Pfullingen Aufstieg zum Abschied?

Das Wort mit dem A wird vermieden. Deshalb hat VfL-Coach Jochen Class wohl auf Zeichensprache umgestellt.
Das Wort mit dem A wird vermieden. Deshalb hat VfL-Coach Jochen Class wohl auf Zeichensprache umgestellt. © Foto: Eibner
SEBASTIAN BUCK 24.04.2015
In Pfullingen hat man sich sicherlich jüngst die Tabelle abfotografiert. Denn die Class-Elf liegt auf Rang zwei der Landesliga Staffel III - unmittelbar vor der TSG Young Boys Reutlingen.

Der VfL Pfullingen tritt am Samstagnachmittag zu Hause gegen die TSG Tübingen an zum nächsten Derby. Nach dem denkwürdigen 4:0 der Vorwoche über die Reutlinger Ringelbach-Kicker, rangiert Pfullingen auf dem zweiten Platz der Tabelle. "Uns gut aus der Affäre zu ziehen hat letzte Woche ganz gut geklappt", übt sich Abteilungsleiter Timo Schyska derart in Understatement, dass er erst gar nicht erst anfängt zu stapeln. Und weiter: "Wir halten den Ball flach. Wir warten was kommt und streben nicht mit aller Gewalt nach oben."

Kommen wird am Samstag jetzt erst einmal die TSG Tübingen. Die Universitätsstädter klassieren sich derzeit auf Rang fünf und sind durchaus noch in Schlagdistanz zu den oberen Regionen. Tübingen habe alle Derbys auswärts gewonnen, bemüht Schyska die Statistikbücher, um die Euphorie im Echaztal in einem erträglichen Maß zu halten. Blöd nur für den Fußballchef, dass andere Statistiken beim Duell vom Samstag satte elf Sieg auf Pfullinger Seite verbuchen. Drei Unentschieden wie drei TSG-Siege gesellen sich hinzu.

Auf dem Papier ist also der VfL Pfullingen favorisiert. Da hält Schyska energisch dagegen: "Das wird nicht minder schwer als gegen die Young Boys. Wir dürfen keinen Prozentpunkt nachlassen." Und urplötzlich blitzt sie durch, die Lust aufs Gewinnen. Schyskas Fuß rutscht von der Euphoriebremse, als er meint: "Wir versuchen das Möglichste. Wir haben uns das über die Saison hinweg verdient, auch wenn es so nicht zu erwarten war. Man freut sich natürlich darüber. Wir werden uns im Falle das Falles natürlich nicht wehren." Doch das "A-Wort" nimmt er partout nicht in den Mund . Vielleicht ist das ja auch der Schlüssel zum Erfolg an der Echaz: Eine gesunde Portion Selbstunterschätzung. Man wird sehen, ob Coach Jochen Class den Aufstieg zum Abschied schafft.

Im zweiten Derby des Spieltages empfängt der TB Kirchentellinsfurt am Faulbaum die TSG Young Boys Reutlingen. Letztere haben die Schmach vom Ringelbach noch in den Knochen. Das weiß auch TBK-Trainer Jan Wachsmuth: "Reutlingen will aufsteigen, wir stehen ganz unten. Die Favoritenrolle ist also klar verteilt. Die werden motiviert kommen und dürfen keine Punkte mehr verlieren."

Für das selbsterklärte Ziel Aufstieg müssen die Young Boys in der Tat rasch wieder auf den zweiten Tabellenplatz kommen - mindestens. Da könnte die Schanz-Truppe Glück haben, denn in K'furt sind nicht alle Mann an Bord. Torhüter Christoph Schneck hat sich im Spiel gegen Metzingen einen doppelten Bänderriss im Sprunggelenk zugezogen und fällt definitiv aus. Ebenso nicht zur Verfügung stehen wird Dominic Kauffmann. Aber Wachsmuth stapelt hauptsächlich auf Grund der Tabellensituation tief: "Wenn wir realistisch sind, wird es sehr schwer, in unserer Verfassung zu punkten." Ein TBK-Sieg würde in der Tat einem lokalsportlichen Erdbeben gleichkommen.

Die TuS Metzingen muss nach Zimmern. In der Vorwoche konnte man bekanntlich mit 3:0 einen Sieg gegen den Lokalrivalen aus Kirchentellinsfurt feiern. "Das war tabellarisch ganz wichtig. Wir müssen fünf Teams hinter uns lassen und dazu braucht es Punkte. Wir haben letzte Woche unsere Chancen endlich genützt", blickt TuS-Coach Zizino Teixeira-Rebelo zufrieden zurück. Doch er weiß auch, dass es in Zimmern nicht annähernd so viele Einschussmöglichkeiten geben wird: "Das ist schon eine andere Hausnummer, da müssen wir unsere Chancen noch besser nützen." Es komme vor allem auf die eigene Defensive an. "Wir müssen hinten gut stehen. Der SVZ ist in der Offensive richtig gut, eine gefährliche Truppe", so der Übungsleiter. Frederick Mohr ist von seinem Brasilien-Aufenthalt zurück, wurde nicht vom FC Sao Paulo gesichtet und kann wieder mittun in Metzingen. Es wird in Zimmern auch jeden Mann brauchen, um Punkte zu holen. "Mit einem Punkt wäre ich zufrieden. Ein Dreier wäre natürlich sensationell", gibt Teixeira-Rebelo die Marschroute für seine Kicker aus.