Augsburg / DPA

Ex-Weltmeister Lothar Matthäus hat Verständnis für die Ausmusterung des Bayern-Trios Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng aus der Nationalmannschaf gezeigt, kann aber die Art und Weise der Bekanntgabe nicht nachvollziehen.

Die Entscheidung habe ihn „nicht überrascht, mit dem Zeitpunkt kann ich mich allerdings nicht anfreunden. Diesen Schnitt hätte ich kurz nach der WM erwartet und nicht kurz vor der EM-Qualifikation. Aber im Sommer hat er gezögert und keine klare Kante gezeigt“, sagte Matthäus der „Augsburger Allgemeinen“ über Bundestrainer Joachim Löw.

Vielleicht habe Löw „die WM nur als Unfall gesehen“, sagte der deutsche Fußball-Rekordnationalspieler. Der Bundestrainer habe „ihnen noch eine Chance“ geben wollen. „Nur dann kam ja nichts nach bei der Nations League“, sagte Matthäus. „Bei der Nationalmannschaft ist es manchmal nötig, dass man ein Risiko eingeht und ein, zwei Jahre nicht den Erfolg hat, den man sich vielleicht wünscht, aber dafür in der Zukunft wieder eine starke Mannschaft hat.“ Löw hatte Anfang März mitgeteilt, ohne die drei 2014er-Weltmeister Müller (29), Hummels (30) und Boateng (30) in die EM-Qualifikation zu gehen. Zum Auftakt hatte die deutsche Elf mit 3:2 in den Niederlanden gewonnen.

Für den 58 Jahre alten Matthäus kann ein Profi-Fußballer nicht mehr so lange wie früher spielen. „Heutzutage fängt man mit zehn, zwölf Jahren auch schon an, so zu trainieren wie wir im Alter von 18“, sagte der 58-Jährige. „Als Jugendlicher habe ich zweimal die Woche auf dem Dorfplatz trainiert und hin und wieder ein paar Runden gedreht. Dadurch ist es, glaube ich, sehr schwierig geworden, im hohen Alter noch als Profi zu spielen. 1990 waren die meisten aus der Weltmeistermannschaft knapp 30 Jahre alt. Unsere Nachfolger 2014 waren überwiegend Mitte 20. Der Karrierehöhepunkt hat sich eindeutig verschoben“, meinte Matthäus.

Interview in der Augsburger Allgemeinen (Bezahlschranke)