhn als Pressewart bei den Fußballern der TuS Metzingen tätig - allerdings, wie Kuhn betont, habe er nicht durchgehend alle Aufgaben des Postens wahrgenommen. Zunächst machte sich der 79-jährige in der Organisation bei den Internationalen Metzinger Pfingstturnieren, die bis 1981 ausgetragen wurden, nützlich. "Der Zuschauerzuspruch war ebenso hochklassig wie das Niveau der teilnehmenden Teams", erinnert sich Kuhn. Spitzenteams wie der 1. FC Köln, SV Werder Bremen, Hertha BSC aber auch

Vicenza Calcio und FK Sarajevo - sie alle kickten damals im Ermstal und Kuhn war dabei. Zum erstmaligen "Sprechen mit dem Mikrofon", wie Kuhn liebevoll sagt, kam er als Turnierleiter der Metzinger Kleinfeldturniere, die bis Anfang der 1990er-Jahre ausgetragen und anfangs den Rahmen für die Internationalen Pfingstturnieren bildeten. Dass Kuhn nach dem aktiven Berufsleben als Technischer Angestellter im Jahre 1995 bei seinem Verein noch mehr in die Verantwortung genommen wurde, wird auch an der Erstellung der Metzinger Stadionzeitung "Fußballblättle" (zusammen mit Arthur Stotz) deutlich. Rund 250 Ausgaben waren es wohl, für die er in den zurückliegenden 17 Jahren die Texte geschrieben hat. Darüber hinaus waren die verschiedenen Jubiläen (75, 90, 100 Jahre TuS Metzingen Fußball) weitere Highlights in Kuhns jahrzehntelanger Amtszeit, die voraussichtlich spätestens am Ende der Saison 2012/13 endet. "Es hat sich noch kein Nachfolger als Pressewart gefunden", klagt Kuhn.

Es ist also ein langsamer Rückzug, den der rüstige Rentner bei der TuS antritt. "Dann ist aber wirklich Schluss", kündigt Kuhn an. Dass es bei ihm aber - auch über die kommende Saison hinaus - doch nicht ganz ohne die TuS geht, zeigt seine Arbeit als inoffizieller Abteilungsarchivar, in deren Rahmen er alte Berichte in elektronischer Form sichert, sodass diese dem Klub und dem Stadtarchiv erhalten bleiben. Sein Motiv für diese Tätigkeiten ist und bleibt dasselbe, wie bei den zahlreichen anderen Tätigkeiten zuvor: "Es macht mir halt Spaß."