Nationalmannschaft Mario Gomez und Timo Werner: Das schwäbische Duo macht Dampf

Kasan / Armin Grasmuck 27.06.2018
Mario Gomez und Timo Werner sind auch in dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Südkorea dafür verantwortlich, dass der Angriff der deutschen Elf in Schwung kommt.

Ein Spiel, zwei entscheidende Momente: Timo Werner scheint nach dem 2:1 in der Zitterpartie gegen Schweden bei der Weltmeisterschaft angekommen zu sein. Die Art und Weise, wie er zum Erfolg beitrug, unterstrich seine herausragenden Qualitäten. Er brachte den dringend benötigten Schwung in die Angriffe des Titelverteidigers, der zu Beginn des Turniers nur schwer in Fahrt kam. Zu beiden Treffern leistete der flinke Stürmer die Vorarbeit.

„Ich spiele meine erste WM. Ich habe jetzt zweimal erlebt, wie das ist, ins Stadion einzulaufen“, sagte Werner vor dem Abflug nach Kasan. „Das ist ein Gefühl, das kann man gegen kein Geld der Welt eintauschen.“ Selbstverständlich ist der 22 Jahre alte Angreifer auch in der Startelf gesetzt, die am Mittwoch (16 Uhr/ZDF und Sky) in der tatarischen Metropole gegen Südkorea um den Einzug ins Achtelfinale spielt.

Der in Stuttgart geborene und beim VfB ausgebildete Torjäger, der inzwischen bei Bundesliga-Konkurrent RB Leipzig unter Vertrag steht, besticht durch seine unbekümmerte und nur schwer zu berechnende Spielweise. Als im Duell mit den Schweden der nach der Halbzeit eingewechselte Mario Gomez auf die Position des Mittelstürmers rückte, griff Werner über den linken Flügel an und setzte dort die entscheidenden Akzente. Im Vollspurt, den Ball eng am Fuß, düpierte er die vergleichsweise eckigen Abwehrspieler. Nach seiner Flanke erzielte Marco Reus den Ausgleichstreffer. Kurz vor dem Schlusspfiff, als Werner in einem seiner unnachahmlichen Sprints nur durch ein Foul zu bremsen war, holte er den Freistoß heraus, den Toni Kroos zum Siegtor verwandelte. „Es war die letzte Hoffnung auf eine Torchance, nicht auf ein Tor“, sagte Werner: „Richtig dran geglaubt hat man auch nicht, so ehrlich kann man ja auch sein.“

Die geballte Kraft in der Offensive und das effiziente Verwerten der Möglichkeiten wird auch in der Partie gegen die kampfstarken Südkoreaner der entscheidende Faktor sein. 47 Torschüsse gaben die Deutschen in den ersten beiden Spielen ab, mehr als jede andere Mannschaft in diesem Turnier. Zwei Treffer waren die eher magere Ausbeute der Bemühungen. Das letzte Gruppenspiel muss die deutsche Mannschaft mit mindestens zwei Toren Unterschied gewinnen, damit sie sicher für das Achtelfinale qualifiziert ist.

Um den Elan des Schweden-Spiels aufzunehmen und im besten Fall noch zu vergrößern, wird Bundestrainer Joachim Löw erneut auf das schwäbische Duo im Angriff setzen. Ob Gomez, der in Riedlingen geborene Torjäger des VfB Stuttgart, von Beginn an stürmen wird, ließ der DFB-Coach offen. Spätestens in der zweiten Hälfte dürfte der wuchtige Oberschwabe jedoch eine vielversprechende Variante darstellen, auch weil er prächtig mit Landsmann Werner harmoniert.

„Er ist stets der Erste, der bei mir ist“, sagte Werner über Gomez, der mit 32 Jahren als ältester Spieler den Jungen mit Rat und Tat zur Seite steht: „Ich glaube nicht, dass es das bei vielen Mannschaften gibt, dass der Konkurrent einen so unterstützt.“ Vorlage, Volltreffer, Vertrauter – es braucht alle Komponenten, um bei einer WM erfolgreich zu sein.

Weiterkommen durch Fairplay oder Los möglich

Für Manuel Neuer und Co. kann es zu einer Entscheidung über den Einzug ins Achtelfinale durch die Fairplay-Wertung oder Losentscheid kommen. Sollte Deutschland 0:1 gegen Südkorea verlieren und zeitgleich Schweden 0:1 Mexiko unterliegen, träte folgender Fall ein: Zwischen dem DFB-Team, Schweden und Südkorea würde wegen Punkt- und Torgleichheit ein Dreiervergleich gebildet. Darin hätten alle drei Teams drei Zähler. Deutschland und Schweden hätten eine Tordifferenz von 2:2, Südkorea von 1:1. Die Asiaten wären wegen des weniger erzielten Tores raus. Um zu bestimmen, ob Deutschland oder Schweden weiter ist, zählt nicht der direkte Vergleich. Stattdessen käme es zum Vergleich der Fairplay-Wertung. Sollte es hier auch zu einem Gleichstand kommen, würde das Los entscheiden.

Sollte Deutschland 1:0 gegen Südkorea und Schweden 1:0 gegen Mexiko gewinnen, würde ebenfalls die Fairplay-Wertung und bei Gleichstand das Los entscheiden, ob Deutschland oder Schweden als Gruppenerster ins Achtelfinale kommt. Mexiko wäre als Dritter ausgeschieden. dpa

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