DFB-Bezwinger Raus, aber stolz: Südkorea feiert „beste Nacht der WM“

Der südkoreanische Torschütze Heung-Min Son freut sich über den historischen Sieg. Foto: Michael Probst/AP
Der südkoreanische Torschütze Heung-Min Son freut sich über den historischen Sieg. Foto: Michael Probst/AP © Foto: Michael Probst
Kasan / Von Miriam Schmidt, Klaus Bergmann und Christian Kunz, dpa 28.06.2018

Dieses Triumphgefühl kostete Heung-Min Son so lange wie möglich aus. Noch auf dem Rasen vergoss Südkoreas Stürmer nach dem 2:0-Coup gegen Deutschland Tränen und umarmte seine Kollegen, anschließend verließ der 25-jährige Tottenham-Star als einer der letzten Spieler die Kasan Arena.

„Es ist ein großer Sieg für uns, wir haben den Weltmeister geschlagen“, sagte der Fußball-Profi. Die Südkoreaner sind zwar in der WM-Vorrunde gescheitert, doch der Sieg ist für sie historisch: „Es war sicherlich die beste Nacht dieser WM für uns.“

Auch Nationaltrainer Tae-Yong Shin, der oft mit Bundestrainer Joachim Löw verglichen wird, verschaffte der Sieg Genugtuung. „Sie sind der amtierende Weltmeister, der Weltranglisten-Erste, sie haben sicher gedacht, dass sie uns leicht schlagen können“, sagte der 49-Jährige. „Ich habe das als Strategie umgekehrt und damit den Nagel auf den Kopf getroffen.“ Die deutschen Angriffe verteidigten die Asiaten auch dank ihres überragenden Torhüters Hyeo-Nuh Jo leidenschaftlich, nach vorne hatten sie über schnelle Konter immer wieder Torchancen.

Shin stufte den Sieg selbstbewusst auch als großen Erfolg seiner Taktik ein. „Wir haben ihre Strategie zwei Tage lang analysiert“, berichtete er. „Ich habe meinen Spielern gesagt, dass unsere Chancen kommen werden. Ich habe ihnen gesagt, dass unser Gegner diesen Sieg unbedingt braucht.“ Und die Chancen kamen - Young-Gwon Kim (90.+2) und Son (90.+6) trafen in der Nachspielzeit zum Erfolg.

Den erst zweiten Sieg gegen eine DFB-Auswahl bejubelten die Koreaner frenetisch - es waren ihre ersten drei Punkte bei diesem WM-Turnier. Nach dem Schlusspfiff ließen sich viele Spieler auf die Knie fallen, vergruben ihr Gesicht in den Händen und vergossen Tränen der Freude, aber auch der Enttäuschung. Hätte Schweden im Parallelspiel Mexiko nicht 3:0 besiegt, hätten die Asiaten sogar noch Achtelfinal-Chancen gehabt. „Nach dem Spiel haben wir von dem Ergebnis des anderen Spiels erfahren, deshalb haben viele von uns geweint“, berichtete Keeper Jo.

Die Fans in der Heimat Südkorea bejubelten ihr Team trotz des Ausscheides für den unerwarteten Sieg. „Alle Spieler und der Trainer, wir haben alle für das koreanische Volk gespielt“, sagte Jo. In der Innenstadt von Seoul feierten Tausende südkoreanischer Fans den Erfolg. „Ungeachtet einer torlosen ersten Halbzeit übertrafen die Koreaner alle Erwartungen“, schrieb die Zeitung „JoongAng Daily“.

Bei aller Trauer über das Aus - der Sieg gegen Deutschland war für die Südkoreaner ein besonderes Erlebnis. „Ich bin sehr stolz auf meine Teamkollegen, sie haben heute einen tollen Job gemacht“, sagte Son. Ob der Star tatsächlich zum Militärdienst in seiner Heimat muss, wie spekuliert wird, ist ebenso unklar wie die Zukunft des bei der WM lange enttäuschenden Teams. Doch der Triumph von Kasan könnte auch der Startpunkt für eine erfolgreiche Zukunft gewesen sein. Trainer Shin sagte: „Wir haben Deutschland geschlagen, die Nummer eins der Welt, das gibt uns Hoffnung für die Zukunft.“

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