Nationalmannschaft DFB-Elf beginnt mit der schwäbischen Achse

Moskau / Armin Grasmuck 16.06.2018
Joshua Kimmich, Sami Khedira und Timo Werner sind die Spieler aus der Stuttgarter Talentschmiede, die ihren Stammplatz in der deutschen Nationalmannschaft sicher haben.

Beim VfB will es natürlich keiner gewesen sein. In dem Stuttgarter Traditionsklub wird kräftig mit den Augen gerollt und mit den Schultern gezuckt, wann immer die Rede auf Joshua Kimmich kommt. Warum hat der 23 Jahre alte Nationalspieler keinen Vertrag beim VfB bekommen? Und wer in Herrgottsnamen befand den aus Rottweil stammenden Defensivspezialisten, nachweislich eines der größten Talente des deutschen Fußballs, vor ziemlich genau fünf Jahren sogar als zu schwach für die zweite Mannschaft der Stuttgarter? Der VfB schob Kimmich zu RB Leipzig ab, damals noch ein Zweitligist. Bei den Sachsen wurde er auf Anhieb zum Stammspieler. 2015 lockte ihn Startrainer Pep Guardiola zum FC Bayern, wo er sich ebenfalls schnell durchsetzen konnte.

Erster WM-Einsatz

In der Nationalmannschaft zählt Kimmich inzwischen zu den Akteuren, die das Vertrauen des Bundestrainers genießen. Er spielt von Beginn an, wenn die deutsche Elf am Sonntag (17 Uhr/ ZDF und Sky) im Moskauer Luschniki-Stadion mit der Partie gegen Mexiko in die Weltmeisterschaft startet – genau wie Sami Khedira (31) und Timo Werner (22), beide in Stuttgart geboren und ebenfalls in den Jugendabteilungen des VfB ausgebildet.

„Ein Kindheitstraum geht in Erfüllung“, sagte Kimmich im Mannschaftshotel in Watutinki. Vor vier Jahren, als die deutsche Auswahl in Brasilien triumphierte, saß der Schwabe noch als Fan vor dem Fernseher. „Da waren wir gerade mit Leipzig im Trainingslager“, so erinnerte sich Kimmich: „Wir haben es alle zusammen verfolgt in einem Besprechungsraum mit großer Leinwand.“

In der Nationalelf gilt Kimmich bereits als Anführer der Zukunft. Von den vergangenen 27 Länderspielen bestritt Kimmich 26 über die vollen 90 Minuten. „Joshua ist eines der allergrößten Talente, die ich in den letzten zehn Jahren gesehen habe“, sagte Joachim Löw vergangenen Sommer, als er mit Kimmich als Führungskraft den Confed-Cup gewonnen hatte: „Er hat diesen Biss und diesen Hunger, in jedem Training an seine Leistungsgrenze zu gehen.“

Als einer der Lieblingsschüler des Bundestrainers gilt auch Khedira, seit ihn Löw vor knapp neun Jahren erstmals auf den Platz schickte. Der Oeffinger, 2007 Deutscher Meister mit dem VfB und danach auch bei Real Madrid und seinem aktuellen Klub Juventus Turin ein fleißiger Titelsammler, wird im Duell mit den Mexikanern zusammen mit Toni Kroos die Fäden im defensiven Mittelfeld ziehen. Die Marschroute ist klar: „Wir sind Weltmeister, wir sind Confed-Cup-Sieger, wir haben Qualität, wir sind fußballerisch stark“, sagte Khedira. Im ersten Spiel zählt nur der Sieg.

Der Mann für die wichtigen Tore soll Werner sein, der wie Kimmich sein WM-Debüt gibt. „Ich fliege immer noch so ein bisschen unter dem Radar“, sagte der Torjäger dem Fachmagazin Kicker. „Mit 22 die erste WM zu spielen und dann gleich auch in dieser Rolle, das haben nicht so viele gemacht.“ Der Stuttgarter, inzwischen in Leipzig unter Vertrag, ist einer der potenziellen Senkrechtstarter der WM. Aufgrund seiner ungeheuren Schnelligkeit und der hohen Trefferquote gilt er für die meisten Abwehrspieler als schwer zu verteidigen. Im Confed-Cup wurde er im vergangenen Jahr Torschützenkönig.

Weiterer Trumpf

Sollte er wider Erwarten im Abschluss schwächeln, steht ein weiterer Schwabe parat. Dem 32 Jahre alten Riedlinger Mario Gomez, der vor vier Jahren verletzt fehlte, bietet sich nun die Gelegenheit, spät WM-Geschichte zu schreiben. Er ist der einzige Spieler im deutschen Kader, der beim VfB Stuttgart unter Vertrag steht.

So wollen sie spielen
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel