Zum Auftakt ohne Sieg WM-Welt verkehrt: Früher Druck für die Top-Favoriten

Nach der Auftaktniederlage gegen Mexiko steht Mesut Özil enttäuscht auf dem Platz. Foto: David Klein/CSM
Nach der Auftaktniederlage gegen Mexiko steht Mesut Özil enttäuscht auf dem Platz. Foto: David Klein/CSM © Foto: David Klein
Moskau / Von Florian Lütticke, dpa 18.06.2018

Der Weg zum angestrebten WM-Triumph wird für die stolpernden Top-Favoriten endgültig kein leichter mehr: Erst dreimal in der Historie der Fußball-Weltmeisterschaften feierte der spätere Titelgewinner zuvor keinen Sieg in seinem Auftaktspiel.

Und so stehen nicht nur Deutschland nach der Mexiko-Pleite, sondern auch Brasilien, Spanien und Argentinien ohne Drei-Punkte-Erfolg zum Start schon früh in der Vorrunde unter Druck. Warum tun sich die führenden Fußball-Nationen so schwer in Russland?

„Sorge für die Großen“, titelte „L'Equipe“ in seiner Montagsausgabe mit Fotos der niedergeschlagenen Mesut Özil und Neymar. Als Gruppensieger würden sich die Teams der beiden Stars zunächst in der K.o.-Runde aus dem Weg gehen. Doch das maue 1:1 gegen die Schweiz sorgt auch im Land des fünfmaligen Weltmeisters für erste Verzweiflung. „VERWIRRT“, titelte die Sportzeitung „Lance“ mit einem Bild des Ausgleichstreffers durch Hoffenheims Steven Zuber.

Dass sowohl Brasilien als auch Deutschland und Argentinien (1:1 gegen Island) zum Auftakt ohne Sieg bleiben, ist ein negatives WM-Novum, gab es bei 15 vorigen gemeinsamen WM-Teilnahmen noch nie. Und auch Spanien darf es nach dem spektakulären 3:3 gegen Europameister Portugal nun im Duell mit dem Iran nicht zu locker angehen lassen. Aus dem Kreis der Favoriten gelang einzig Frankreich gegen Australien ein Sieg (2:1) und brauchte dafür die Unterstützung von Videobeweis und Torlinientechnik. Von den Top-Sechs der Weltrangliste gewann am Montag einzig Belgien, tat sich aber beim 3:0 über Panama zumindest eine Halbzeit mit dem Toreschießen schwer.

Dabei sehen sich die Favoriten häufig mit einer ähnlichen Spielsituation konfrontiert. Die Top-Teams hatten teils deutlich mehr Ballbesitz - Deutschland 61 Prozent, Spanien 62 Prozent, Argentinien sogar 72 Prozent. Zugleich zogen sich die Gegner zeitweise immer wieder in einer taktischen Variante mit zwei defensiven Mittelfeldspielern zurück, machten die Räume aus einer dicht gestaffelten Verteidigung eng und konterten überfallartig. Vor allem Mexiko und Portugal hielten dabei aber auch spielerisch mit den Favoriten mit.

„Wir werden immer eine Mannschaft sein, die mehr den Ball hat als der Gegner - auch wenn wir uns andersrum vielleicht leichter tun würden“, analysierte Thomas Müller nach dem 0:1 gegen ein starkes Mexiko das Dilemma für die spieldominanten Teams. „Aber die Gegner tun uns leider den Gefallen nicht.“

In Russland sorgt bislang eher die zweite oder dritte Reihe der Mannschaften für Furore. So wollen Russland, Kroatien oder Serbien ihre Gruppen auch jeweils als Spitzenreiter abschließen. „Niemand jagt irgendjemanden Angst ein in Russland“, schrieb die spanische Sportzeitung „Marca“. „Im Gegenteil. Diese WM hat mit den Mittelklasseteams begonnen, die große Ziele haben und davon träumen, am 15. Juli eine Überraschung zu schaffen.“

Doch für Spekulationen über einen Finaleinzug der Außenseiter oder einen endgültigen Abgesang auf die Top-Nationen ist es noch zu früh. Drei Teams machten es bislang vor: England 1966 nach einem 0:0 zum Auftakt gegen Uruguay und Italien 1982 ebenfalls nach einem torlosen Unentschieden gegen Polen wurden noch Weltmeister. Und auch Spanien weiß wie es geht: Vor acht Jahren erholten sich die Iberer von einem 0:1 gegen die Schweiz - und stürmten zum Titel.

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