Eröffnungsfeier WM-Eröffnungsfeier: Bunter Auftakt mit falschem Finger

Moskau / Armin Grasmuck 15.06.2018

Das, lieber Robbie Williams, war nun wirklich nicht die feine englische Art. Mit einer kleinen, unmissverständlichen Geste hat der Popstar der Eröffnungsfeier der 21. Fußball-Weltmeisterschaft in Russland eine höchst unanständige Note gegeben. Williams rockte gerade seine Zugabe, als er in der Liedzeile „I did this for free“ („Ich habe dies kostenlos gemacht“) demonstrativ den Mittelfinger seiner linken Hand mitten in die Kamera streckte, die seinen Auftritt rund um den Globus übertrug. In den sozialen Netzwerken wurde prompt spekuliert, der britische Sänger habe auf die Kritiker in der Heimat gezielt, die ihm den Einsatz in Russland krumm genommen hatten.

Wladimir Putin schien von der spontanen Handarbeit unbeeindruckt. Der russische Präsident wandte sich wenige Minuten später strahlend in einer kurzen, von Pathos getränkten Rede an die 80 000 Besucher im Moskauer Luschniki-Stadion und hunderte Millionen Fernsehzuschauer. „Ich gratuliere der großen multinationalen, friedlichen Fußballfamilie zum Beginn des wichtigsten Turniers des Planeten“, sagte Putin auf einem Podium der Ehrentribüne: „Das ist ein grandioses Sportereignis, das zum ersten Mal in Russland stattfindet. Und wir freuen uns aufrichtig darüber. In unserem Land ist Fußball nicht nur der meistverbreitete Sport. Wir lieben Fußball wirklich, und das ist sozusagen eine Liebe auf den ersten Blick, seit dem ersten offiziellen Spiel, das in Russland im Jahr 1897 stattgefunden hat.“

Altkanzler Schröder  in der Arena

Direkt neben dem Alleinherrscher hatte wie erwartet Gianni Infantino, der Präsident des Fußball-Weltverbands Fifa, Platz genommen. Der Schweizer, der vor zwei Jahren die Nachfolge von Joseph Blatter angetreten hat, erlebt in Russland seine erste WM als höchstrangiger Funktionär im internationalen Fußball. „Liebe Freunde! Herzlich Willkommen zur Weltmeisterschaft“, so grüßte Infantino – auf Russisch. „Die WM soll die größte Party der Welt werden.“ Westliche Staatschefs suchte man auf der Tribüne in Putins Umfeld vergeblich. Dafür zeigte sich der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder, der für seine Nähe zu Putin und sein Engagement für russische Energiekonzerne in der Kritik steht.

Das Programm, das die Gastgeber unter der Regie des Choreographen Felix Michailow entworfen hatten, war farbenfroh und überraschend schlicht gehalten. Erst brachten Spaniens Welttorhüter Iker Casillas und das russische Supermodel Natalia Wodijanowa den Weltpokal in die Arena, den es am 15. Juli im großen Endspiel an gleicher Stelle zu gewinnen gibt. Dann legte Robbie Williams, noch sittlich, leicht ergraut, mit dicker Goldkette um den Hals und im dunkelroten Anzug mit mit seinem Gassenhauer auf dem grünen Kunstrasenteppich los: „Let me entertain you!“ Der mystische rot-gelbe Feuervogel, der seine Bühne umkreiste, wirkte dagegen etwas klapprig.

Von charmanter Natürlichkeit schienen die kunterbunten Kostüme der jungen Frauen und Männer, die für die 32 teilnehmenden Mannschaft einliefen. Genauso wie die Tafeln, die aussahen wie Surfbretter, in Wirklichkeit jedoch große, außergewöhnlich geformte Bildschirme waren, die zu den klassischen Klängen des russischen Komponisten Peter Tschaikowsky für pfiffige Lichteffekt sorgten.  Williams sang den Hit „Feel“ im Duett mit Operndiva Aida Garifullina – bevor er den Finger zeigte. In der Fußballersprache heißt es: Unsportlichkeit. Rote Karte. Ab zum Duschen.

800

800 Tänzern, Statisten und Ball-Jongleuren waren bei der Eröffnungsfeier im Luschniki-Stadion im Einsatz. Den Spielball für die erste Partie hatte ein russischer Kosmonaut aus dem Weltraum von der Internationalen Raumstation ISS zur Erde mitgebracht.