Mainz / Von Klaus Bergmann und Jens Mende, dpa  Uhr

Joachim Löw wird wieder am Spielfeldrand fehlen. Aber das Vertrauen in Aushilfs-Cheftrainer Marcus Sorg ist groß.

Es wird erwartet, dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft drei Tage nach dem souveränen 2:0 in Weißrussland am Abend (20.45 Uhr) in Mainz auch das zweite EM-Qualifikationsspiel gegen Estland gewinnt und sich damit erfolgreich in die Sommerpause verabschiedet.

Ein 90-Minuten-Job wartet in der ausverkauften Opel-Arena noch auf die Nationalspieler, direkt danach beginnen für sie die Ferien. „Sehr urlaubsreif“ fühlt sich nicht nur Bayern-Angreifer Serge Gnabry, wie er in Mainz zugab: „Die Saison war sehr anstrengend.“

AUSGANGSLAGE: Nordirland führt die Gruppe C nach drei Spielen mit neun Punkten an. Sieg Nummer vier könnte nun in Weißrussland folgen. Deutschland (6 Zähler) und die Niederlande (3) haben jeweils erst zwei Partien bestritten. Es gilt also für Sorgs Team, Anschluss zu halten. Zumal es im September dann zu den direkten Duellen mit Holland, das im Hinspiel mit 3:2 besiegt werden konnte, und auswärts mit den Nordiren kommt. Die zwei EM-Tickets dürften unter den drei Nationen vergeben werden. Die Esten sind nach zwei Partien punktlos.

TAKTIK: Das deutsche Team erwartet einen Gegner, der wie schon die Weißrussen extrem defensiv ausgerichtet sein wird und vermutlich mit einer Fünferkette verteidigt. „Es ist nicht immer leicht, diese Mauer zu durchbrechen“, sagte Angreifer Gnabry. Mit Tempo und flottem Passspiel sollen doch Räume gefunden werden, um zum Torabschluss zu kommen. „Wir wollen dominant auftreten“, sagte Sorg. Er hält nichts davon, über die Anzahl der Tore oder die Höhe des Erfolges zu spekulieren. „Wir tun gut daran, erst über den Sieg nachzudenken und dann über das Ergebnis. Man muss die Esten erst einmal knacken.“

PERSONAL: Sorg kündigte an, dass er weitgehend die Sieger von Weißrussland aufbieten wird. Eine größere Rotation schloss er aus. „Wir sind im Umbruch, deshalb ist Stabilität wichtig“, sagte er. Darum wird auch Manuel Neuer die Mannschaft erneut als Kapitän anführen. „Manu ist ein Faktor der Stabilität und wird sicher spielen“, erklärte Sorg. Es sei einfach nicht möglich, in zwei Länderspielen allen 22 Akteuren Einsatzzeiten zu geben. So könnte auch der Leipziger Timo Werner erneut nur Reservist sein, weil im Angriff Gnabry, Reus und Sané aktuell gut harmonieren. Sorg findet es „nicht korrekt“, dass aus Werners Reservistenrolle „ein Riesenthema“ gemacht werde: „Timo bleibt ein fester Bestandteil der Mannschaft.“

GEGNER: Estlands Nationaltrainer Martin Reim stellt seine Spieler auf Schwerstarbeit ein. Der 48-Jährige, mit 157 Partien Rekordspieler seines Landes, betrachtet die Partie aber auch als ein großes Erlebnis für sein kleines Land. „Wir sind einfach froh, dass wir gegen Deutschland antreten können. Es wird schwierige Arbeit für uns“, sagte Reim in Mainz. Die Marschroute gab der 1,91 Meter große Abwehrspieler Karol Mets vor: „Wir müssen sehr mutig sein.“

EINSTIMMUNG: Zur Tradition bei Länderspielen gehört, dass Teamkoch Anton Schmaus den deutschen Akteuren am Spieltag Milchreis serviert. „Das ist ein Ritual“, sagte der 37-Jährige, der auch in Mainz für Kapitän Manuel Neuer und seine 21 Kollegen kocht. Eine gesunde Ernährung ist für Leistungssportler unverzichtbar, sie wirkt sich leistungsfördernd aus. Ex-Nationalspieler und DFB-Direktor Oliver Bierhoff sagte aber auch: „Jeder ist schon happy, wenn es nach dem Spiel mal ein Schnitzel gibt zur Belohnung.“ Zum Urlaubsstart dann erst recht.