WM 2018 Viertelfinale Russland gegen Kroatien: Sbornaja plant nächsten WM-Coup

Alexander Golowin glaubt fest an einen russischen WM-Erfolg. Foto: Petter Arvidson/Bildbyran via ZUMA Press
Alexander Golowin glaubt fest an einen russischen WM-Erfolg. Foto: Petter Arvidson/Bildbyran via ZUMA Press © Foto: Petter Arvidson
Sotschi / Von Thomas Körbel, Ulrike John und Holger Schmidt, dpa 07.07.2018

Kann der Gastgeber wirklich den ganz großen Coup landen? Nach dem „Wunder“ gegen Spanien träumt ganz Russland längst vom richtig großen WM-Coup. Das WM-Viertelfinale gegen Kroatien an diesem Samstag soll für den Gastgeber nur eine Zwischenstation sein.

„Ich hoffe, dass die wichtigsten Spiele noch vor uns liegen“, sagte Russlands Nationaltrainer Stanislaw Tschertschessow in Sotschi. Auch Mittelfeldspieler Alexander Golowin ist noch lange nicht fertig: „Wir haben verstanden, dass wir bis zum Finale kommen können. Und wir glauben ernsthaft daran.“



Welle der Euphorie

Mit „Rossija, Rossija!“-Gebrüll und ohrenbetäubendem Lärm wollen die Fans die Sbornaja auf der Welle der Euphorie zu einem weiteren historischen Erfolg tragen. Auch wenn der Gastgeber im ausverkauften Olympia-Stadion Fischt erneut nicht der Favorit ist, wittern die Russen gegen die unangenehmen Kroaten ihre Chance auf den Sprung ins Halbfinale. „Wir haben unsere Ziele, wir haben unsere Mission - und das haben wir auch für morgen“, sagte Tschertschessow.

Noch wenige Tage vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft hatten die Russen ihrem Team kaum etwas bei dieser WM zugetraut. Die Sbornaja, nur Nummer 70 in der FIFA-Weltrangliste, wurde im eigenen Land belächelt. Doch spätestens seit dem Achtelfinal-Krimi mit dem gewonnenen Elfmeterschießen gegen Ex-Weltmeister Spanien (4:3) lächelt niemand mehr - die Russen strahlen nur noch. Sorgen vor der lautstarken Unterstützung für die Sbornaja in Sotschi machen sich die Kroaten aber nicht. „Unsere Spieler spielen jede Woche in vollen Stadien“, sagte Kroatiens Coach Zlatko Dalic.

Auf den Straßen und in den Medien feiern die Russen Torhüter und Elfmeterkiller Igor Akinfejew als Held und bejubeln im Internet den markanten Oberlippenschmuck von Nationaltrainer Stanislaw Tschertschessow als „Schnauzbart der Hoffnung“. Schon wurden Rufe laut, Akinfejew und Tschertschessow Denkmäler zu bauen. „Die Sbornaja hat ein Wunder vollbracht. Sie hat sich selbst den Weg zu den Träumen geebnet“, schreibt die oft kritische Fachzeitung „Sport-Express“.

In der Tat erscheint für Russland ein historischer Triumph zum Greifen nahe. Ein Einzug ins Halbfinale wäre der größte Erfolg seit der WM in England 1966. Damals verlor die Sowjetunion im Halbfinale mit 1:2 gegen Deutschland. Anschließend ging auch das Spiel um Platz drei mit 1:2 gegen Portugal verloren. Dies bei der Heim-WM zu toppen, wäre nicht weniger als eine Sensation. Aber auch die Kroaten träumen 20 Jahre nach ihrem Halbfinal-Einzug bei der WM in Frankreich von einer Wiederholung. „Das war ein großer Erfolg für Kroatien. Wir sind auf dem richtigen Weg, das zu wiederholen“, sagte Dalic.

Noch größer aber scheint die Euphorie im Land des Gastgebers. Ausgerechnet an der „russischen Riviera“ könnte der Sbornaja dies nun gelingen. Viele Russen schwärmen bis heute von dem wohl größten sportlichen Triumph Russlands bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi, als der Gastgeber die meisten Medaillen holte. An die folgende Entzauberung durch den Doping-Skandal denkt niemand. Einer Umfrage des Instituts WZIOM zufolge glauben mehr als 50 Prozent der Russen an den nächsten Coup gegen Kroatien.

So manchem Experten ist der unbändige Optimismus jedoch unheimlich. „Wir müssen mit den Füßen auf dem Boden bleiben“, mahnt der frühere Bundesliga-Profi Sergej Kirjakow. „Das nächste Spiel wird sehr schwierig“, sagte der Ex-Stürmer des Karlsruher SC der Deutschen Presse-Agentur in Moskau. „Ich hoffe, dass alle verstehen, dass es um sehr viel geht. Jeder muss auf dem Platz 150 Prozent geben.“

Nur weil sie den Mitfavoriten Spanien geschlagen habe, dürfe die Sbornaja das Spiel gegen Kroatien nicht auf die leichte Schulter nehmen, sagte Kirjakow. Die Kroaten ließen den Gegner mehr mitspielen als die Iberer. „Das wird uns Möglichkeiten eröffnen.“ Aber: „Unsere Aufgabe wird es sein, den Kroaten keine freien Räume zu lassen.“

Favorit Kroatien weiß, dass das Spiel am Schwarzen Meer eine schwere Aufgabe wird. Dalic prophezeite bereits ein „heißes Spiel“. Rund 10.000 kroatische Fans werden Medien zufolge erwartet - weniger als ein Viertel der Kapazität im Fischt-Stadion.

„Wir müssen noch stärker und stabiler sein, denn wir wollen unser Land noch stolzer machen. Das ist ein großer Gegner“, sagt Dalic über die Russen. Auch Kroatiens Star und Kapitän Luka Modric räumt ein: „Es wird ein hartes Spiel. Die Russen haben gegen Spanien gezeigt, dass sie kämpfen können.“

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