DFB-Team Neuordnung: Reus bringt Energie - Özil jubelt als Ersatzmann

Mesut Özil saß gegen Schweden nur auf der Bank. Foto: Michael Probst/AP
Mesut Özil saß gegen Schweden nur auf der Bank. Foto: Michael Probst/AP © Foto: Michael Probst
Sotschi / Von Jens Mende und Christian Kunz, dpa 24.06.2018

Am Ende stand auch Mesut Özil im lila Leibchen der Ersatzspieler mitten in der Traube der jubelnden deutschen Spieler und lachte.

In der Nacht nach dem hochemotionalen 2:1 gegen Schweden schickte der von Joachim Löw zum Bankdrücker abgestufte Spielmacher über seine millionenfach besuchten Internetseiten aus der Kabine noch ein Selfie zusammen mit Marco Reus in die Welt. Jenen Reus, der Özil gegen Schweden in zentraler Rolle als Ideengeber abgelöst hatte und Deutschland mitentscheidend vor der Vorrunden-Blamage bewahrte.

„Was für ein Fight“, jubelte Weltmeister Özil über Twitter und fügte an: „Wir sind ein Team - auf und außerhalb des Platzes. Egal, was sie sagen.“ Während des Spiels sah man noch, wie der 29-Jährige mit seiner ungewohnten Rolle haderte. Das Warmmachen der Ersatzleute hatte der dabei lustlos agierende Özil in noch keinem Turnierspiel bei Welt- und Europameisterschaften erlebt. Er stand immer auf dem Rasen. Im zweiten WM-Spiel in Russland opferte Joachim Löw den Arsenal-Star (91 Länderspiele) und auch den Juve-Strategen Sami Khedira (76 Einsätze), die seit der WM 2010 vom Bundestrainer als besonders wertvoll gesehen wurden, um das Team-Gleichgewicht neu zu strukturieren.

„Heute war die Entscheidung so, dass Khedira und Özil mal pausieren“, sagte der Weltmeistercoach nach der späten Torerlösung im Fischt-Stadion von Sotschi eher nebenher. Und auch wenn er schnell anschloss, dass „wir beide weiterhin brauchen werden“ - Özil und der 31-jährige Khedira müssen sich nun erst einmal anstellen. Denn gerade die Spieler, die am Schwarzen Meer ins Team rotierten, setzten große Akzente gegen die Schweden.

WM-Neuling Reus zeigte als Startspieler nach den vielen gesundheitlichen Nackenschlägen in seiner DFB-Karriere jene Eigenschaften, die das deutsche Spiel deutlich befruchteten. Der Dortmunder stieß in den Raum, legte auf - und traf selbst zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Es war im 33. Länderspiel sein zehnter Treffer. Bemerkenswerte acht davon erzielte Reus in Pflichtspielen.

Beim Last-Minute-Siegtreffer von Toni Kroos, an dem Reus als Ballstopper Anteil hatte und der einen Jubelorkan auslöste, stürmten auch Özil und Khedira enthemmt auf den Platz. „So wie wir am Schluss zusammen gefeiert haben, das war ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Diesen Schwung vom positiven Gefühl müssen wir jetzt mitnehmen“, unterstrich Kapitän Manuel Neuer.

„Das kann ein entscheidender Wendepunkt sein. Das wird man aber erst später sehen“, sagte der 29-jährige Reus. Auf jeden Fall hat sich die sportliche Hierarchie bei Löw nach dem schwachen Auftakt gegen Mexiko und der Steigerung gegen Schweden punktuell verändert.

„Es ist ja logisch, dass bei einer WM nicht immer eine Mannschaft spielen kann. Wir haben Alternativen, so ist auch der Kader ausgerichtet“, bestätigte Löw. Der früh mit Nasenbeinbruch ausgeschiedene Sebastian Rudy auf der Khedira-Position brachte viel Sicherheit ins Spiel, solange er konnte. Nachrücker Ilkay Gündogan wirkte nach der Krise um die Erdogan-Fotos etwas stabiler als in der Vorbereitung.

Routinier Gomez bewies nach der Pause im Angriffszentrum, wie wichtig ein Stoßstürmer bei diesem Turnier sein kann. Und der flinke Timo Werner agierte nach der Versetzung auf den linken Flügel viel gefährlicher. Den Ausgleich bereitete der Leipziger vor. Den Freistoß zum Siegtor holte er heraus. „In der ersten Halbzeit wurde ich im Sturm gebraucht, da wollte der Ball nicht über die Linie. Dann hab ich es halt über die Flügel probiert. Das hat mit zwei Toren geendet“, urteilte Werner selbst. Löw hat alles genau registriert.

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