WM 2018 WM-Aus für Schiedsrichter Felix Brych

Schiedsrichter Felix Brych (l.) diskutiert mit Aleksandar Mitrovic aus Serbien. Nach dem Spiel gegen die Schweiz war Brych massiven Anfeindungen ausgesetzt.
Schiedsrichter Felix Brych (l.) diskutiert mit Aleksandar Mitrovic aus Serbien. Nach dem Spiel gegen die Schweiz war Brych massiven Anfeindungen ausgesetzt. © Foto: Victor Caivano
Moskau / dpa 05.07.2018
Die Fußball-WM ist für Schiedsrichter Felix Brych beendet. In Russland kam der Münchner nur auf einen Vorrunden-Einsatz.

Alptraum-WM statt Traum-Finale: Die Hoffnung auf das große Endspiel ist für Felix Brych jäh beendet. Der deutsche Schiedsrichter wird nach nur einem mageren Vorrunden-Einsatz von der Fußball-WM in Russland am Donnerstag nach Hause geschickt. Das teilte die FIFA am Mittwoch mit. Der Münchner wird nicht mehr für die weiteren Partien in der K.o.-Runde berücksichtigt. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung darüber berichtet. So wenige Einsätze hatte ein deutscher Referee bei einer WM zuletzt vor 36 Jahren.

„Der Verlauf der WM ist für mich und mein Team natürlich eine herbe Enttäuschung. Aber das Leben geht weiter und wir kommen wieder“, sagte Brych. Lutz Michael Fröhlich, Vorsitzender der DFB-Schiedsrichterkommission Elite, meinte: „Ich bin überzeugt, dass Felix professionell mit dieser Entscheidung umgehen und auch in der neuen Saison überzeugende Leistungen bei nationalen und internationalen Spielen zeigen wird. Er ist weiterhin einer der besten Schiedsrichter der Welt.“

Nicht gegebener Elfmeter sorgte für Ärger

Brych hatte bei der WM das brisante Duell der Schweiz mit Serbien geleitet und war danach wegen eines nicht gegebenen Elfmeters von serbischer Seite angefeindet worden. Diese Posse und die wüsten Proteste des Verbands Serbiens kostete ihm nun die Möglichkeit auf weitere Spiele in Russland. Zwar gilt der italienische Ex-Spitzenreferee Pierluigi Collina, Chef der FIFA-Schiedsrichterkommission, als Unterstützer und Förderer von Brych. Doch auch dies konnte dem Weltschiedsrichter des Jahres 2017 nicht helfen.

„Wenn du in die Kritik gerätst und sogar zu einem Politikum wirst, hast du kaum noch eine große Chance in dem Turnier“, hatte der deutsche WM-Rekordreferee Markus Merk der Deutschen Presse-Agentur zu einer möglichen Entscheidung der FIFA bereits vorab gesagt. „Dann nimmt die Kommission lieber einen Schiedsrichter, der in mehreren Spielen überzeugt hat und schadlos durch das Turnier gekommen ist.“

Bislang ist Rudolf Glöckner der einzige deutsche WM-Finalschiedsrichter, der Markranstädter leitete 1970 das Duell von Brasilien und Italien. Ein Viertelfinale pfiff zuletzt Siegfried Kirschen vor 32 Jahren.

Iraner und Senegalese als Top-Kandidaten

Top-Kandidaten auf das Finale sind nun der Senegalese Malang Diedhiou und Alireza Faghani aus Iran. Der Niederländer Björn Kuipers bei England gegen Schweden und Nestor Pitana aus Argentinien im Duell von Uruguay gegen Frankreich kommen im Viertelfinale bereits zum vierten Mal in Russland zum Einsatz. Die beiden deutschen Video-Assistenten Felix Zwayer und Bastian Dankert sind weiterhin beim Turnier dabei.

Als bislang letzte deutsche Referees hatten Walter Eschweiler und Adolf Prokop 1982 bei einer WM jeweils nur einen Auftritt gehabt. Bei seiner ersten WM in Brasilien vor vier Jahren hatte Brych noch zwei Vorrundenspiele geleitet. Bei der EM 2020 könnte er Spiele in seiner Heimatstadt München leiten. Und auch eine kleine WM-Chance könnte es noch geben: Beim kommenden Weltturnier in Katar wäre er 47 Jahre alt - die FIFA hat ihr Alterslimit für Referee inzwischen abgeschafft.

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