Duell der Außenseiter Last-Minute-Sieg für Iran: 1:0 gegen Marokko

Marokkos Aziz Bouhaddouz (M) erzielt das Eigentor gegen seinen Torwart Munir (r), ds zum 1:0-Sieg der Iraner führt. Foto: Themba Hadebe/AP
Marokkos Aziz Bouhaddouz (M) erzielt das Eigentor gegen seinen Torwart Munir (r), ds zum 1:0-Sieg der Iraner führt. Foto: Themba Hadebe/AP © Foto: Themba Hadebe
St. Petersburg / Von Philip Dethlefs und Wolfgang Müller, dpa 15.06.2018

Die große Enttäuschung war Pechvogel Aziz Bouhaddouz vom FC St. Pauli auch eine Stunde nach Marokkos unglücklicher 0:1-Niederlage zum WM-Auftakt deutlich anzusehen.

Mit seiner Einwechslung in der Schlussphase sei für ihn „ein Traum wahr geworden“, sagte Bouhaddouz nach dem 0:1 (0:0) gegen den Iran der Deutschen Presse-Agentur, „und auch ein Albtraum“. Beim Stand von 0:0 hatte der eingewechselte Stürmer des Fußball-Zweitligisten aus Hamburg den Ball in der fünften Minute der Nachspielzeit ins eigene Tor geköpft. „Letztlich war ich der Pechvogel des Tages - für ganz Marokko anscheinend“, haderte Bouhaddouz mit seinem Blackout, „damit muss ich klarkommen“.

Hingegen jubelte der Iran über den zweiten Sieg seiner WM-Historie wie über einen Titel. Spieler und Betreuer fielen sich um den Hals. „Es war ein großartiges Fußballspiel“, sagte Irans Nationaltrainer Carlos Queiroz. „Natürlich brauchst du manchmal auch ein bisschen Glück. Aber ich glaube, sie haben nicht mit so einem starken Gegner gerechnet. Es war ein schöner Sieg für uns“, sagte der Portugiese. Nach dem spektakulären 3:3 zwischen Portugal und Spanien führt der Iran nun sogar nach dem ersten Spieltag das Tableau der Gruppe B an.

Den ersten Sieg hatte Team Melli 1998 in Frankreich gegen die USA gefeiert. Der zweite führte in der Hauptstadt Teheran zu spontanen Straßenfesten. In mehreren Stadtteilen Teherans feierten Fans mit Autokorsos, Hupkonzerten und Sprechchören ihre Mannschaft. Auf einigen Straßen sollen junge Männer und Frauen getanzt haben, obwohl das im islamischen Iran streng verboten ist.

Marokkos Nationaltrainer Hervé Renard stand nach dem Abpfiff völlig konsterniert am Spielfeldrand und konnte das Geschehene kaum fassen. Trotz deutlicher Überlegenheit und besserer Torchancen musste sich seine Mannschaft vor 62.548 Zuschauern im nicht ganz ausverkauften Stadion in St. Petersburg geschlagen geben.

„Das, was in der Nachspielzeit passiert ist, war das Schlimmste, was passieren konnte“, sagte Renard. „Jetzt müssen wir uns sofort auf das nächste Match konzentrieren.“ Am Mittwoch geht es gegen Portugal. Angesichts der starken Konkurrenz in der Gruppe B mit Spanien und Europameister Portugal scheint ein Vorrunden-K.o. bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland nur schwer abzuwenden. „Wenn du mit null Punkten in einen Wettbewerb startest, ist die Situation schwierig. Aber es kann viel passieren“, sagte Renard.

Dabei setzten die Marokkaner zwei Tage nach der Abstimmungsniederlage bei der Wahl des WM-Gastgebers für 2026 anfangs die sportlichen Akzente. Schon in der zweiten Minute probierte es der Schalker Bundesliga-Profi Amine Harit per Dropkick, schoss aber knapp vorbei. Bei einer Chaos-Szene im iranischen Strafraum mit mehreren abgeblockten Schusschancen - unter anderem für den früheren Bayern-Profi Medhi Benatia - gelang der Elf kein Tor (19.).

Kurz vor der Pause hatten die Iraner die Möglichkeit zur Führung. Nach einem Konter scheiterte zunächst Sardar Azmoun am stark reagierenden Marokko-Keeper Munir, der auch den Nachschuss von Alireza Jahanbakhsh mit einem Reflex abwehren konnte (43.).

In der zweiten Hälfte passierte in den Strafräumen lange sehr wenig, ehe Bouhaddouz das fatale Eigentor unterlief. Doch auch für den 31-Jährigen ging der Blick direkt nach vorn. Zwar sei die Partie „wie ein Finale“ gewesen. „Aber wir müssen zusammenrücken und ich denke, dass wir das als Einheit auch immer geschafft haben. Jetzt hoffe ich, dass wir gegen Portugal gewinnen können“, sagte der 31-Jährige. „Wir müssen eine Schippe drauflegen.“

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