Grüße aus Moskau WM-Tagebuch – Dobriy den, Dimitri

Moskau / Armin Grasmuck 29.06.2018

Plötzlich ist alles anders. Am Tag nach der bittersten Niederlage, die je einer deutschen Nationalmannschaft widerfahren ist, heißt es zack zack zusammenpacken. Das Zimmer, das eigentlich noch für 18 Tage gebucht und bezahlt ist, bleibt leer zurück. Ein letztes Frühstück, die leckeren Pfannkuchen, der gewöhnungsbedürftige Orangensaft aus dem Automaten.

Es ist skurril. Die Mexikaner, die in den vergangenen Tagen so leidenschaftlich getanzt und gefeiert haben, verhalten sich auf einmal ruhig. Sie sprechen leise und verkneifen sich die strahlenden Gesichter. Es wirkt, als sei es ihnen peinlich, dass sie noch im Turnier sind – im Gegensatz zum Titelverteidiger.

Auch Dimitri, der Taxifahrer und eine Seele von Mensch, scheint die Sprache verloren zu haben. „Das Leben geht weiter“, sagt er auf der Fahrt zum Flughafen irgendwann auf Englisch und schaut mit glasigen Augen in den Rückspiegel. Eigentlich wollte er die deutschen Fahr-
gäste noch etwas länger durch die Gegend kutschieren. Hotel Moskau, Mannschaft Watutinki, Flughafen Wnukowo, immer und immer wieder.

„Ich fahre euch bis ins Finale“, mit diesen Worten hat uns Dimitri vor 16 Tagen empfangen. Jetzt lädt er die Koffer aus, klatscht die Gäste ein letztes Mal ab. Dann schüttelt er ungläubig den Kopf, steigt in seinen alten VW-Bus und fährt zurück in die Stadt. Do Swidanja, Dimitri. Tschüss, Russland.

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