Jungstar gefeiert Mbappé überflügelt Messi und lässt Frankreich träumen

Kylian Mbappé war der überragende Spieler bei der Franzosen. Foto: Li Ga/xinhua
Kylian Mbappé war der überragende Spieler bei der Franzosen. Foto: Li Ga/xinhua © Foto: Li Ga
Istra / Von Miriam Schmidt und Stefan Tabeling, dpa 01.07.2018

Kylian Mbappé zeigte bei der Rückkehr ins Teamquartier weit nach Mitternacht stolz das Victory-Zeichen, noch stolzer dürfte der französische Jungstar am Morgen nach seinem Gala-Auftritt aufgewacht sein.

Denn da hatte die brasilianische Legende Pelé bereits höchstpersönlich gratuliert und die europäische Presse die „Geburt eines neuen Sterns“ gefeiert, wie der „Corriere della Sera“ schrieb. So schnell wie Usain Bolt, so jung wie Pelé - Mbappé lässt Frankreich nach dem Hochgeschwindigkeits-Fußball beim 4:3 (1:1) gegen Argentinien vom zweiten WM-Titel nach 1998 träumen.

„Gratuliere @KMbappe“, schrieb Pelé am Samstag (Ortszeit) auf Twitter. „Zwei Tore so jung bei einer WM, damit bist du in bester Gesellschaft! Viel Glück bei Deinen weiteren Spielen. Außer gegen Brasilien!“ Die Vergleiche mit dem Größten der Großen waren unmittelbar nach Spielschluss schon gezogen worden. Schließlich schoss der 19-Jährige mit zwei Toren im WM-Achtelfinale sein Team am Samstag nicht nur eine Runde weiter, er ist nun auch der zweitjüngste Doppeltorschütze einer WM nach Brasiliens Pelé 1958.

Den Vergleich wies Mbappé höflich, aber bestimmt zurück. „Pelé ist eine andere Kategorie“, sagte er. „Aber es ist schmeichelhaft, zu diesem Club zu gehören.“ Als Fußball-Legende sieht sich Mbappé noch nicht - auch wenn er kurz zuvor Weltstar Lionel Messi von der WM-Bühne geschossen und seine Extraklasse bewiesen hatte.

„Sie waren zu Tausenden gekommen, um Lionel Messi zu sehen. Sie sahen Kylian Mbappé“, schrieb die Sportzeitung „L'Équipe“. Mit nun drei Toren und seinen beeindruckenden Leistungen könnte der Angreifer von Paris Saint-Germain zum Star dieses Turniers werden - und lässt bei den Franzosen 20 Jahre nach dem Triumph bei der Heim-WM Titelträume reifen. Dabei war Mbappé noch gar nicht geboren, als sein heutiger Trainer Didier Deschamps 1998 den WM-Pokal in die Höhe stemmte. „1998 war ein gutes Jahr für Mbappé, um geboren zu werden, auch wenn er nicht viel von der WM gesehen hat“, sagte Deschamps schmunzelnd.

Mbappés Auftritt in Kasan war beeindruckend: Ein ums andere Mal ließ er Argentiniens Verteidiger mit seinem Tempo und seinen Dribblings stehen. Sobald der 19-Jährige am Ball war, wurde es gefährlich. Zwei Tore gelangen ihm so, auch einen Elfmeter holte er nach einem atemberaubenden 70-Meter-Sprint heraus. Mit 37,5 km/h war er dabei zeitweise unterwegs, fast wie Bolt bei seinem Weltrekord-Lauf.

„Er hat all sein Talent in so einem wichtigen Spiel gezeigt“, schwärmte Deschamps. „Ich habe immer gesagt, dass er sehr gut ist. Ich bin froh, dass er Franzose ist. Er hat noch viel Raum für Verbesserung.“ Und der frühere Vize-Weltmeister Florent Malouda ergänzte: „Er hat das Potenzial, auf das Niveau von Messi und Ronaldo zu kommen.“

Als jüngster Torschütze ist Mbappé, der PSG geschätzte 180 Millionen Euro wert war, schon in Frankreichs Fußball-Geschichte eingegangen. Nun bewies er ausgerechnet gegen Messi bei dessen WM-Aus mit einer Offensiv-Show endgültig sein Talent. In Frankreich erinnert man sich schon an die Zeit des großen Zinédine Zidane. „Was wir heute gemacht haben, was wir gezeigt haben - mental, physisch, technisch - ist einer großen Mannschaft Frankreichs würdig“, sagte Paul Pogba. „Wir haben Frankreich zum Vibrieren gebracht.“ Bayern-Profi Corentin Tolisso schwärmte von „einem der schönsten Momente meiner Karriere“.

Mbappé dagegen ist kein Mann der großen Worte. Drei schnelle Fragen noch im Trikot und in Badelatschen, dann verließ er lächelnd und mit der rot glitzernden Trophäe für den „Man of the Match“ unter dem Arm die Kasan Arena. Seine Leistung vor den Augen seiner Eltern nannte er „mein bestes Spiel im blauen Nationaltrikot“. Technisch stark, schnell, eiskalt vor dem Tor - Mbappé zeigte all seine Qualitäten. „Monumental. Getragen von einem wunderbaren Kylian Mbappé bestrafte das französische Team Argentinien“, urteilte „L'Équipe“ am Sonntag.

Von Star-Gehabe ist bei Mbappé nichts zu sehen, er tritt bescheiden, höflich und zurückhaltend auf. Seine WM-Prämien will er für wohltätige Zwecke spenden. Nach seinem Gala-Auftritt lobte er vor allem das Team. „Diese Gruppe kann großartige Dinge tun“, sagte er.

Im Rausch der eigenen Leistung war das Viertelfinale gegen Uruguay am Freitag bei den Franzosen noch kein großes Thema. Nur Mbappé mahnte sein Team: „Wir haben noch nichts erreicht. Wir müssen weitermachen und alles dafür tun, damit wir bei dieser WM etwas erreichen.“

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