Crailsheim / Von Klaus Helmstetter Der Crailsheimer Harald Nadrowski und Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic haben früher bei den TSF Ditzingen im selben Oberligateam gekickt.

Wenn sich die Kicker diese Woche anschicken, auf Champions League- und Europa League-Niveau ihre Halbfinalteilnehmer auszuspielen, hält einzig die Frankfurt Eintracht noch die deutschen Farben hoch. Am Donnerstag, 21 Uhr, geht es in heimischer Umgebung gegen Benfica Lissabon darum, die 2:4-Niederlage aus dem Hinspiel wettzumachen. Bei den Hessen gibt Fredi Bobic als Sportvorstand den Ton an. Einer, der ihn aus früheren gemeinsamen Kickertagen sehr gut kennt, ist der Crailsheimer Harald Nadrowski.

„Trotz der Niederlage in Lissabon: Die Jungs von der Eintracht kriegen das hin, gewinnen das Rückspiel mindestens 2:0 und kommen auch ins Finale“, zeigt sich der Crailsheimer sehr optimistisch. „Ich denke, dass eine Jetzt-erst-recht-Mentalität Einzug halten wird.“ Harald Nadrowski hat ein gutes Bauchgefühl, was die weiteren Ambitionen der Frankfurter auf internationalem Parkett angeht.

„Als Fredi Bobic damals nach Ditzingen kam, war ich schon ein Jahr dort“, erinnert sich der 55 Jahre alte Crailsheimer, der sich gegenwärtig beim VfB Jagstheim als Vorstand der Fußballabteilung engagiert. Die Rede ist vom Beginn der 90er-Jahre. Nadrowski kommt aus der Jugend des ESV Crailsheim, hat zwölf WFV-Auswahlspiele und deren sechs im DFB-Trikot (U 16) auf seiner sportlichen Visitenkarte stehen.

Über die Stationen Spfr. Hall und VfR Heilbronn fand er 1990 nach Ditzingen zu den Turn- und Sportfreunden (TSF), blieb dort drei Jahre und kickte in der Oberliga – in diesen Jahren dritthöchste nationale Spielklasse! 100-mal lief er im Trikot der TSF auf.

Harald Nadrowski zeichnete der „typische Torjägerinstinkt“ aus, wie er sich selber beschreibt. Und das sehr erfolgreich. Zweimal setzte er sich in der Verbandsliga als Torschützenkönig (38/32 Treffer) durch und legte in der Oberliga (24 Kisten) noch einmal kräftig nach.

Ähnliche Spielanlage

„Fredi Bobic ist im Jahr 1991 nach Ditzingen gewechselt, als ganz junger Kerl, galt in erster Linie noch als Talent. Erst später bei den Stuttgarter Kickers hat er sich fußballerisch richtig durchgesetzt. In Ditzingen“, macht Nadrowski deutlich, „haben wir selten zusammen gespielt. Meistens standen Fredi oder ich auf dem Platz, weil wir eine sehr ähnliche Spielanlage hatten. Wir mussten“, führt er weiter aus, „hart trainieren, waren im Trainingslager aber auch ein bisschen schlitzohrig unterwegs und nicht unbedingt die begnadeten Läufer.“ Unter anderem lagen beide, seinerzeit verletzt, sogar mal in Bopfingen in demselben Krankenzimmer, weiß der Crailsheimer Nadrowski noch genau.

Und der Kontakt ist bis vor eineinhalb Jahren nicht abgerissen. „Ein-, zweimal im Jahr sind wir uns über den Weg gelaufen, meistens bei Ehemaligentreffen in Ditzingen. Auch im Vorfeld der Spiele gegen Lissabon hat Nadrowski versucht, seinen ehemaligen Mitkicker zu erreichen, „doch der hat im Augenblick wohl ziemlich viel um die Ohren.“

Der Crailsheimer stand seinerzeit auch vor der Frage, in den Profibereich zu wechseln. „Gladbach und der Club hatten Interesse. Eine schwere Entscheidung, aber auch mit hohem wirtschaftlichem Risiko verbunden, wenn es nicht geklappt hätte. Andererseits hat mir mein Job gut gefallen.“ Seit rund 30 Jahren arbeitet Nadrowski im Vertrieb bei Bausch + Ströbel in Ilshofen. „Trotzdem schwingt manchmal auch etwas Wehmut mit, es nie probiert zu haben als Profi.“

Wahrscheinlich, kann man freilich nur mutmaßen, hat sich Harald Nadrowski richtig entschieden. Mit kaputtem Knie, nach damals, wie er berichtet, nicht erkanntem Kreuzbandriss, „was ich durch Muskelaufbau kompensiert habe“, war dann doch dem weiteren Kicken zwangsläufig ein Riegel vorgeschoben.

Aus der Ferne verfolgt Nadrowski natürlich den Werdegang seines Ex-Kollegen. „Die Frankfurter haben mit den größten Sprung aller Teams in der Bundesliga gemacht, mit einem klasse Trainer. Fredi Bobic hat ein sehr gutes Näschen bewiesen, was die Zusammenstellung des Kaders angeht. Die Eintracht wirkt als Mannschaft sehr solide und kompakt. Bobic arbeitet“, glaubt der Jagstheimer, „eher im Hintergrund, prescht nicht nach vorne. Ich bin stolz darauf, dass er sich so verhält. Er ist kein Lautsprecher, sondern tritt als Respektsperson auf, macht seinen Job sehr gut.“

Was Harald Nadrowski noch nicht gemacht hat, worauf er aber viel Lust verspürt: ein Besuch im Frankfurter Stadion. „Die Stimmung dort würde ich gerne mal live erleben!“ Und dann hat er noch eine Idee. Im Jahr 2021 feiert der VfB Jagstheim 75. Bestehen und, warum nicht, im Vorfeld mal in Frankfurt für ein Einlagespiel anklopfen!

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