Fußball-Oberliga Die schwarze Bestie vom Kaiserstuhl

Wenn es gegen den Bahlinger SC geht, wird es meist kritisch für den SSV Reutlingen. Hier hat Tom Schiffel (Mitte), um dessen Einsatz gebangt wird, seine liebe Mühe und Not mit zwei BSC-Akteuren.
Wenn es gegen den Bahlinger SC geht, wird es meist kritisch für den SSV Reutlingen. Hier hat Tom Schiffel (Mitte), um dessen Einsatz gebangt wird, seine liebe Mühe und Not mit zwei BSC-Akteuren. © Foto: Archiv
Reutlingen / Wolfgang Gattiker 25.11.2017

Im Spanischen nennt man einen Angstgegner „la bestia negra“, im Italienischen gibt es die fast identische Bezeichnung „la bestia nera.“ Auf internationaler Ebene wurde dabei oft der FC Bayern München und seine Bilanz gegen Real Madrid ins Spiel gebracht, weil die Rot-Weißen den „Königlichen“ zumindest bis vor wenigen Jahren oftmals die Grenzen aufgezeigt hatten. Doch dieser inzwischen ausgeglichene Ergebnis-Vergleich ist rein gar nichts gegen die Bilanz des SSV Reutlingen gegen den Bahlinger SC. Der kleine Verein aus dem nur rund 4300 Einwohner zählenden Örtchen Bahlingen am Kaiserstuhl im Landkreis Emmendingen ist zumindest in seinem Kaiserstuhl-Stadion fast schon mehr als ein Angstgegner.  Zombies und Dracula könnten den Gruselfaktor bei den Achalmstädtern kaum höherschrauben als es die wackeren Südbadener tun.  Acht Mal gastierte der SSV bisher im Kaiserstuhl-Stadion, genannt Ponderosa (wie die fiktive Ranch der Fernsehserie Bonanza), beim Bahlinger SC und acht Mal verließ der Ex-Zweitligist den Weinort am Kaiserstuhl mit einer Niederlage: 1:2, 1:2, 0:2, 0:2, 1:3, 1:3, 1:3, 0:2 – das Torverhältnis lautet 5:19.

SSV-Fußball-Vorsitzender Michael „Dino“ Schuster hofft auf ein Ende des Albtraums: „Im Vorjahr haben wir durch späte Tore auch in Hollenbach gewonnen und dort die jahrelange Negativserie durchbrochen. Warum nicht auch am heutigen Samstag in Bahlingen?”

Die Südbadener hatten ehrgeizige Ziele, wollten oben mitmischen, aber nun haben sie mit 25 Punkten zehn Punkte Rückstand auf den Tabellenzweiten FC Villingen.

BSC-Trainer Alfons Higl, ein ehemaliger Profi des FC Augsburg, SC Freiburg und 1. FC Köln sowie später Co-Trainer von Armin Veh beim Deutschen Meisterschaftsgewinn des VfB Stuttgart im Jahr 2007, baut auf die Fortsetzung der Erfolgsserie gegen die am Kaiserstuhl so gerne gesehenen Reutlinger.

Allerdings ist der BSC derzeit nicht in Topform, verlor zuletzt beim abstiegsbedrohten Karlsruher SC II mit 0:1. Alfons Higls Sohn Felix spielt im Bahlinger Oberliga-Team ebenso eine tragende Rolle wie Bührer, Ilhan, Respondek, Risch, Abwehr-Riese Adam oder Spiegler.

Beim SSV Reutlingen Fußball steht die Trainerfrage derzeit ganz oben. Man soll auch ein Gespräch mit  Jonathan Annel gefüht haben, der mit Bezirksliga-Spitzenreiter SSC Tübingen aber die Landesliga anpeilt. Nachdem Lorenz-Günther Köstner wohl kein Thema ist, könnte Murat Isik ein Kandidat als Rückkehrer auf die SSV-Bank sein. Mit dem Deutsch-Türken wurde auch gesprochen. Seine beiden Söhne spielen beim SSV, er selbst trainiert die C-Junioren beim VfB Stuttgart. Isik war von 2012 bis 2015 bereits Trainer an der Kreuzeiche, belegte  zwei Mal den siebten Platz, kam nie in Abstiegsgefahr.

Insider sagen, dass es der größte Fehler war, Murat Isik 2015 zu entlassen. Der Ex-Frickenhäuser hat ab und zu noch Kontakt zu Betreuer Marzin, Spielleiter Göggelmann, Vorsitzendem Schuster und anderen Leuten beim SSV Reutlingen Fußball. Wer Isik kennt, weiß, dass der Deutsch-Türke ehrgeizig ist. Ein Mittelfeldplatz genügt ihm nicht, Isik will sicher oben angreifen, die Regionalliga anpeilen.   Er  kennt die Verhältnisse an der Kreuzeiche und weiß, dass ohne weitere Sponsoren ein Aufstieg kaum möglich ist.

Zum Spiel in Bahlingen am heutigen Samstag meint SSV-Interimstrainer Andreas Rill: „Ich muss wohl auf Schiffel verzichten, der wieder leicht trainiert. Hartmann spielte in unserer zweiten Mannschaft, ist wieder krank und gilt als Pechvogel der Saison. Spiegler trainiert, während Haas Medizin studiert, bald seinen Doktor machen will. Da dürfte er nach der Pause bei einem Landesligisten spielen. Marcel Avdic  hatte Prüfungen, trainierte zu Wochenbeginn nicht mit, sein Einsatz heute müsste möglich sein.”

Rill hält nichts vom Mythos um die „bestia negra:“ „Serien interessieren mich nicht, wir wollen eben mit Leidenschaft wie nach der Pause gegen die TSG Weinheim spielen, etwas mitnehmen. Da müssen wir kompakter stehen, eine große Laufbereitschaft  an den Tag legen mit viel Engagement. Wir dürfen nicht so spielen wie vor der Pause. Es lohnt sich für unsere Fans, nach Bahlingen am Kaiserstuhl zu fahren, denn wir werden dagegenhalten und einiges zeigen. Davon bin ich überzeugt. In unserem Team steckt vieles, aber der Bahlinger SC hat sicher ein starkes, eingespieltes Team. Ich spielte auch schon auf der Ponderosa und verlor jedes Mal, aber ich schaue nicht auf Serienergebnisse.”

Schuster dementiert Trainerverpflichtung

Es ist kein Geheimnis, dass Andreas Rill aufgrund seines Berufs als Lehrer an der Tübinger  Geschwister-Scholl-
Schule nur noch bis Ende des laufenden Kalenderjahres als Cheftrainer des Oberligisten SSV Reutlingen Fußball tätig sein wird. Danach soll ein neuer Trainer die Schwarz-Rot-Weißen coachen. Dass bereits Namen von Rills Nachfolgern durch die Medien geistern, erregt SSV-Fußball-Boss Michael  „Dino“ Schuster. „Ich muss solche Meldungen über bereits feststehende Verpflichtungen dementieren. Es laufen Verhandlungen, aber noch ist nichts in trockenen Tüchern“, macht Schuster klar. Angeblich hat sich eine zweistellige Anzahl von Trainern beim SSV Reutlingen Fußball beworben oder erkundet. woga/gio/alex

Gedanken über Fusion zwischen SSV und YB

Was vor einiger Zeit noch undenkbar erschien, geistert nun doch durch die „Echazmetropole“. Eine Zusammenarbeit von SSV Fußball und TSG Young Boys. Dazu gab es lose Gespräche zwischen Michael Schuster und Thorsten Bauer, dem Vorsitzenden der TSG Young Boys zwecks einer Fusion. Dann würde der SSV mit seiner zweiten Mannschaft in der Landesliga spielen. Die Jugend der TSG Young Boys gehört zum Teil der TSG Reutlingen, da gibt es auch Verträge mit Ausrüstern wie Uhlsport. Das Ganze wäre nicht einfach, man dachte eben mal drüber nach. Schließlich läuft es bei beiden Klubs nicht wunschgemäß.

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