Nationalmannschaft Manuel Neuer ist der Lichtblick im österreichischen Sturmhagel

Sicherer Rückhalt: Manuel Neuer spielte im Duell mit den Österreichern tadellos.
Sicherer Rückhalt: Manuel Neuer spielte im Duell mit den Österreichern tadellos. © Foto: ULMER/Markus Ulmer
Klagenfurt / Armin Grasmuck 04.06.2018

Seine Rückkehr hat sich Manuel Neuer bestimmt anders vorgestellt. Als er gut 50 Minuten vor dem eigentlich festgelegten Anpfiff im Wörthersee-Stadion zu Klagenfurt zum Warmschießen auf den Platz kam, suchten die meisten der Zuschauer das Weite. Es lag weniger an der deutschen Nummer eins als an dem heftigen Unwetter, das sich in der Schwüle des späten Nachmittags innerhalb weniger Minuten über der Kärntner Metropole ausgebreitet hatte. Wie aus Eimern ergoss sich der Regen, wenig später begann es schwer zu hageln. Neuer, der auf dem Rasen lange der Nässe und den heftigen Windböen getrotzt hatte, verschwand wie die Mitspieler wieder in der Kabine. Die Partie wurde 100 Minuten später als geplant angepfiffen. Dann erlebte die deutsche Mannschaft den nächsten Reinfall: 1:2 gegen Österreich.

Kurioserweise war es Neuer, der in seinem ersten Länderspiel seit dem Herbst 2016 einen starken Eindruck hinterließ, zu verdanken, dass die Niederlage in dem traditionsreichen Duell mit den Nachbarn aus der Alpenrepublik vergleichsweise milde ausfiel. Die deutsche Auswahl präsentierte sich zwei Wochen vor ihrem ersten Auftritt bei der Weltmeisterschaft weit von ihrer Normalform entfernt. Es hakte in vielen Bereichen. „Alle waren von ihren Möglichkeiten weit entfernt“, sagte Bundestrainer Joachim Löw nach der Partie. „Wenn wir so bei der WM spielen, haben wir keine großen Chancen.“

Speziell die Akteure aus der zweiten Reihe, denen er die Möglichkeit gegeben hatte, sich mit Blick auf das anstehende Großereignis noch einmal präsentieren zu können, enttäuschten auf ganzer Linie. Ilkay Gündogan, Julian Brandt und Leroy Sané, die von Beginn an spielen durften, blieben genauso farblos wie die später eingewechselten Sebastian Rudy oder Leon Goretzka. Der deutschen Elf fehlte der nötige Biss, Löws Spieler wirkten fahrig bis fahrlässig. Sie erlaubten sich haarsträubende Fehler in der Defensive, ließen auch im Angriff beste Chancen ungenutzt und konnten von Glück reden, dass nach dem frühen Treffer von Mesut Özil, der bis zur Halbzeit hielt, nur Martin Hinteregger und Alessandro Schöpf zugunsten überraschend klar überlegenen Österreichern zurückschlugen.

Mehrere Streichkandidaten

Der eine oder andere Wackelkandidat dürfte sein blaues Wunder erleben, wenn der Bundestrainer heute bis spätestens 12 Uhr seinen 23 Mann starken Kader für die WM bekannt gibt. Vier Profis, die seit knapp zwei Wochen mit den anderen Nationalspielern im Trainingslager in Südtirol schuften, müssen gestrichen werden. Welttorhüter Neuer, der nach zwei Mittelfußbrüchen im vergangenen Jahr offensichtlich wieder voll belastbar ist, und Stammverteidiger Jerome Boateng meldeten sich kurzfristig einsatzbereit, was den Kampf um die verbleibenden Plätze verschärfte.

Potenzielle Streichkandidaten sind die Torhüter Bernd Leno und Kevin Trapp, die Verteidiger Jonathan Tah und Marvin Plattenhardt, im Mittelfeld Rudy und Brandt sowie Angreifer Nils Petersen. Selbst die Position der vermeintlichen Hoffnungsträger Goretzka und Sané schien nach den zuletzt nur wenig prickelnden Einsätzen in der DFB-Auswahl diskussionswürdig.

Dafür ist Manuel Neuer auf dem besten Weg, gerade noch rechtzeitig zu alter Stärke zurückzufinden. Nach dem Hagelsturm zu Beginn behielt er auch im Sturmhagel der österreichischen Mannschaft kühlen Kopf. Mit mehreren beeindruckenden Paraden verhinderte er weitere Gegentreffer und bewies zudem, dass er auch mit dem Fuß in das kontrollierte Abwehrspiel einbezogen werden kann. „Er hat in einigen Situationen sehr gut reagiert, er war präsent und reaktionsschnell“, sagte Löw: „Man hat ihm die Pause nicht angemerkt.“ Auch Mitspieler Sami Khedira betrachtete die Rückkehr des Torhüters positiv: „Ich habe Manu seit zehn Tagen beobachten können. Mein persönlicher Eindruck ist, er ist zu hundert Prozent fit.“

Spätestens am 17. Juni, wenn für die deutsche Elf mit der Partie gegen Mexiko in Moskau die Mission Titelverteidigung startet, werden laut Bundestrainer alle seine Spieler dem Ball mit der nötigen Frische hinterherjagen.

Boatengs Versprechen

Weltmeister Jerome Boateng sieht sich nach seiner Oberschenkelverletzung voll im Plan für ein Comeback bei der Fußball-WM. „Im Moment kann ich versprechen, dass ich dabei bin, ja! Es sieht wirklich sehr gut aus“, sagte der 29 Jahre alte Abwehrspieler des FC Bayern  der Bild am Sonntag. Der Innenverteidiger rechnet damit, dass er in den kommenden Tagen wieder voll ins Training der
Nationalmannschaft einsteigen kann. „Ich bin gut im Plan, aber ich will kein Risiko eingehen“, sagte Boateng. Der Münchner hatte sich die Verletzung im Champions-League-
Halbfinale gegen Real Madrid im
April zugezogen. dpa

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