Reutlingen / Matthias Jedele  Uhr

Wenn es auf das Ende einer Saison zugeht, stehen für Vereine oft viele Gespräche mit Spielern an. Das ist beim Oberligisten SSV Reutlingen 05 Fußball nicht anders. Insbesondere nach dem Rücktritt vom 1. Vorsitzenden Sport Michael Schuster und dem Sportlichen Leiter Giuseppe Ricciardi. So war auch lange nicht klar, für welchen Verein SSV-Kapitän und Urgestein Pierre Eiberger nächste Saison seine Fußballschuhe binden wird. „Es sah zwischenzeitlich so aus, dass die Mannschaft nach dem ganzen Hickhack der vergangenen Wochen und den Rücktritten der sportlichen Führung komplett auseinander fällt“, erklärt Eiberger, warum er auch mit Gedanken spielte, sich dem Regionalligisten TSG Balingen anzuschließen. „Die Verantwortlichen der TSG haben sich wirklich sehr um mich bemüht, am Ende hat dann aber doch mein Herz entschieden“, so Eiberger, der seit der C-Jugend ununterbrochen für die Kreuzeichekicker aufläuft.

Insgesamt kann Eiberger 232 Einsätze in der Oberliga Baden-Württemberg und vier Einsätze in der Regionalliga vorweisen, bei denen der Mittelfeldakteur 32 Tore erzielte. In der aktuellen Spielzeit stand er 29 Mal  auf dem Platz und hat mit 2346 Minuten die zweitmeiste Spielzeit auf dem Konto. Nur Ruben Reisig (2730 Minuten) stand länger auf dem Feld.

„Wir haben eine überragende Vorrunde gespielt und standen auch zurecht auf dem ersten Platz. Da dachte ich schon, dass in dieser Saison etwas nach oben gehen könnte. Die Spiele gegen die beiden Kellerdinger aus Spielberg (1:1) und Friedrichstal (0:3) waren dann allerdings der Knackpunkt. Anschließend war irgendwie der Wurm drin“, analysiert Eiberger die lange Serie von acht Spielen ohne Sieg, die den SSV Reutlingen am Ende eine bessere Platzierung kosten wird.

Mitunter selbstkritisch stellt sich der Kapitän auch vor seinen Ex-Trainer Teodor Rus: „Nach außen hin wird dem Coach die Schuld für die Negativserie gegeben. Das sehe ich nicht so. Wir haben als Mannschaft nicht mehr die Leistung gezeigt, die uns noch in der Vorrunde ausgezeichnet hat. Da hat der Wille, das Engagement, das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen, einfach gefehlt, und dann ist es im Fußball halt leider so, dass es den Trainer meistens als erstes trifft. Denn wenn wir aus den acht Spielen nur neun Punkte mehr geholt hätten, wäre wir vorne ganz dick mit dabei und Teodor Rus noch unser Trainer.“

Neue Chance für den Verein

Der neuen Saison blickt der angehende Groß- und Außenhandelskaufmann positiv entgegen. „Der Rücktritt von Michael Schuster und Giuseppe Ricciardi kam natürlich sehr überraschend. Doch Martin Göggelmann und Eberhard Spohn haben das super aufgefangen und sind sofort in die Bresche gesprungen. Ich sehe da jetzt auch eine Chance, etwas Neues aufzubauen, mit neuen Sponsoren und mit einem neuen Trainer, der in Sindelfingen gezeigt hat, was er kann. Daher hoffe ich, dass wir nächstes Jahr eine gute Mannschaft beisammen haben werden.  Der Großteil der Jungs bleibt jetzt ja auch  und das war mir persönlich sehr wichtig“, so Eiberger weiter.

Eine sportliche Zielsetzung will das Reutlinger Urgestein für das nächste Jahr noch nicht ausgeben. Beruflich hat Eiberger jedoch die Weichen bereits gestellt, da er direkt nach seiner Ausbildung ein Studium anstrebt: „Der Studiengang ist noch nicht ganz sicher, aber ich tendiere in Richtung Personalmanagement“, blickt er voraus.