Fußball Beim SSV ist der Knoten geplatzt: Reutlinger holen ersten Sieg

Karlsbad-Spielberg / Wolfgang Gattiker 27.08.2017
Die Reutlinger SSV-Fußballer landen den ersten Saisonsieg in der Oberliga und gewinnen mit 3:2 beim SV Spielberg.

Endlich ist der Knoten geplatzt: Der SSV Reutlingen feierte in Karlsbad-Spielberg (Kreis Karlsruhe) mit einem 3:2-Erfolg seinen ersten Saisonsieg, wobei die Maßnahmen von Trainer Jochen Class  gegriffen haben. Er baute vier neue Spieler ein: Eiberger, Methner, Hartmann und Schneider für Wiesner, Fischer, Vogler und Maier. Methner und Schneider bildeten die Doppel-Sturm-Spitze, während in der Abwehr-Viererkette Schramm, Milisic, Hartmann und  Plattenhardt spielten. Eine sehr offensiv geprägte Kette, die nicht immer sicher wirkte. Dass alle drei Stürmer trafen, spricht für sie  und für Class.

Im SSV-Spiel sah man den Biss, den Fight, die Bereitschaft, alles zu geben. Man presste, hätte aber noch ruhiger agieren sollen. Doch das Team - acht Neue standen zu Beginn auf dem Platz, so haben sie noch nie zusammengespielt - brauchte Zeit. Aber die Spieler sahen, dass es sich lohnt, einen solchen Aufwand und Kampfgeist an den Tag zu legen.

Methner und Schneider sorgten vorne für Wirbel, beide trafen - Class hat alles richtig gemacht. Nun sollte man am Freitag gegen Backnang nachlegen und schon sieht die SSV- Fußballwelt rosiger aus.

Nach 140 Tagen gab es endlich wieder einen Auswärtssieg. Avdic spielte hinter den jungen Spitzen (Methner ist 19, Schneider 21) - auch da war man offensiv ausgerichtet, das war durchaus riskant vom Trainer.

Zum Spiel: Zimmermann vergab die erste Chance, die Spielberger Diagonalpässe kamen an, die vom Gast nicht immer. So fiel auch das 1:0, als Knorn einen Freistoß ausführte und Phil Weimer per Kopf  unbedrängt einnicken konnte. Hätte Jurkovic rauskommen müssen?

Class war zunächst sauer: „In der Kabine hängt ein Zettel, da steht die Zuordnung drauf, doch Weimer wurde alleine gelassen.“ Sechs Minuten später glich der SSV aus, fand eine schnelle Antwort. Eine Kombination über Avdic, Rohr und Eiberger führte zu Raphael Schneider, der eiskalt aus elf Metern einlochte. Übrigens: Der SSV wird heute noch einen Spieler verpflichten: Marco Di Biccari, der lange mittrainierte. Er wird jetzt, da das Kapitel „Bobo“ Mayer abgeschlossen ist, kommen. Er ist ein Routinier. Der SSV hatte Chancen, vier Schussversuche blieben in der vielbeinigen SV-Abwehr hängen (29.), ehe Riedel den Außenpfosten traf und Maximilian Rohr (40.) die große Chance für den SSV vergab, als er es schaffte, den Ball aus fünf Metern freistehend sechs Meter vor dem Kasten in die  Wolken zu schießen.

Nach der Pause die schnelle SSV-Führung. Ein Schneider- Freistoß blieb in der Mauer hängen, der Ball kam zu Marvin Methner und der lochte ein: Der SSV hätte jetzt das Spiel entscheiden können, die Konter waren aber nicht gut angelegt. So kam der Gastgeber zum 2:2. Jonas Daum zog aus 25 Metern ab, der Ball lag im Tor, Jurkovic wurde auf dem falschen Fuß erwischt -  er spielt eben offensiv mit, da wurde er überrascht.

Die SSV-Finalpässe kamen nicht immer an, aber in der  80. Minute hatte Chatzimalousis den Ball erkämpft, schickte Onesi Kuengienda, der aus gut 25 Metern den Ball über den herausstürzenden Torwart Moritz hob. Die Nachspielzeit brachte nichts - der erste Saisonsieg stand fest: Riesenjubel bei Sportdirektor Giuseppe Ricciardi: „Das waren drei Punkte für die Moral und das Selbstvertrauen. Die Mannschaft benötigt Erfolgserlebnisse.  Alle drei Stürmer haben getroffen - das ist positiv, doch wir müssen noch kompakter stehen.“

SSV-Keeper Milan Jurkovic lobte: „Ich bin stolz, das SSV-Wappen tragen zu können. Die Rahmenbedingungen in Reutlingen sind super - das ist einmalig in der Oberliga. Ich spiele eben offensiv: Neun Mal geht es gut, einmal kann eben ein Tor fallen, so ist das eben. Doch jetzt ist die Stimmung nach dem Sieg anders, wir gehen heute mit mehr Freude  ins Training.“

Nur die Punkte zählen

Trainer Jochen Class atmete auf: „Diesmal zählen nur die Punkte, egal wie sie errungen wurden. Das Spiel war nervenaufreibend, meine Spieler gingen ans Limit. Wir spielten sehr offensiv, darunter litt die Defensive. Alle drei Stürmer trafen, da muss Fischer um seinen Platz kämpfen, die Jungs haben vorgelegt.“ SVS-Coach Peter Hogen meinte: „Auch ich brachte vier Neue, Zählbares kam nicht heraus. Ich übernehme die Verantwortung, stelle mich der Kritik. Es war ein offener Schlagabtausch, am Ende fehlten in der englischen Woche und Hitze die Körner.”

So wurden die SSV-Spieler von ihren Fans gefeiert, sie boten ja auch eine ordentliche Leistung ohne Ausfall. Noch fehlte die Ruhe, die Sicherheit, auch die Pässe ins Zentrum kamen oft nicht an. Es gibt noch viel Arbeit an der Kreuzeiche.

Stenogramm SV Spielberg - SSV Reutlingen 2:3

SV Spielberg:  Moritz - Fixel (55. Brechtel), Müller, Bückle (65. Leimenstoll), Kappler - Daum, Knorn, Benz, Riedel, Weimer (55. Schoch) - Zimmermann (78. Di PIazza)

SSV Reutlingen Fußball: Jurkovic - Schramm, Hartmann, Milisic, Plattenhardt - Prediger (ab 68. Minute Colic), Eiberger (65. Kuengienda), Avdic (57. Lübke), Rohr - Methner (76. Chatzimalousis), Schneider

Tore: 1:0 Weimer (14.), 1:1 Schneider (20.), 1:2 Methner (47.), 2:2 Daum (63.), 2:3 Kuengienda (89.)
Zuschauer: 380
Schiedsrichter: Jonas Brombacher (Kandern).
Eckballstatistik:  3:5.
Gelbe Karten: Kappler, Weimer - Prediger, Avdic, Rohr.