Erster WM-Einsatz „Doktor Gnadenlos“: Hohe Erwartungen an Referee Brych

Kommt bei der WM zu seinem ersten Einsatz: Schiedsrichter Felix Brych. Foto: Andreas Gebert
Kommt bei der WM zu seinem ersten Einsatz: Schiedsrichter Felix Brych. Foto: Andreas Gebert © Foto: Andreas Gebert
Moskau / Von Florian Lütticke, dpa 21.06.2018

Vor seinem eigenen großen Auftritt genoss der deutsche Referee Felix Brych im Moskauer Luschniki-Stadion schon einmal die WM-Atmosphäre.

Auf der Tribüne verfolgte Brych mit den anderen Unparteiischen die erneute Show von Portugals Cristiano Ronaldo beim 1:0 über Marokko - nun ist er erstmals selbst beim Turnier in Russland gefordert. Beim brisanten Vorrundenspiel der Schweiz gegen Serbien am Freitag darf sich der Schiedsrichter des Jahres 2017 beweisen, um mit einer guten Leistung eine Empfehlung für den Traum vom ersten K.o.-Runden-Duell abzugeben.

Das Europa-Duell wird vorab angeheizt, da viele Schweizer albanische Wurzeln haben und die Beziehung Albaniens zu Serbien höchst angespannt ist. Die Erwartungen an Brych sind hoch. „Einer der besten Schiedsrichter der Welt wurde ausgewählt, um für Gerechtigkeit zu sorgen“, kündigte das serbische Portal „TV B92“ an.

Vom Schweizer Boulevard wurde der 42 Jahre alte Münchner schon vor dem entscheidenden WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland im vergangenen November als „Doktor Gnadenlos“ vorgestellt. „Bei Schweizern sieht Schiri Brych Rot“, titelte der „Blick“ - weil der Referee während einer Bundesligapartie 2009 einmal zwei Eidgenossen vom Platz gestellt hatte.

Die Episode ist inzwischen ebenso vergessen wie das von Brych gegebene Phantom-Tor von Leverkusens Stefan Kießling vor knapp fünf Jahren. Dass der Unparteiische bis zum neunten Turniertag auf seinen ersten WM-Einsatz in Russland warten musste, ist keine Geringschätzung. Stattdessen dürfte die Schiedsrichter-Kommission um den früheren Star-Referee Pierluigi Collina Brych noch für weitere anspruchsvolle Duelle auswählen. Bei der WM in Brasilien leitete er zwei Vorrundenspiele.

Seit dem 3. Juni hält sich der Münchner mit seinen Assistenten Mark Borsch und Stefan Lupp in der russischen Hauptstadt auf. Jeweils vormittags steht im Stadion von Lokomotive Moskau ein rund 90-minütiges Training an. Dabei werden unter Anleitung von früheren Schiedsrichter wie Jorge Larrionda aus Uruguay mit russischen Nachwuchsteams verschiedene Themen wie Abseits oder Handspiel geübt. Nachmittags geht es für das Schiedsrichter-Team gemeinsam ins Stadion oder zur Reha und Massage. Spiele auf dem Rasen dürften aber auch für Brych der Lieblingszeitvertreib in Russland sein.

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