"Sie ist ein Aushängeschild des TSV Altenburg", eröffnete Vereinsvorsitzender Erich Diebold den Abend. Selin Münz, zwölffache Junioren-Nationalspielerin und seit drei Jahren beim Bundesligisten VfL Sindelfingen aktiv, lernte das Fußballspielen in Altenburg. Aus diesem Grund bekam der TSV Altenburg als Ausbildungsverein vom DFB, den Helmut Ebermann vom WFV vertrat, einen Scheck in Höhe von 1 700 Euro überbracht.

Das Geld kommt der Fußballabteilung des TSV zu Gute. Mittlerweile sind solche Termine für die 18-jährige Münz, bei denen sie im Fokus der Aufmerksamkeit steht, Routine - fast zumindest. "Es war anfangs schon ungewohnt", beschreibt sie den Hype um ihre Person und fügt an: "Eigentlich ist es das heute ab und zu auch noch." Doch kurz darauf erfüllte Selin Münz geduldig jeden Autogrammwunsch der anstürmenden Kinder vom DFB-Stützpunkt, der zur Zeit auf den Plätzen des TSVA quartiert und dort Trainingseinheiten abhält. Münz fing ebenfalls in jungen Jahren an. Nachdem sie mit fünf Jahren bei den Altenburger Bambinis einstieg und dort zwei Jahren lang dem Ball nachjagte, zog es die heutige Bundesliga-Spielerin zur TuS Metzingen. Danach folgte der Nachbar SSV Reutlingen 05 Fußball, bei dem sie in der C-Jugend spielte. Nach nur einem Jahr dann der Wechsel in die Daimler-Stadt Sindelfingen zum dortigen VfL. Nach einer Saison in der B-Jugend stieg Selin Münz in den Kader der ersten Mannschaft auf, damals in der Spielzeit 2013/2014 in der Beletage des Frauenfußballs vertreten. Ihr Ligadebüt feierte die 1997 geborene Fußballerin gegen die TSG 1899 Hoffenheim. "Ich war damals die Jüngste, die in der Stammformation gespielt hat", erinnert sie sich.

In der Spielrunde 2014/15 stand sie für den VfL Sindelfingen 21 Mal auf dem Rasen. Die Innenverteidigerin meint schmunzelnd zu ihrer Spielweise: "Ich war immer am Limit, kam auf meine vier Gelben Karten, war aber nie gesperrt und bekam auch nie eine rote Karte. Aber in der Abwehr muss man eben schon mal die Grätsche auspacken." Altenburgs ehemaliger Jugendleiter Hans-Peter Riehle weiß um die Stärken seines ehemaligen Schützlings: "Selin war schon immer sehr ballsicher, hatte einen Blick für die Mitspieler und eine gut Passquote", lobt er in den höchsten Tönen. Die Erfolge der Vergangenheit lassen Selin Münz auch heute nicht los: An ihr Debüt im Nationaldress denkt sie gerne zurück. Anfang November 2011 war es soweit, beim U15-Spiel gegen die schottische Auswahl streifte sie sich erstmals das Trikot mit dem Adler über. "Das ist etwas ganz Besonderes, wenn dir alle zujubeln und dann die Hymne gespielt wird. Das war sehr emotional, da sind mir fast die Tränen gekommen", erzählt sie. Man spürt, dass es für sie eine Ehre ist, den Adler auf der Brust tragen zu dürfen.

Doch der sportliche Erfolg hat auch eine Kehrseite der Medaille. Bei vier Mal Training pro Woche bleibt nicht viel Zeit, vor allem nicht für die Schule. "Bei Turnieren war ich oft eine ganze Woche weg. Der DFB gibt zwar bei den Lehrgängen Unterricht, aber das ersetzt nur einen Teil, den Rest muss ich dann selbst nachholen. Das erfordert viel Organisation", so die Altenburgerin. Auf das Abitur lernte sie auf den Busfahrten quer durch die Republik, reduzierte in der heißen Lern-phase das Training von vier auf zwei Einheiten und setzte während der Prüfungsphase ganz aus. Doch die Mühen haben sich gelohnt, ihr Abitur hat sie in der Tasche, einen Studienplatz ebenfalls. Ab Anfang Oktober hört sie nicht nur den Kommandos ihres Trainers zu, sondern lauscht auch den Ausführungen der Professoren im Fach International Economics mit Französisch - zu Deutsch Volkswirtschaftslehre.

Selin Münz ist trotz ihrer Erfolge realistisch genug, um die wirtschaftliche Lage im Frauenfußball einzuschätzen. Dass selbst die besten Ballspielerinnen des Landes nicht reich werden mit ihrem Tun, ist ein offenes Geheimnis. Ihre Mutter Evelyn Münz sieht das ähnlich: "Es ist schon kostspielig und besonders stressig. Aber man macht es gerne, wenn die Kinder Spaß daran haben. Der Bruder ist beim SSV, ihre Schwester hat auch schon gespielt. Die haben sich alle auf den Fußball eingeschworen", meint Mutter Evelyn Münz mit einem Lächeln.

Für die Sindelfinger Innenverteidigerin ist aber klar: "Ich will natürlich Weitermachen mit dem Fußball, aber das Studium darf deshalb nicht in den Hintergrund rücken." Aus diesem Grund ist sie in der Hinrunde beim VfL Sindelfingen nicht auf dem Feld, will sich erst einmal an der Uni einleben.

"In der A-Nationalmannschaft würde ich gerne ein Spiel machen", hat Selin Münz noch Träume, die sie verwirklichen will. Sie fügt nach kurzer Überlegung, angesprochen auf ihre zukünftigen Ziele im Vereinsfußball, noch an: "Frankreich wäre toll, Paris Saint Germain. Aber das ist Stand heute unrealistisch", bleibt sie auf dem Boden. Doch Träumen ist erlaubt, selbst im Profifußball.