Mesut Özil Rücktritt Der DFB und das peinliche Schweigen der Chefs

Auf dem Weg zum Training: Mesut Özil in Singapur. Foto: Christoph Sator
Auf dem Weg zum Training: Mesut Özil in Singapur. Foto: Christoph Sator © Foto: Christoph Sator
Singapur / Von Christoph Sator, dpa 25.07.2018

Man glaubt ja jeden Tag, zum Rücktritt Mesut Özils, zu den damit verbundenen Aussagen und zu den Reaktionen darauf wäre alles gesagt, doch dann fällt einem auf: Das Führungspersonal des Deutschen Fußball-Bundes schweigt weiter beharrlich. Denn Bundestrainer Joachim Löw, Teammanager Oliver Bierhoff und DFB-Präsident Reinhard Grindel haben sich drei Tage nach dem Rundumschlag des Weltmeisters von 2014 noch immer nicht persönlich zu Wort gemeldet. Das peinliche Schweigen des DFB, es geht weiter.

Vorsichtig formulierte Meldung

Auf     die explosive                        und gesellschaftlich hochsensible Lage reagierte der DFB am Montag mit einer vorsichtig formulierten Mitteilung ohne jedes Zitat, seitdem herrscht Ruhe. Will der Verband die Krise aussitzen? Herrscht Ratlosigkeit? Auch Özil sagt derzeit nur Belanglosigkeiten, lehnte im Trainingscamp des FC Arsenal in Singapur jede Stellungnahme zu seinem Abtritt gegenüber Journalisten ab.

Fußball-Deutschland ist still, Gesprächspartner sind Mangelware. Das ZDF bemühte sich für eine mögliche Sondersendung um Studiogäste, doch sprechen möchte niemand. Auch nicht der 56 Jahre alte DFB-Boss Grindel, der in Özils Social-Media-Attacke besonders scharf attackiert wurde. Der England-Legionär warf ihm „Inkompetenz“ und „Unfähigkeit“ vor, dazu sagte Özil: „In den Augen von Grindel und seinen Helfern bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, und   ein Immigrant, wenn   wir verlieren...“

Der Bruder des 92-maligen Nationalspielers, Mutlu Özil, erklärte derweil, die Entscheidung zum Rücktritt aus dem DFB-Team sei Özil nicht leicht gefallen. „Wir haben diese Entscheidung zusammen getroffen. Er hat über das Thema sehr viel nachgedacht“, sagte Mutlu Özil der türkischen Nachrichtenagentur DHA am Mittwoch. Mesut Özil gehe es aber gut, er konzentriere sich nun auf seinen Verein  FC Arsenal. Die Schuld für den unglücklichen Abgang in            der Affäre                    um  die Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan liege jedoch nicht bei seinem Bruder.

Stattdessen schiebt Team Özil vieles auf den DFB, der in puncto Krisenmanagement schwierige Monate hinter sich hat - und die schwierigsten noch vor sich. „Ich glaube, Özil selber, aber auch der DFB haben hier eine schlechte Figur abgegeben“, sagte Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge zu der schwelenden Affäre. Der frühere Europameister als Spieler äußerte bei der Reise seines Clubs in Philadelphia zudem  den Wunsch, dass beim DFB „die Profis in Zukunft etwas mehr das Sagen haben und                                die Amateure verstehen, dass die Nationalmannschaft die wichtigste Mannschaft unseres Landes ist“. Schon vor einer Woche hatte er   den DFB und dessen Präsident Grindel scharf attackiert.

Nur                                              mit Schweigen wird               der DFB die Affäre nicht überstehen können, vor allem Grindel muss sich                   zu vielen heiklen Özil-Vorwürfen äußern             und diese entkräften. Doch zwei Monate vor der so wichtigen EM-Vergabe für 2024, bei der die Türkei der einzige Gegenkandidat ist, kann jedes Störfeuer die Austragung des Turniers in sechs Jahren kosten. Genau das wollen Grindel und Co. verhindern. Aus ähnlichen Gründen haben sich wohl auch Özils Ex-Teamkollegen im DFB-Team        noch nicht zu Wort gemeldet: Das Thema ist           politisch zu heiß, keiner möchte es mit einer falschen Aussagen erneut befeuern.

 Özil selbst hat hingegen das Beben bewusst in Kauf genommen. Nun will er sich wieder ganz auf das Sportliche konzentrieren. Der neue Arsenal-Trainer Unai Emery sagte zu Özils Rücktritt: „Das ist Mesuts persönliche Entscheidung. Ich respektiere sie. Alle Spieler werden dafür da sein, dass er sich zuhause fühlt. Wir sind eine Familie.“ Eine Familie,             das waren sie beim DFB zuletzt nicht mehr.  

Doch auch          gegen Özil selbst wird die Kritik lauter. In seiner inszenierten Erklärung ließ                           es            der 29-Jährige an Selbstkritik mangeln, obwohl er selbst über zwei Monate zu den Fotos mit Erdogan und den Konsequenzen geschwiegen hatte.   Özil hätte „viel früher reagieren müssen - spätestens Anfang Juni im WM-Trainingslager der Nationalmannschaft in Südtirol“, sagte der frühere Freiburger Profi Ali Günes. „Je länger Mesuts Schweigen anhielt, desto stärker wurde der öffentliche Druck                          auf und                                                   die Verärgerung über ihn. Erst      so ist diese negative Stimmung entstanden“, sagte Günes. Das könnte nun               auch für den DFB gelten: Je länger sie schweigen, desto größer wird der Druck - und damit die Fragen, die unbeantwortet sind.

DFB-Mitteilung zu Özil

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