WM 2018 im News-Ticker Bundestrainer Löw mahnt: „Wenn wir so viele kleine Fehler machen...“

Russland / dpa/swp 11.06.2018

Nur noch wenige Tage bis zum Anpfiff der Fußball-WM 2018 in Russland. Erfahren Sie hier alle relevanten News zur Nationalmannschaft und zum Geschehen rund um die WM im Ticker von SWP.

+++ Löw warnt vor vielen kleinen Fehlern +++

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft fliegt am Dienstag nach Moskau. Am Sonntag steht dort das erste WM-Gruppenspiel gegen Mexiko an. Joachim Löw weiß um die Schwere der Aufgabe für den Titelverteidiger in Russland und warnt: „Wenn wir so viele kleine Fehler machen, sind wir nur eine durchschnittliche Mannschaft.“

Löw mahnt: „Wenn wir so viele kleine Fehler machen, sind wir nur eine durchschnittliche Mannschaft.“
Löw mahnt: „Wenn wir so viele kleine Fehler machen, sind wir nur eine durchschnittliche Mannschaft.“ © Foto: Christian Charisius

Das Interesse an der Nationalmannschaft wächst wieder - scheinbar immer mehr. Für fünf Wochen scheinen Sie in Deutschland wieder der wichtigste Mensch zu sein. Wie gehen Sie damit um?

Löw: Es gibt noch weitaus wichtigere Positionen und Menschen als mich. Das weiß ich schon richtig einzuschätzen. Aber ich weiß, was Sie meinen: bei jedem Turnier steht unsere Mannschaft in einem besonderen Fokus. Man hat das Gefühl, dass die ganze Nation zusammensteht und sich an der Mannschaft erfreuen will. Das ist etwas Schönes und unterstreicht die besondere Wertschätzung der Nationalmannschaft. Für mich als Trainer ist es immer sehr erfreulich, wenn ich die Mannschaft so lange zusammen habe und mit ihr arbeiten kann. Die Verbindungen werden enger. Man redet mehr, man wächst zusammen. Die Arbeit mit der Gruppe ist für mich inspirierend.

Druck empfinden Sie gar nicht mehr?

Löw: Während des Turniers empfinde ich nicht so diesen Druck von außen. Ich genieße es, es gibt nichts Schöneres als eine WM und die Fifty-fifty-Spiele. Da bin ich so entspannt, wie es irgendwie sein kann. Ich freue mich an Wettkämpfen. Da fühle ich mich energiegeladen. Die Anspannung entlädt sich erst in den Wochen danach.

Sie gehen bereits in Ihr sechstes Turnier als Bundestrainer, mit dem Confed Cup sogar in das siebte. Gibt es trotzdem noch neue Aspekte, werden Sie noch überrascht?

Löw: Immer wieder. Was ich gelernt habe aus Turnieren: Es gibt Situationen, die sind nicht vorhersehbar. Man muss auf alle Eventualitäten eingestellt sein und flexibel reagieren. Aus der Erfahrung heraus, intuitiv. Unseren roten Faden verlassen wir nie. Aber in einigen Situationen sind manchmal andere Inhalte gefragt.

Löw: „Man muss auch mal von seiner Idee kurzzeitig abweichen können, wenn es nötig ist. Das habe ich im Laufe der Jahre gelernt.“
Löw: „Man muss auch mal von seiner Idee kurzzeitig abweichen können, wenn es nötig ist. Das habe ich im Laufe der Jahre gelernt.“ © Foto: Christian Charisius

Ist der Masterplan auch fest aufgeschrieben?

Löw: Wir beschäftigen uns mit vielen Dingen: mit dem Gegner, mit Trainingsinhalten, was müssen wir ansteuern. Welche Kleinigkeiten müssen wir beachten. Der Teufel liegt im Detail. Da gibt es einen klaren Plan. Aber man muss auch mal von seiner Idee kurzzeitig abweichen können, wenn es nötig ist. Das habe ich im Laufe der Jahre gelernt.

In den Testspielen stimmte noch nicht alles?

Löw: Gegen Österreich sind wir zum Beispiel an vielen Kleinigkeiten gescheitert, die wir häufig falsch gemacht haben. Wenn wir so viele kleine Fehler machen, sind wir nur eine durchschnittliche Mannschaft, die auch mal gegen Österreich verlieren kann. Wenn wir aber die Dinge im Detail gut umsetzen, sind wir zurecht einer der Topfavoriten. Dann haben wir Stärken und sind für jeden Gegner extrem unbequem.

Wie groß ist denn die Gefahr, dass so ein Spiel wie gegen Österreich auch mal bei dieser WM passieren kann?

Löw: Sowas kann immer passieren. Wir müssen verinnerlichen, dass es in erster Linie von uns abhängt. Es hängt davon ab, wie wir die Dinge umsetzen. Die Gegner werden gegen uns ganz andere Qualitäten in die Waagschale werfen - große Motivation, Kampf. Deshalb muss in jedem Spiel die Konzentration hoch sein, wir müssen von Anfang an hellwach sein und an unsere Leistungsgrenze kommen. Je länger das Turnier geht, desto qualitativ ähnlicher sind die Gegner. Da entscheiden wieder Details, auch ein bisschen Glück, manchmal der Schiedsrichter oder schlechte Tagesform. Da gibt es viele Faktoren. Andersrum gesagt: es muss einfach alles passen.

Wie hilft Ihnen Ihre Routine dabei. Und gibt es auch eine Gefahr durch diese Routine?

Löw: Nein, dieses Risiko sehe ich nicht. Es gibt bei uns keine Routine, es gibt Erfahrung. Wir versuchen das, was wir seit Jahren machen, mit neuen Einflüssen zu mischen. Ich bin überzeugt von unserer Idee. Die passt gut zu unserer Mannschaft und den Spielertypen. Es gibt ständig Weiterentwicklungen. Ich bin von der Klasse unserer Mannschaft überzeugt. Wenn wir das umsetzen, sind wir unbequem.

Die Weltmeister von 2014 um Neuer, Hummels, Boateng und Kroos müssen es auch in Russland richten. Können Sie noch besser werden?

Löw: Warum nicht? Ich wusste, dass einige Spieler wie Toni Kroos, Mats Hummels, Jérôme Boateng, Thomas Müller, Sami Khedira, Mesut Özil und andere auch nach dem Titelgewinn 2014 Möglichkeiten haben, sich weiterzuentwickeln. Es war klar, dass sie das Gerüst sind. Und dass junge Spieler so ein Gerüst brauchen. Beim Confed Cup hatten wir mit vielen jungen Spielern eine etwas andere Spielweise. Dieses Gerüst aber ist immer noch sehr wichtig, weil diese Spieler leistungsorientiert sind und Topleistungen abrufen.

Es kommen neue Spieler aus einer neuen Generation hinzu wie Joshua Kimmich, Leon Goretzka oder Timo Werner. Inwieweit müssen sie als Trainer in diese Generation eintauchen, sie verstehen?

Löw: Natürlich ist es einfacher mit Spielern, mit denen man über eine längere Zeit arbeitet. Mit diesen Spielern ergeben sich manchmal auch mal Gespräche über andere Themen. Sie haben Familie, Kinder, haben schon mehr erlebt im Leben, mehr Erfahrung. Aber es ist ja nicht unbedingt meine Hauptaufgabe, die Spieler in jeder Lebenslage zu begleiten. Natürlich möchte ich wissen, wie ein Spieler tickt, was er für eine Einstellung hat. Aber in der Regel geht es für mich in erster Linie darum, die Spieler sportlich weiter zu bringen.

Wer könnte die WM-Entdeckung aus Ihrer Mannschaft werden?

Löw: Diese Möglichkeit besteht bei allen jungen Spielern, die wir dabei haben. Leon Goretzka hat beim Confed Cup gezeigt, dass er auf den Punkt genau da ist. Timo Werner und Julian Brandt haben großartige Fähigkeiten. Jo Kimmich ist ein Spieler, der weit ist. Aber auch die schon etwas älteren Marco Reus oder Ilkay Gündogan, die lange nicht dabei waren, können eine große Rolle spielen.

Löw: „Es gibt kein Lamentieren, keine Ausreden. Das führt alles nur zum Verlust von Energie.“
Löw: „Es gibt kein Lamentieren, keine Ausreden. Das führt alles nur zum Verlust von Energie.“ © Foto: Christian Charisius

Andere Nationen haben Superstars wie Neymar, Messi oder Ronaldo. Deutschland nicht. Ist das ein Nachteil?

Löw: Nein, nicht unbedingt. Wir leben zum einen von der Spielanlage, von unserer Einstellung, vom Teamgeist. Das haben wir 2014 bewiesen. Jeder im Team hat eine hohe Wertschätzung genossen, Egoismen waren nicht übermäßig ausgeprägt.

Sie haben schon Russland-Erfahrung gesammelt. Welche Details helfen, die Situation, die anderen Bedingungen dort zu meistern?

Löw: Egal welche Situation wir antreffen: Reisen, Verkehr, das alltägliche Leben - von all dem dürfen wir uns nicht ablenken lassen. Es gibt kein Lamentieren, keine Ausreden. Das führt alles nur zum Verlust von Energie. Ich will keine Vergleiche zwischen dem Campo Bahia (Basis-Quartier bei der WM 2014 in Brasilen) und Moskau. Das sind andere Voraussetzungen, andere Bedingungen. Wir werden immer die Situation so annehmen, wie sie ist.

Wie gehen Sie mit dem Thema Russland außerhalb der Stadien um?

Löw: Wir wollen ein offenes, kommunikatives Team sein, das für unsere Werte steht. Wir wollen gegenüber den Menschen sympathisch auftreten.

Haben Sie schon ein paar Worte Russisch gelernt, um Ihren geliebten Espresso bestellen zu können?

Löw: Nein, das kann ich noch nicht. Was ich auch beim Confed Cup erfahren habe: Die russische Seele, die russische Bevölkerung ist sehr deutsch-freundlich. Das finde ich angesichts der Schwere der Geschichte schon bemerkenswert, dass die Russen uns gegenüber keine Vorbehalte zu haben scheinen, sondern uns offen und freundlich entgegentreten. Das ist die Ebene, auf der wir uns bewegen sollten: auf die Menschen zuzugehen. Und uns als Mannschaft präsentieren, die gerne da ist.

+++ DFB-Elf verpatzt die Generalprobe gegen Saudi-Arabien +++

Gewonnen? Ja. Überzeugt? Gar nicht. Generalprobe mit Misstönen: Die Top-Elf des Weltmeisters präsentiert sich gut eine Woche vor ihrem WM-Auftakt noch längst nicht titelreif. Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw kam bei ihrer Generalprobe in Leverkusen gegen Saudi-Arabien trotz guter Ansätze nur zu einem 2:1 (2:0). Zudem sorgte die "Erdogan-Affäre" um Ilkay Gündogan und Mesut Özil erneut für Unmut.

Timo Werner (8.) und ein Eigentor von Omar Othman (43.) ließen zur Pause kaum einen Zweifel am ersten deutschen Sieg nach fünf Spielen aufkommen. Der Abwehrverbund aber zeigte gegen die Nummer 67 der Welt eindeutig zu viele Wackler.

Mehr als manche Unkonzentriertheit ärgerte Löw, dass Gündogan bei seiner Einwechslung (57.) und jedem Ballkontakt ausgepfiffen wurde. Verzweifelt versuchte der Bundestrainer, das Publikum umzustimmen - vergeblich. Gündogan hatte an der Seite von Mesut Özil den umstrittenen türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan getroffen und damit für Wirbel gesorgt. Der angeschlagene Özil (Knieprellung) saß auf der Bank.

+++ Tierische Orakel schon heiß auf die WM +++

Von Krake Paul bis Schneeleopard Sagar: Wir stellen die aktuellen und einige WM-Orakel-Tiere der Vergangenheit vor.

+++ Viele Tore sollen Vorfreude schüren +++

Am Freitagabend (19.30 Uhr) steigt der letzte Test der deutschen Nationalmannschaft gegen Saudi-Arabien. Das Ziel ist klar: Viele Tore sollen die Vorfreude auf das Turnier stärken.

+++ Deutscher Gegner Südkorea im vorletzten WM-Test 0:0 gegen Bolivien +++

Der deutsche Gruppengegner Südkorea muss in der Vorbereitung auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland einen weiteren Rückschlag verkraften. Sechs Tage nach dem 1:3 gegen Bosnien-Herzegowina kam die Mannschaft von Trainer Tae-Yong Shin am Donnerstag während des Trainingslagers in Innsbruck nicht über ein 0:0 gegen Bolivien hinaus. Die Asiaten, am 27. Juni in Kasan letzter deutscher Gruppengegner, bestreiten vor der WM noch einen weiteren Test am kommenden Montag in Grödig gegen Senegal.

+++ Reus ohne Angst - Draxler selbstbewusst +++

Nach über zwei Jahren könnte Marco Reus im Nationalteam erstmals wieder in der Startelf stehen. Das bisher große Verletzungspech ist für ihn Vergangenheit. Der Bundestrainer sieht im Dortmunder einen möglichen WM-Trumpf. Doch der BVB-Star hat einen harten Kontrahenten.

Beim letzten Training vor dem Südtiroler Bergpanorama trugen beide pinkfarbene Leibchen und übten in derselben Gruppe. Und auch bei der WM-Generalprobe am Freitag gegen Saudi-Arabien werden Marco Reus und Julian Draxler wohl nebeneinander auflaufen. Doch beim Turnier in Russland sind die zwei Fußball-Nationalspieler auch harte Kontrahenten um den Stammplatz auf Links. „Der Konkurrenzkampf ist da, das weiß ich“, sagte Draxler. „Konkurrenz ist wichtig. Nur so kannst du maximalen Erfolg haben“, bemerkte Reus zum Zweikampf.

 Julian Draxler beimTraining der Deutschen Nationalmannschaft zur WM-Vorbereitung in der Sportzone Rungg in Eppan/Südtirol
Julian Draxler beimTraining der Deutschen Nationalmannschaft zur WM-Vorbereitung in der Sportzone Rungg in Eppan/Südtirol © Foto: Marc Schueler

Vor der abschließenden Übungseinheit am Donnerstag in der Sportzone Rungg führte Bundestrainer Joachim Löw ein Vier-Augen-Gespräch mit Reus, der lange Zeit der größte Pechvogel im Nationalteam war. Vor vier Jahren hatte sich der Mann mit den „außergewöhnlichen Fähigkeiten“ (Joachim Löw) beim 6:1 im letzten Testspiel gegen Armenien schwer verletzt und konnte später den WM-Triumph seiner Kollegen nur am Fernseher erleben. 2016 musste Reus wegen anhaltender Probleme am Schambein aus dem EM-Vorbereitungscamp abreisen.

„Ich würde lügen, wenn ich sagte, dass ich nicht daran denke“, gestand Reus im Trainingslager. Doch der Dortmunder schloss gleich an: „Ich gehe jetzt sicher nicht mit Angst in das Spiel. Ich weiß aus Erfahrung, dass immer etwas passieren kann. Ich werde deshalb in keinem Zweikampf zurückziehen“, erklärte der 29-Jährige vor der WM-Generalprobe für Russland. Erstmals seit dem 2:3 gegen England im März 2016 könnte Reus wieder in der DFB-Startelf stehen.

In Löws Kaderpuzzle für die Startelf zum WM-Auftakt am 17. Juni gegen Mexiko ist die Besetzung der linken Mittelfeldposition die einzige Unbekannte, sofern Innenverteidiger Jérome Boateng und Spielmacher Mesut Özil topfit ins Turnier gehen können. Das Fehlen des angeschlagenen Özil gegen die Saudis eröffnet Reus und Draxler, die beide auch zentral spielen können, die gemeinsame Startelf-Chance.

„Mit Reus, Draxler und Müller sind wir auf diesen Positionen gut besetzt“, hatte Löw nach der Auslese von Leroy Sané zur Besetzung der Außenbahnen erklärt. Dabei gilt der Leverkusener Julian Brandt als Backup für den gesetzten Thomas Müller auf der rechten Seite.

 Bundestrainer Joachim Löw (r) schaut bei einer Trainingseinheit auf dem Trainingsgelände zu Marco Reus.
Bundestrainer Joachim Löw (r) schaut bei einer Trainingseinheit auf dem Trainingsgelände zu Marco Reus. © Foto: Christian Charisius

Reus ist derzeit in der Rolle des Herausforderers. Der beim europäischen Topclub Paris Saint-Germain gereifte Draxler hat sich bei Löw in den vergangenen zwei Jahren nach der EM einschließlich des Confed-Cup-Sieges 2017 einen Bonus erarbeitet. „Ich habe sehr viele gute Spiele gemacht. Der Bundestrainer kann mir vertrauen“, sagte Draxler in Südtirol. Mit 24 Jahren kann der gebürtige Gladbecker bereits auf die stattliche Anzahl von 43 Länderspielen verweisen.

Reus ist fünf Jahre älter. Doch viele Verletzungspausen sorgten dafür, dass er in Leverkusen erst zum 31. Mal für Deutschland aufläuft. Im Sommer 2017 verletzte er sich erneut, bis zum Februar diesen Jahres dauerte die Genesung. Löw beobachtete zunächst ein wenig skeptisch die Entwicklung. „Wir hatten abgesprochen, dass ich einen behutsamen Aufbau mache, viel trainiere, viel Kraft entwickle, um einfach sieben Spiele absolvieren zu können“, berichtete Reus.

In Südtirol lobte der Bundestrainer den BVB-Profi fast überschwänglich: „Ich nehme ihn als Spieler wahr, der wahnsinnig geschickt und intelligent ist, die Gegner überraschen kann. Es wirkt bei ihm alles so leicht und spielerisch.“ Er könne eine Rakete sein für sein Team. „Offenbar habe ich im Training und in den Tests einen guten Eindruck hinterlassen. Er hofft wie ich, dass ich jetzt auch bei der WM zünde“, erwiderte Reus.

+++ Özil für Generalprobe fraglich +++

Mit dem Abschlusstraining für die WM-Generalprobe gegen Saudi-Arabien verabschiedet sich die deutsche Nationalmannschaft aus Südtirol. Nach der Übungseinheit am Donnerstagvormittag in der Sportzone Rungg und der anschließenden letzten Pressekonferenz mit Manager Oliver Bierhoff, Stürmercoach Miroslav Klose und Abwehrspieler Jonas Hector wird der DFB-Tross Eppan Richtung Rheinland verlassen. Am Freitag (19.30 Uhr/ARD) steht in Leverkusen noch das Länderspiel gegen WM-Teilnehmer Saudi-Arabien an.

Mesut Özil wird das letzte WM-Testspiel wahrscheinlich verpassen
Mesut Özil wird das letzte WM-Testspiel wahrscheinlich verpassen © Foto: Alexander Hassenstein

Spielmacher Mesut Özil wird den letzten WM-Testspiel wahrscheinlich verpassen. Zusätzlich zu den anhaltenden Rückenproblemen plagt sich der 29 Jahre alte Fußballprofi des FC Arsenal mit einer Knieprellung, die er sich im Länderspiel gegen Österreich (1:2) zugezogen hatte. Jérôme Boateng trainiert nach ausgeheilter Muskelverletzung zwar wieder mit dem Team, die WM-Generalprobe kommt für den Abwehrspieler des FC Bayern aber noch zu früh. Alle anderen Spieler sind gesund.

„Wir sind unheimlich fokussiert“, berichtete Vize-Kapitän Sami Khedira zum Abschluss des Trainingscamps. „Wir sind auch sehr selbstkritisch. Nach dem Österreich-Spiel hat kein Spieler gesagt, es war doch nicht so schlimm. Wir haben es ganz klar analysiert“, ergänzte der Weltmeister, der in Leverkusen sein 75. Länderspiel bestreiten kann.

Die deutsche Mannschaft startet am 17. Juni in Moskau gegen Mexiko ins WM-Turnier. Weitere Gruppengegner sind Schweden und Südkorea.

+++ „Letzten Spirit müssen wir noch entwickeln“ +++

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft geht in den Endspurt des WM-Vorbereitungslagers in Norditalien. „Wir haben einen guten Teamgeist, aber den letzten Spirit müssen wir noch entwickeln“, sagte Abwehrspieler Mats Hummels. Am vorletzten Trainingstag in Südtirol lässt Joachim Löw nochmals unter Ausschluss der Öffentlichkeit üben.

Der Bundestrainer präpariert am Mittwoch sein Team bereits für den letzten WM-Test am Freitag in Leverkusen gegen Saudi Arabien. Danach bekommen seine Spieler bis zur Abreise nach Russland am kommenden Dienstag nochmal drei Tage frei.

Es wird erwartet, dass Löw bei der Generalprobe schon jene Elf aufbietet, die am 17. Juni in Moskau gegen Mexiko auch ins WM-Turnier starten wird. Das Plus für den Weltmeister: „Wir sind eine gut eingespielte Mannschaft“, betonte Innenverteidiger Hummels.

Für den Münchner wird gegen WM-Teilnehmer Saudi-Arabien, der in der Vorrunden-Gruppe A gegen Gastgeber Russland, Ägypten und Uruguay spielt, ein Partner gesucht. Stammkraft Jérôme Boateng steht nach einer Verletzungspause zwar wieder im Teamtraining, soll aber noch nicht zum Einsatz kommen. Löw wird in den Innenabwehr zwischen dem Bayern-Profi Niklas Süle und Antonio Rüdiger vom FC Chelsea entscheiden.

Auch ohne Boateng werden noch sieben Weltmeister in der ersten Elf erwartet. „Wir sind in einem guten Alter, auf dem Zenit“, sagte Hummels zu seiner Generation der Akteure, die um die 30 Jahre alt sind. „Aber es wird auch in dem einen oder anderen Spiel bei der WM auf einen anderen Spieler ankommen“, ergänzte der Profi des FC Bayern. „Man sieht, dass bei uns viele neue Spieler dabei sind, die ein fester und wichtiger Bestandteil der Mannschaft sind“, sagte Kapitän Manuel Neuer.

+++ 15:05 Sané nimmt es mit Humor +++

Denn Leroy Sané, 22, hat seinen Humor auch nach seinem WM-Aus nicht verloren. Der Jungstar von Manchester City antwortete auf einen Instagram-Post seines Teamkollegen Kyle Walker zur Nicht-Nominierung Sanés für den endgültigen Weltmeisterschaftskader von Bundestrainer Joachim Löw: „Du hast Glück, dass du nicht gegen mich spielen musst, Bruder.“ Walker, der mit England zur WM nach Russland fährt, hatte ein Bild, auf dem er Wasser spuckt, mit den Worten überschrieben: „Wenn du herausfindest, dass Leroy Sané nicht zur Weltmeisterschaft fährt.“

Leroy Sané
Leroy Sané © Foto: Christian Charisius

+++ 15:00 Kritik an Sané-Entscheidung +++

Englands Fußballlegende Gary Lineker äusserte sich auf Twitter ebenfalls zu Löws Entscheidung: „Kein Sané? Nicht gesund.“

Auch Michael Ballack kommentierte Sanés Nicht-Nominierung auf Twitter. Für den früheren Kapitän sei das eine unnötige Situation: „Mit dieser Nichtnominierung beraubt sich Jogi Löw einer echten Waffe und setzt sich natürlich auch unter massiven Druck.“

+++ 14:59 Tag nach der Streichung +++

Am Tag nach der Streichung von Leroy Sané, Bernd Leno, Nils Petersen und Jonathan Tah aus dem Aufgebot für Russland startete der Bundestrainer mit den in Eppan verbliebenen Nationalspielern den Feinschliff für die Weltmeisterschaft. Eineinhalb Wochen bleiben dem erfahrenen Turnier-Trainer Löw noch, um ein Versprechen einzulösen.

„Ziel ist natürlich das erste Spiel gegen Mexiko. Darauf ist der Fokus gerichtet. Bis dahin werden wir in einem sehr, sehr guten Zustand sein“, sagte der Weltmeistercoach vor dem Endspurt im Trainingslager in Südtirol.

Zwei gute Nachrichten gab es am Dienstag in Eppan: Jérôme Boateng stieg ins Mannschaftstraining ein. Und auch Champions-League-Sieger Toni Kroos ist nach seinem Sonderurlaub endlich mitten drin. Der „absolute Schlüsselspieler“ (Löw) wird am Freitagabend (19.30 Uhr/ARD) bei der WM-Generalprobe in Leverkusen wieder die Chefrolle im deutschen Mittelfeld einnehmen.

Bundestrainer Joachim Löw spricht mit Mesut Özil,der auf dem Rad trainiert.
Bundestrainer Joachim Löw spricht mit Mesut Özil,der auf dem Rad trainiert. © Foto: SVEN SIMON

+++ 14:25 Özil nimmt nicht an Teamtraining teil +++

Mesut Özil nahm am drittletzten Trainingslagertag nicht am Teamtraining teil. Der Spielmacher absolvierte eine individuelle Einheit im Fitnesszelt, radelte zunächst und stemmte dann Gewichte. Am anschließenden Medientag wollte er zudem als einziger Spieler nicht teilnehmen. Laut DFB begründete das der Arsenal-Profi damit, zu dem umstrittenen Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan schon alles gesagt zu haben.

Teamkollege Ilkay Gündogan, der Erdogan bei der Zusammenkunft in London ein Trikot mit Widmung überreicht hatte, wollte sich zumindest einigen Medienvertretern stellen. Das politisch aufgeladene Thema werden der Verband und die beiden in Gelsenkirchen geborenen Deutsch-Türken nicht los.

Nach dem 1:2 in Österreich und inzwischen fünf Länderspielen ohne Sieg kommt dem sportlich letzten Probelauf gegen WM-Teilnehmer Saudi-Arabien eine größere Bedeutung zu. „Wir müssen uns steigern, definitiv“, sagte Vize-Kapitän Sami Khedira: „Die Trainingssteuerung wird so angelegt, dass wir am Freitag spritziger sind.“

Jerome Boateng im deutschen Trainingscamp
Jerome Boateng im deutschen Trainingscamp © Foto: Alexander Hassenstein

+++ 14:15 Wunschformation mit zwei Fragen +++

In der Wunschformation gibt es nur noch zwei Fragezeichen. Reicht es für Boateng nach dessen Oberschenkelverletzung schon zum ersten Spiel? Und wer erkämpft sich das Startelf-Mandat auf dem linken Flügel, Favorit Julian Draxler oder der Dortmunder Marco Reus?

Positiv ist für Löw, dass er endlich mit dem kompletten Kader arbeiten kann. „Wir haben keine schwerwiegenden Verletzungen, das ist schon mal sehr wichtig.“ Aber es gibt noch Mängel zu beheben. „Das Spiel gegen Österreich hat gezeigt, dass wir in einigen Bereichen diese und nächste Woche noch intensiv arbeiten müssen“, sagte Löw: „Es sind einige Dinge nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir haben noch einige taktische Probleme aufgezeigt bekommen.“

Nach der Klärung der Nummer-1-Frage steht die Defensivabteilung. Im Tor steht Kapitän Manuel Neuer. Die Viererkette davor bilden Joshua Kimmich, Boateng, Mats Hummels und Jonas Hector. Sollte es für den 29-jährigen Boateng bis zum Mexiko-Spiel nicht reichen, könnte Löw in der Innenverteidigung Niklas Süle oder Antonio Rüdiger aufbieten.

Davor steht das Weltmeister-Bollwerk Khedira/Kroos. Thomas Müller, Özil und Draxler oder Reus bilden die offensive Mittelfeldreihe hinter der Sturmspitze Timo Werner. „Julian Draxler hat einen guten Confed Cup gespielt und da große Fortschritte gemacht“, betonte Löw.

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