Reutlingen Ein Glücksgefühl im Nationaltrikot

Denis Lapaczinski im Original-Trikot der deutschen U20-Nationalmannschaft. Er durchlief die Jugendmannschaften des DFB ab der U15 und spielte einst gegen Andres Iniesta und Co.
Denis Lapaczinski im Original-Trikot der deutschen U20-Nationalmannschaft. Er durchlief die Jugendmannschaften des DFB ab der U15 und spielte einst gegen Andres Iniesta und Co. © Foto: Giovanni De Nitto
Reutlingen / Freudemann 27.06.2018

Denis Lapaczinski weiß wovon er spricht. Er hat das Trikot der deutschen Nationalmannschaft getragen. Nicht nur ein Mal und nicht nur in Testspielen. Bei der U20-Weltmeisterschaft in Argentinien war es soweit. Sein damaliger Trainer Uli Stielike – selbst vielfacher Nationalspieler – hatte ihn nominiert. Das war im Jahr 2001.

Als 20-Jähriger bestritt er in Südamerika vier Länderspiele, drei in der Gruppenphase und eines im Achtelfinale. „Es läuft Dir kalt den Rücken herunter wenn Du so in der Öffentlichkeit stehst. Ich war natürlich stolz, zu den 18 Besten meines Jahrgangs zu gehören. Es ist einfach ein Glücksgefühl,“ sagt er.  Und wenn in diesen Tagen die A-Nationalmannschaft bei der WM in Russland antritt, dann kommt es bei ihm wieder hoch: „Ich kann es jedem Fußballer nur wünschen da mal dabei zu sein. Es nimmt Dich total in Beschlag.“

In Argentinien spielte Lapaczinski übrigens in Cordoba, jener Stätte, die als „Schmach von Cordoba“ in die deutsche Fußball-Geschichte eingegangen ist. Dort verloren seine Kollegen vom A-Team 1978 bekanntlich gegen Österreich und schieden überraschend früh aus dem WM-Turnier aus. Abwehrrecke Rolf Rüssmann konnte die entscheidenden Treffer eines gewissen Hans Krankl nicht verhindern. Seine beiden Tore beim 3:2 gegen Deutschland in Cordoba samt Edi Fingers „I wer‘ narrisch“-Radiokommentar haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. „Das wird immer ein Mythos bleiben und ist ein Stück österreichische Sportgeschichte, das schönste, das es je gab“, sagte Krankl später einmal.

Denis Lapaczinski hatte es 2001 als U20-Spieler mit dem deutschen Auswahl-Team bis ins Achtelfinale geschafft. Man setzte sich in der Gruppenphase gegen Brasilien, Kanada und den Irak –  ausgerechnet gegen diesen Gegner unterlief ihm ein Eigentor – durch. „Gegen Frankreich sind wir dann im Achtelfinale mit 2:3 gescheitert.“ Und wenn man ihm aufmerksam zuhört, erfährt man, dass er in seinen ganzen Auswahlspielen, die er ab der U15 – sein erstes Länderspiel bestritt er als C-Jugendlicher unter Trainer Erich Rutemöller in Göppingen gegen Holland vor 10 000 Zuschauern – bestreiten durfte eine Mannschaft besonders heraushebt: Spanien. In einem Test der U17-Teams sei er mit seinem Team vorgeführt worden wie noch nie. Kein Wunder, standen sich ihm doch spätere Weltklassespieler wie Andres Iniesta oder Xabi Alonso gegenüber. „Wir verloren 0:3 und das war noch sehr milde.“

Denis Lapaczinski hat schon in der Jugend für den SSV Reutlingen gespielt und dann ein Jahr für den VfB Stuttgart bei den A-Junioren, die 1979/98 Deutscher Vizemeister wurden. Seine große Zeit kam dann im Jahr 2000, als er als 17-Jähriger mit dem SSV in der 2. Bundesliga spielte. Und das als jüngster Libero der Liga. „Unser damaliger Trainer Armin Veh hat mir das Vertrauen geschenkt und mich von Beginn an spielen lassen“, so „Lapa“ wie ihn seine Freunde nennen.

Und bald wurde die große, weite Welt des Fußballs auf ihn aufmerksam. Allein bei vier Bundesliga-Klubs spielte er. Den Beginn machte Hertha BSC Berlin. Damals ging es vom beschaulichen SSV Reutlingen, die zu dieser Zeit noch 2. Bundesliga spielten, zu den „Fröschen“. „Eine andere Welt, alles größer und weiträumiger. Allein die Stadt, das war für mich damals einfach irre.“ Weil er sich aber bald verletzte, gelang ihm nie der Sprung in die Stammmannschaft. „Ich habe bei Hertha drei Monate gebraucht für mein erstes Spiel gegen Werder Bremen. Meine Aufgabe war es damals, den Andy Herzog abzudecken. So was vergisst man natürlich nie.“ Später wechselte er zu Hansa Rostock, Schalke 04 und 1899 Hoffenheim.

Der 36-Jährige, der in Reutlingen geboren und aufgewachsen ist, arbeitet heute in Reutlingen als Vermögensberater. Seine früheren Nationaltrikots bewahrt er bei sich zu Hause im Schrank auf und dann kann es sein, dass er sie während der WM-Zeit auch überstreift.

Überhaupt WM. Wen hält er für die beste Mannschaft? „Für mich ganz klar die Franzosen. Sie sind hungrig und gierig und stellen ein junges, ehrgeiziges Team. Vor allem aber haben sie eine super Qualität.“ Und die Deutschen? „Vielleicht ist schon im Viertelfinale Schluss, wer weiß“, setzt er keine großen Hoffnungen. Den Einsatz des Videobeweises findet er „positiv“. „Die Umsetzung ist gut. Ich würde es aber machen wie im Football. Die Trainer sollten eingreifen können, das wäre besser.“

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