WM 2018 im News-Ticker Effenberg: „DFB hätte Özil und Gündogan rauswerfen müssen“

Effenberg: „DFB hätte Özil und Gündogan rauswerfen müssen“
Effenberg: „DFB hätte Özil und Gündogan rauswerfen müssen“ © Foto: Arne Dedert
Russland / swp/dpa 13.06.2018

Nur noch wenige Tage bis zum Anpfiff der Fußball-WM 2018 in Russland. Erfahren Sie hier alle News zur Nationalmannschaft im Ticker zur WM 2018 von SWP.

+++ 500 Fans sehen Training der Nationalmannschaft +++

Mit einem öffentlichen Training hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Watutinki die finale Vorbereitung auf den WM-Start am 17. Juni gegen Mexiko aufgenommen.

Alle 23 Spieler standen bei Sonnenschein auf dem Platz. Auch Spielmacher Mesut Özil, der beim jüngsten 2:1-Testspielsieg gegen Saudi-Arabien wegen einer Knieprellung noch geschont wurde, konnte dabei sein.

Rund 500 Zuschauer bejubelten den Weltmeister beim ersten Training im Moskauer Vorort, in dem rund 12.000 Menschen wohnen. Die Mannschaft von Joachim Löw stellte sich nach einem Aufwärmprogramm im Fitnesszelt den Gastgebern auf dem Rasen vor. Mit einer kurzen Ansprache des Bundestrainers begann das Programm.

Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Marco Reus, Mesut Özil und Ilkay Gündogang.
Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Marco Reus, Mesut Özil und Ilkay Gündogang. © Foto: Christian Charisius

Das Übungsgelände des russischen Armeeclubs ZSKA Moskau ist von hohen Zäunen umgeben, normalerweise lässt Löw auch in Russland hinter verschlossenen Türen trainieren. Zahlreiche Sicherheitskräfte und Soldaten sicherten die Anlage. Das DFB-Team hat in Watutinki auch sein WM-Stammhotel.

+++ Effenberg: „DFB hätte Özil und Gündogan rauswerfen müssen“ +++

Der frühere Nationalspieler Stefan Effenberg vermisst in der Debatte um Mesut Özil und Ilkay Gündogan eine klare Linie des Deutschen Fußball-Bundes.

«Wenn man auf gewisse Werte setzt, so wie das der DFB immer wieder vermittelt, dann kann die Entscheidung eigentlich nur so ausfallen, dass man die beiden Spieler rauswirft», sagte der 49-Jährige dem Internetportal t-online.de in einem am 13. Juni veröffentlichten Interview. Die beiden Nationalspieler Özil und Gündogan waren wegen gemeinsamer Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan scharf in die Kritik geraten.

Effenberg selbst durfte jahrelang nicht mehr für die Nationalelf spielen, nachdem er Fans bei der WM 1994 den Mittelfinger gezeigt hatte. «Der DFB war damals sehr konsequent und sehr schnell in der Entscheidung. Özil und Gündogan haben jetzt Glück gehabt, dass der DFB in diesem Fall inkonsequent und nicht schnell gehandelt hat», sagte Effenberg.

Auch im Fall Uli Stein hatte sich der Deutsche Fußball-Bund 1986 für einen Rauswurf des Ersatztorwarts entschieden, nachdem dieser Teamchef Franz Beckenbauer als «Suppenkasper» bezeichnet hatte. «Man dreht es sich beim DFB allerdings so, wie man es gerade braucht. Bei mir oder bei Uli Stein haben sie anders reagiert», sagte Effenberg.

Der Wirbel um Özil und Gündogan hatte die WM-Vorbereitung der DFB-Auswahl überschattet. Gündogan, der zuletzt beim WM-Test gegen Saudi-Arabien ausgepfiffen worden war, hatte betont, er habe mit den Erdogan-Fotos kein politisches Zeichen setzen wollen. Özil äußerte sich bislang nicht öffentlich zu der Debatte.

+++ Löw-Team stellt sich Watutinki vor +++

Die Lobby des "Watutinki Hotel Spa Complex" in Watutinki nahe Moskau
Die Lobby des "Watutinki Hotel Spa Complex" in Watutinki nahe Moskau © Foto: Emile Alain Ducke

Noch vier Tage Zeit bleiben Joachim Löw für die finale Vorbereitung auf dem WM-Auftakt am Sonntag im Moskauer Luschniki-Stadion gegen Mexiko.

Heute wird sich der Fußball-Weltmeister in einer öffentlichen Trainingseinheit auf dem Gelände von ZSKA Moskau den Gastgebern vorstellen. «Wir wollen gegenüber den Menschen sympathisch auftreten», erklärte der Bundestrainer, der in sein sechstes großes Turnier als Chef startet.

Vor allem russische Kinder und Jugendliche sind gespannt auf die deutschen Starts um Manuel Neuer und Thomas Müller. Der Deutsche Fußball-Bund will 1000 Bälle an Nachwuchs-Kicker verteilen.

Der DFB-Tross hat unmittelbar am ZSKA-Gelände rund 40 Kilometer südwestlich vom Stadtzentrum Moskaus das WM-Stammquartier bezogen. 72 Zimmer sind im neuen Spa-Hotel für die Nationalelf und ihr Gefolge reserviert. Der Bundestrainer will in dem 12 000-Einwohner-Örtchen noch einmal konzentriert arbeiten lassen. «Da geht es um den Feinschliff und die Einstellung auf den Gegner», sagte Löw: «Wir haben noch einiges zu tun und müssen uns während des Turniers verbessern.»

Um 14.00 Uhr Ortszeit wird sich der Weltmeistercoach im DFB-Medienzentrum ebenfalls in Watutinki erstmals in Russland der Weltpresse stellen. Dabei ist auch Verbands-Präsident Reinhard Grindel. Das erste Gruppenspiel für die deutsche Mannschaft steht am 17. Juni im Luschniki-Stadion gegen Mexiko an.

+++ DFB-Team in Moskau gelandet +++

Ankunft der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft in Russland am Flughafen Wnukowo.
Ankunft der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft in Russland am Flughafen Wnukowo. © Foto: Christian Charisius

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist in Russland gelandet. Nach rund zweieinhalb Stunden Flugzeit kam die Auswahl um Bundestrainer Joachim Löw am Dienstagnachmittag am Moskauer Flughafen Wnukowo mit der Sondermaschine LH 2018 an.

Oliver Bierhoff ging die mit einer Deutschland-Fahne geschmückte Gangway als erster hinunter. Dann folgte gleich Joachim Löw. In Moskau erwartete die deutschen Fußball-Weltmeister nach ihrer Ankunft zur Mission WM-Titelverteidigung aber kein großer Bahnhof.

Hinter der Passkontrolle gab es ein wenig Beifall von wartenden Flughafen-Besuchern. Schnell ging es für Manuel Neuer und seine Kollegen in Richtung Teamquartier in Watutinki - dem schmucklosen Vorort rund 40 Kilometer südwestlich vom Herzen Moskaus.

Die Spieler der deutschen Nationalmannschaft steigen aus dem Flugzeug.
Die Spieler der deutschen Nationalmannschaft steigen aus dem Flugzeug. © Foto: Christian Charisius

+++ Unternehmen Titelverteidigung: Abreise nach Russland +++

Torwart Trainer Andreas Koepke, Trainer Joachim Jogi Löw, Matthias Ginter, Co-Trainer Marcus Sorg in Frankfurt am Main
Torwart Trainer Andreas Koepke, Trainer Joachim Jogi Löw, Matthias Ginter, Co-Trainer Marcus Sorg in Frankfurt am Main © Foto: Huebner/Herkert

Das Unternehmen Titelverteidigung ist gestartet. Joachim Löw und seine 23 WM-Spieler schritten bei Schmuddelwetter über einen grünen Teppich in den WM-Charter. Mit dem legendären „Siegerflieger“ waren der Bundestrainer und seine Weltmeister vor vier Jahren aus Brasilien zurückgekehrt, mit dem Gold-Logo auf dem „Mannschaftsflieger Fanhansa“ hob das deutsche Nationalteam am Dienstagmittag mit etwa einer halben Stunde Verspätung nach Russland ab. Das klare Ziel: Wieder mit dem WM-Pokal zurückkommen. Neben einem Vertrauensvorschuss der Bundesbürger nahmen Löw und seine Auswahl aber auch Skepsis und Misstöne mit in die Chartermaschine LH 2018.

„Die Mannschaft ist in ihrer taktischen Reife und technischen Qualität hoch entwickelt“, erklärte der Bundestrainer. Das müsse sie nun ab dem ersten Gruppenspiel am Sonntag (17 Uhr) gegen Mexiko im Moskauer Luschniki-Stadion auch auf den Platz bekommen. Am 15. Juli will der Bundestrainer ebendort den historischen WM-Wiederholungssieg feiern. „Die Details müssen stimmen, daran müssen wir arbeiten“, sagte Löw.

Das DFB-Team beim Abflug in Frankfurt am Main
Das DFB-Team beim Abflug in Frankfurt am Main © Foto: Huebner/Herkert

Flughafenmitarbeiter und Stewardessen standen zum Abschied noch Spalier. Im Airbus A321 war alles bestens vorbereitet für den Zweieinhalb-Stunden-Flug gen Osten. Auf den Kopfstützen waren sogar die Namen von Thomas Müller und seinen Kollegen eingestickt. Löw konnte entspannt auf seinem Sitz in der ersten Reihe Platz nehmen, DFB-Kapitän Manuel Neuer direkt dahinter. Wenige Stunden vor dem Abflug hatte sich eine Delegation um Neuer und Teammanager Oliver Bierhoff noch in der Verbandszentrale in Frankfurt verabschiedet. Die DFB-Mitarbeiter trugen WM-Trikots, Neuer stimmte La Ola an.

Das Gemeinschaftsgefühl sollte noch einmal betont werden, nach einer keinesfalls reibungslosen Vorbereitung und den Dauer-Misstönen um die Fotos vom Ilkay Gündogan und Mesut Özil mit Türkei-Präsident Recep Tayyip Erdogan. „Ich mache mir weniger Sorgen generell um die Mannschaft, sondern eher um die beiden Spieler. Es beschäftigt Mesut und Ilkay schon sehr“, sagte Bierhoff der «Bild»-Zeitung.

Die Testspiel-Niederlage gegen Österreich (2:1) und die auffälligen Defizite gegen den krassen WM-Außenseiter Saudi-Arabien (2:1) haben Löws grundlegende Zuversicht allerdings nicht geschmälert. „Die Grundidee steht. Wir müssen uns nicht über unsere Spielweise Gedanken machen“, erklärte der Weltmeister-Coach selbstbewusst.

Die neun Spieler, die als WM-Sieger von 2014 mit im DFB-Charter in die russische Hauptstadt flogen, sollen das neue Team anführen. „Es ist die große Herausforderung und der Reiz, den WM-Titel zu bestätigen, die Emotionen dieses Triumphes noch einmal zu haben“, sagte Löw.

Ein Großteil der Deutschen glaubt daran, dass es der Bundestrainer in Russland noch einmal hinbekommt. Bei einer Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov, die vor dem letzten WM-Test gegen Saudi-Arabien stattfand, glaubten 32 Prozent der Befragten an einen Triumph des DFB-Teams im Moskauer Finale. Nur zwei Prozent rechnen mit einem historischen Scheitern schon in der Gruppenphase. 28 Prozent gehen davon aus, dass die Mannschaft das Halbfinale erreicht.

Nach der Landung in Moskau Wnukowo um etwa 17 Uhr Moskauer Zeit - plus eine Stunde zur deutschen Zeit - sollte es ins Teamquartier nach Watutinki rund 40 Kilometer südwestlich vom Herzen Moskaus gehen. Dort ist auch der WM-Trainingsplatz - sonst das Übungsgelände von ZSKA Moskau.

„Da geht es um den Feinschliff und die Einstellung auf den Gegner“, berichtete Löw über die Hauptaufgaben der nächsten Tage: „Wir werden uns intensiv mit Mexiko beschäftigen, denn das ist ein unbekannter Gegner für die meisten Spieler. Auch sehr unbequem.“

Bierhoff: „Es beschäftigt Mesut und Ilkay schon sehr“

Oliver Bierhoff macht sich Sorgen um Özil und Gündogan
Oliver Bierhoff macht sich Sorgen um Özil und Gündogan © Foto: CHRISTOF STACHE

Die anhaltenden Debatten um das Treffen von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan könnten durchaus die sportlichen Leistung bei der Fußball-WM beeinflussen. Das räumte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff in einem Interview mit der „Bild“ (Dienstag) ein. „Ich mache mir weniger Sorgen generell um die Mannschaft, sondern eher um die beiden Spieler. Es beschäftigt Mesut und Ilkay schon sehr“, sagte Bierhoff.

Zwar würde Bundestrainer Joachim Löw bei der Auswahl seiner Aufstellung auch in Russland keine populistischen Entscheidungen treffen, „um jemanden zufriedenzustellen“, erklärte Bierhoff. „Aber ein kleiner Aspekt kann dies natürlich schon sein.“

Dass Özil und Gündogan nach den klaren Unmutsbekundungen und auch Beleidigungen den Druck nicht standhalten und sogar aus dem WM-Kader ausscheiden könnten, hält der DFB-Direktor für unwahrscheinlich: „Das Gefühl habe ich nach den Gesprächen nicht. Sie freuen sich auf die WM, sie freuen sich darauf, für Deutschland spielen zu können.“ Der Bundestrainer werde auch nicht auf sie verzichten: „Dafür gibt es keine Anzeichen. Uns war wichtig, dass es von beiden ein klares Bekenntnis zur Nationalmannschaft und Deutschland gibt. Das haben sie uns in dem Gespräch ohne jeden Zweifel vermittelt.“

Mesut Özil beim Abflug des DFB-Teams
Mesut Özil beim Abflug des DFB-Teams © Foto: Huebner/Herkert

Die Entscheidung Özils, sich auch während der WM weiter nicht zu dem Treffen und den Fotos mit Erdogan zu äußern, könne er nur schwer beeinflussen, machte Bierhoff deutlich. Gerade in so einem persönlichen Fall könne er Ratschläge geben, „aber muss ich ihnen etwas vorschreiben? Das ist schwierig“, sagte der Manager. „Mündig heißt ja, dass man selbst entscheidet und verantwortet, wie man reagiert. Und das tut Mesut. Ob es in diesem Fall richtig und gut für ihn ist, steht auf einem anderen Blatt.“

Bierhoff, der zum Abschluss des Trainingslagers das Thema rigoros als beendet erklärt hatte, korrigierte sich selbst: „Ich will doch keine Maulkörbe verteilen und auf Befehl ein Thema beenden. Es ist ganz klar, dass die Diskussion über die Integration nicht beendet sein kann - auch nicht über das Foto“ Das Thema gehe weit über das Erdogan-Foto hinaus.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel