Vor WM-Start Guerrero führt Peru zur ersten WM seit 36 Jahren

Paolo Guerrero darf nach einer Entscheidung des Schweizer Bundesgerichts doch an der Fußball-WM teilnehmen. Foto: FPF
Paolo Guerrero darf nach einer Entscheidung des Schweizer Bundesgerichts doch an der Fußball-WM teilnehmen. Foto: FPF © Foto: FPF
Moskau / Von Thomas Eßer, dpa 15.06.2018

Seinen größten Kampf hat der Krieger schon vor der WM gewonnen. Die kurzfristige Aussetzung seiner Dopingsperre beschert Paolo Guerrero die Krönung der Karriere und sorgte für Jubelstürme in seiner Heimat.

„Ganz Peru feiert“, schrieb die Zeitung „Perú21“ nach der Entscheidung des Schweizer Bundesgerichts zugunsten des 34-Jährigen, dessen Name in Deutsch Krieger bedeutet. „Er ist eine grundlegende Figur für Peru“, sagte Stürmer Edison Flores im Teamquartier der Lateinamerikaner bei der Weltmeisterschaft in Russland. Es wäre „ungerecht“ gewesen, wenn Guerrero nicht zum Turnier gedurft hätte.

Vor dem ersten Spiel seines Landes bei einer Fußball-WM seit 36 Jahren ist der frühere Münchner und Hamburger der große Hoffnungsträger - gut zu beobachten in den Straßen von Moskau. Rund um den Roten Platz der russischen Hauptstadt feiern auffallend viele Peruaner schon vor dem Auftaktspiel gegen Dänemark am Samstag eine große Party. Viele von ihnen tragen die 9 auf ihrem Rücken - die Nummer von Guerrero.

„Er ist unser Anführer, unser Kopf, unser Schlüsselspieler“, erklärt Sturmkollege Jefferson Farfán die Bedeutung von Guerrero im Fachmagazin „Kicker“. Das Raubtier, wie Guerrero auch genannt wird, war im Oktober 2017 bei einer Dopingkontrolle nach dem 0:0 im Qualifikationsspiel gegen Argentinien positiv getestet worden und wurde anschließend gesperrt. Bei dem Angreifer war eine in Koka-Tee enthaltene Substanz entdeckt worden.

Der frühere Schalker Farfán vertrat Guerrero, erzielte beim entscheidenden 2:0 im Rückspiel der WM-Qualifikations-Playoffs gegen Neuseeland das Führungstor. Er könnte der Leidtragende von Guerreros Rückkehr sein.

Denn: So schön die Teilnahme des Rekordtorschützen des Nationalteams für die peruanischen Fans auch ist, Trainer Ricardo Gareca stellt sie vor ein Problem. Wen nimmt er für den Anführer aus seiner Mannschaft, die immerhin seit 15 Spielen nicht mehr verloren hat?

Flores wäre ein Kandidat, André Carrillo ein anderer, oder halt Farfán. Vielleicht überrascht der argentinische Coach am Ende gar alle und setzt Guerrero auf die Bank - im letzten Trainingsspiel vor der Abreise nach Saransk zum Duell mit Dänemark ließ er den Routinier im Team der Ersatzspieler antreten. Ob dies nur eine Finte oder tatsächlich eine ernsthafte Option ist, weiß wohl nur der Trainer selbst. Über Guerreros Startelfeinsatz wolle Gareca „erst kurz vor dem Spiel“ entscheiden, sagte er am Freitag, betonte jedoch auch: „Er ist in sehr guter Form. Egal, was vorher passiert ist, er ist gut vorbereitet und fit.“

Zusammen haben Farfán (33) und Guerrero in der peruanischen Nationalmannschaft selten gespielt, doch auch eine Doppelspitze ist denkbar. In ihrer Jugend kickten beide gemeinsam bei Alianza Lima. „Sie kennen sich aus der Erinnerung und können zusammenspielen, ohne auch nur das kleinste Problem“, sagte Gareca und Guerrero meint: „Wir kennen uns sehr gut. Es hängt vom Trainer ab.“

Eines ist sicher: Egal wer beim Anstoß in Saransk das peruanische Trikot tragen wird, er wird topmotiviert sein. „Derjenige, der spielen wird, wird sein Leben für die peruanische Auswahl geben“, sagte Flores. Schließlich fiebert ein ganzes Land dem ersten WM-Auftritt seit 1982 entgegen. „Keine Träume sind unmöglich“, sagte Guerrero. „Wenn wir Peruaner uns einigen, ist alles möglich.“

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