Nationaltrainer Der Mann, der nichts vergisst: Schwedens Janne Andersson

Trainer Janne Andersson hat die schwedische Nationalmannschaft neu geformt. Foto: Pavel Golovkin/AP
Trainer Janne Andersson hat die schwedische Nationalmannschaft neu geformt. Foto: Pavel Golovkin/AP © Foto: Pavel Golovkin
Gelendschik / Von Maximilian Haupt, dpa 26.06.2018

Wäre alles nach Plan gegangen, hätte es das wütende Gesicht von Janne Andersson nach dem bitteren 1:2 gegen Deutschland nie gegeben.

Schwedens Nationalspieler wären auch nicht in Jekaterinburg, um dort am Mittwoch das entscheidende Gruppenspiel gegen Mexiko zu spielen, sondern im Urlaub. Denn die nächste Endrunde, so dachte man sich das nach der Fußball-EM 2016 und den Rücktritten von Zlatan Ibrahimovic, Torwart Andreas Isaksson und Kim Källström wäre die EM 2020 - bis dahin sollte Andersson als neuer Trainer in Ruhe eine neue Mannschaft aufbauen und formen. Aber dann: Playoffs, Italien, WM-Teilnahme. Die erste seit 2006.

Die Reise nach Russland ist, darin sind sich die schwedischen Medien und die Spieler einig, vor allem ein Verdienst Anderssons. Aus einer Truppe, in der sich alle um Zlatan Ibrahimovic versammelten, zu oft aber auch hinter ihm versteckten, machte der Mann mit dem fotografischen Gedächtnis ein starkes Kollektiv.

Nach den Erzählungen war eine der ersten Fragen des 55-Jährigen, der Spielern wegen seines famosen Gedächtnis' jede Szene nacherzählen kann: „Was für ein Team wollen wir sein?“ Die Antwort: Ein echtes, richtiges Team. Ein schwedisches. „Es ist schwer zu beschreiben, was das Schwedische an ihm ist, aber ja, er ist der schwedischste Trainer, den ich hatte“, sagt Innenverteidiger Pontus Jansson.

Ein Mann, der Schwedens Nationaltrainer gut erklären kann, ist Scout Tom Prahl. Um die Jahrtausendwende war er Anderssons Chef bei Halmstads BK, ehe Andersson vom Co-Trainer aufstieg zum Chefcoach und den Club seiner Geburtsstadt vier Jahre lang anführte. Angesprochen auf Janssons Aussage, holt Prahl weit aus. Er erzählt von der sozialdemokratisch geprägten Gesellschaft des Landes, dass Schweden sich helfen und Dinge gemeinsam erledigen. „Schwedische Trainer haben deswegen mitunter einen anderen Ansatz“, sagt Prahl. Und niemand verkörpere das so sehr, wie Andersson. „Er entscheidet nicht alleine. Er hört auf Leute und schafft Harmonie im Team.“

Nur so habe Andersson im Jahr vor seinem Wechsel zur Nationalelf mit IFK Norrköping überraschend die schwedische Meisterschaft holen können. Auch eine Solidaritäts-Aktion wie die nach den rassistischen Beleidigungen von Jimmy Durmaz, der Timo Werner in der Nachspielzeit gefoult und den Freistoß verursacht hatte, den Toni Kroos zum Siegtreffer ins Netz jagte, sei keine Verordnung von Andersson. Das komme aus der Mannschaft, weil Andersson das Klima dafür schaffe.

„Er ist ein sehr guter Trainer und ein sehr guter Mensch. Er mischt sein Wissen als Trainer mit dem Wissen, dass er als Mensch hat. Das ist seine Stärke“, sagt Stürmer Ola Toivonen. Dass er gegen Deutschland überhaupt auf dem Platz stand und das 1:0 erzielen konnte, liegt an Andersson. „Er hat mich zur Nationalmannschaft zurückgeholt und mir Selbstvertrauen geschenkt. Er hat mich mein Spiel spielen lassen. Darüber bin ich sehr glücklich.“

Defensiv lassen die Schweden kaum etwas zu, das bekamen in der WM-Qualifikation schon die Niederlande und Frankreich zu spüren. In den Playoffs scheiterte schließlich das große Italien am Versuch, ein Tor zu erzielen gegen die nimmermüden Skandinavier um ihren Kapitän Andreas Granqvist. Wenn Toivonen und Marcus Berg und Emil Forsberg von RB Leipzig es nun gemeinsam schaffen, gegen Mexiko auch offensiv gefährlicher zu werden und zu treffen - dann funktioniert Anderssons Plan weiter. Nur halt nicht der von vor zwei Jahren nach der EM.

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