Der damalige DFB-Teamchef Franz Beckenbauer hatte vor 30 Jahren kaum Zweifel, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Italien Weltmeister werden würde.
„Wenn ich auf die WM 1990 zurückblicke, hatte ich nie einen Funken von Furcht, dass wir nicht den Titel holen werden“, sagte der heute 74-Jährige der „Sport Bild“. „Mir war klar: Wenn alles normal läuft, werden wir Weltmeister. Ich würde sagen: Es war von allen Weltmeisterschaften, die ich erlebt habe, die perfekteste.“
Die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes hatte den Titel im Finale von Rom am 8. Juli 1990 mit einem 1:0 gegen Argentinien gewonnen. „Ich glaube, dass wir 1990 am verdientesten Weltmeister geworden sind und auch den schwersten Weg hatten“, sagte der damalige Mannschaftskapitän Lothar Matthäus (59) mit Blick auf die inzwischen vier WM-Titel des DFB (1954, 1974, 1990 und 2014).
Siegtorschütze Andreas Brehme (59), der gegen Argentinien per Foulelfmeter getroffen hatte, berichtete im Interview den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) von den Stunden nach der Pokal-Übergabe: „Zunächst hat der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl in der Kabine des Olympiastadions noch ein Bierchen mit uns getrunken. Nach der Siegerehrung und dem ganzen Drum und Dran sind wir sehr spät zurück ins Hotel gekommen, ich schätze mal um 2 Uhr nachts.“ Dann habe Beckenbauer alle in den Besprechungsraum gebeten und verkündet, dass er als Teamchef abtritt.
„Und dass wir ab jetzt alle mit ihm per Du sein sollen“, sagte Brehme, der sich damit aber sehr schwergetan habe.„Denn der Franz ist eben der Franz, einer der Größten des Weltfußballs, zu dem ich immer aufgeschaut habe. Damals dachte ich, das geht nicht. Wenn ich den Trainer künftig duze, kriege ich Schweißausbrüche.“
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