Nach Aus gegen England Die Tränen des James Rodríguez - Lob aus der Heimat

Kolumbiens James Rodriguez konnte seinem Team gegen England nicht helfen. Foto: Lui Siu Wai/xinhua
Kolumbiens James Rodriguez konnte seinem Team gegen England nicht helfen. Foto: Lui Siu Wai/xinhua © Foto: Lui Siu Wai
Moskau / Von Martin Moravec, Ulrike John und Patrick Reichardt, dpa 04.07.2018

Mit seinem Schmerz war James Rodríguez ganz alleine. Einsam kauerte der verletzte Superstar der Kolumbianer nach dem Schlusspfiff auf der Ersatzbank im Spartak-Stadion von Moskau und verdrückte nach dem WM-Aus bittere Tränen.

Hilflos hatte der Torschützenkönig der Endrunde 2014 mit ansehen müssen, wie die Cafeteros mit 3:4 im Elfmeterschießen im Achtelfinale an England scheiterten. Worte fand der von einer Wadenverletzung ausgebremste Regisseur auch in der Nacht nicht, als er im Trainingsanzug durch die Katakomben davoneilte.

Später postete der Profi des FC Bayern München dann ein Foto genau dieser Szene auf der Bank, dazu ein Emoji von einem gebrochenen Herzen. „Uns hat der Schlüsselspieler gefehlt. Was das Herausspielen von Chancen angeht, ist James ein entscheidender Spieler“, bedauerte Kolumbiens Nationaltrainer José Pékerman. „Leider war er hier bei der WM nicht in bester Verfassung.“

Für James hatte schon die Vorbereitung auf seine zweite WM schlecht begonnen. Wegen muskulärer Beschwerden verpasste der 26-Jährige die eine oder andere Trainingseinheit. Nach seiner Einwechslung beim 1:2 gegen Japan zum Endrundenauftakt folgten 90 starke Minuten und zwei Assists gegen Polen (3:0), ehe er gegen Senegal (1:0) nach rund einer halben Stunde verletzt ausgewechselt werden musste.

Den Wettlauf mit der Zeit vor dem Achtelfinale gegen die Three Lions verlor Rodríguez schließlich - und erlebte auf der Tribüne eine emotionale Achterbahnfahrt. Bangend, bibbernd, jubelnd. Nach dem Rückstand durch Harry Kane (57. Minute) hatte der erneut überragende Yerry Mina (90.+3) mit seinem dritten WM-Tor die Kolumbianer in die Verlängerung gebracht.

„Wir haben die ganzen 120 Minuten mit aller Kraft gekämpft“, beteuerte Kapitän Radamel Falcao nach dem bitteren K.o. in dem Nervenspiel. „Wir gehen verärgert und enttäuscht. Aber Kolumbien wird noch stärker zurückkommen.“ Der Profi vom AS Monaco regte sich ziemlich über US-Referee Mark Geiger auf. „Der Schiedsrichter war eine Schande“, schimpfte Falcao. „Es war mehr als deutlich, dass er im Zweifelsfall immer für England gepfiffen hat.“

Auch Popsängerin Shakira trauert mit der Auswahl ihres Landes und haderte mit der ihrer Ansicht nach unverdienten Niederlage. „Beeindruckendes Kolumbien bei dieser Weltmeisterschaft. Ich glaube, dass die ganze Welt weiß, dass Kolumbien den Sieg verdient gehabt hätte. Für immer stolz auf mein Land!!!“, schrieb sie auf Twitter.

Nach Pékermans Geschmack unterbrach Geiger zu oft die Partie, allerdings lag dies meist an den überaus ruppig auftretenden Spielern seiner Mannschaft, die zudem ständig mit dem Unparteiischen debattierten. Aus der Heimat erhielt der WM-Viertelfinalist von 2014 viel Lob für seinen Kampfgeist. „Danke, ihr Krieger. Kolumbien hat seine Seele auf dem Platz gelassen“, schrieb die Tageszeitung „El País“.

Sogar Staatspräsident Juan Manuel Santos spendete den Spielern Trost: „Danke an meine kolumbianische Mannschaft, dass sie auf dem Spielfeld alles gegeben haben. Sie haben immer bis zum Schluss gekämpft. So sind wir Kolumbianer“, twitterte er.

Torwart David Ospina hatte zwar einen Elfmeter gehalten, Held des Abends war aber sein englischer Kollege Jordan Pickford. „Wir gehen traurig, wir haben alles auf dem Platz gegeben“, sagte der Keeper vom FC Arsenal aus London weit nach Mitternacht. „Wir haben den letzten Tropfen Schweiß gegeben. Leider ist das Abenteuer WM hier für uns beendet.“

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