Erfolgreicher Gastgeber „Weiter so“: Russland will gegen Uruguay den Gruppensieg

Russlands Trainer Stanislaw Tschertschessow will vor dem letzten Gruppenspiel keine unnötigen Wechsel vornehmen. Foto: Efrem Lukatsky/AP
Russlands Trainer Stanislaw Tschertschessow will vor dem letzten Gruppenspiel keine unnötigen Wechsel vornehmen. Foto: Efrem Lukatsky/AP © Foto: Efrem Lukatsky
Samara / Von Wolfgang Jung und Eric Dobias, dpa 24.06.2018

Es ist das Endspiel um den Gruppensieg - und WM-Gastgeber Russland strotzt nach zwei Siegen vor Selbstvertrauen. „Jetzt wollen wir auch Erster werden“, tönt Stürmer Artjom Dsjuba vor dem Spiel gegen Uruguay an diesem Montag (16.00 Uhr) in Samara.

Im Sturmlauf hat die Sbornaja ihr Minimalziel, das Achtelfinale, erreicht. „Jetzt streben wir das Maximum an. Und wer weiß, wo das liegt? Bei diesem Turnier gibt es bisher keinen klaren Favoriten“, meint der zweifache WM-Torschütze Dsjuba.

5:0 gegen Saudi-Arabien, 3:1 gegen Ägypten: Die russische Mannschaft hat im Riesenreich eine nie geahnte Euphorie entfacht. Aber Uruguay ist für die Gastgeber wohl der dickste Brocken in Gruppe A. Trainer Stanislaw Tschertschessow muss vor der Partie in der Millionenstadt an der Wolga vor allem die Frage des Personals lösen. Gönnt er Stützen wie Alexander Golowin oder Juri Schirkow vor dem anstrengenden Achtelfinale eine Pause und setzt Ergänzungsspieler ein? Riskiert er gegen Uruguay eine „kosmetische Niederlage“?

„Nein“, erklärte der lange umstrittene, nun aber allseits gelobte Coach. „Wir bereiten uns auf das Spiel genauso vor wie auf die anderen Begegnungen zuvor. Wer am besten in Form ist, der spielt. Ich werde keine besonderen Wechsel vornehmen“, sagte Tschertschessow am Sonntag in Samara.

Das Schielen auf den möglichen Kontrahenten in der K.o.-Runde bringt auch nicht viel: Spanien, Portugal oder der Iran sind Mannschaften mit Ambitionen, zudem finden die Partien der möglichen Gegner erst nach dem Russland-Spiel statt. Da ist Gruppenplatz eins oder zwei für Russland fast egal, auch wenn Stürmer Denis Tscheryschew meint: „Schon ein Remis reicht für den Gruppensieg.“ Aber auf Unentschieden spielen? 90 Minuten sind verteufelt lang bei einem Gegner, der weiß, wie man attackiert, und die Mittel dazu hat.

Bei Uruguay rückt nach dem gelungenen Jubiläum von Luis Suárez, der in seinem 100. Länderspiel zum 1:0 gegen Saudi-Arabien traf, gegen die torhungrigen WM-Gastgeber nun Torwart Fernando Muslera in den Blickpunkt. Der 32 Jahre alte Keeper vom türkischen Meister Galatasaray Istanbul absolviert gegen Russland sein 100. Länderspiel und avanciert mit seinem insgesamt 14. Endrundeneinsatz zugleich zum alleinigen WM-Rekordspieler Uruguays. Er zieht an Ladislao Mazurkiewicz vorbei, der bei den Turnieren 1966, 1970 und 1974 insgesamt 13 Mal das Tor der Südamerikaner hütete.

Bislang ist die Celeste bei der laufenden WM noch ohne Gegentor, die Partie gegen Russland wird nach den mageren 1:0-Siegen gegen Ägypten und Saudi-Arabien nun zum ersten echten Härtetest. „Sie hatten am Anfang Probleme, weil sie keine Pflichtspiele in der Vorbereitung hatten. Aber sie haben daraus gelernt“, sagte Trainer Oscar Tabárez am Sonntag. „Das wird eine große Herausforderung für uns.“ Das Team wolle es „besser machen“ als in den ersten zwei Spielen. „Aber wir sind nur ein kleines Land und dürfen nie glauben, dass wir die Besten sind“, warnt der Coach, der Defensivspieler José Giménez schonen wird.

Die Besten - so sieht Russlands umstrittener Sportfunktionär Witali Mutko die Auswahl des Gastgeberlands. Die derzeitige Mannschaft sei noch besser als die Sbornaja von der EM 2008, lobte der enge Mitarbeiter von Präsident Wladimir Putin bei einem Besuch im Trainingslager in Nowogorsk bei Moskau. Damals, vor genau zehn Jahren, war Russland erst im Halbfinale an Spanien gescheitert.

Historisches hat die aktuelle Auswahl aber bereits jetzt geschafft: Erstmals seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 erreichte eine russische Fußballnationalmannschaft das Achtelfinale einer WM. Und der Befehl, den Putin nach dem siegreichen Eröffnungsspiel Tschertschessow per Telefon mitteilte, gilt ja noch: „Weiter so“.

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