DFB-Aufgebot Löw überrascht mit Uth - Gündogan und Petersen fehlen

Steht im Aufgebot von Bundestrainer Joachim Löw: Mark Uth von Schalke 04. Foto: Bernd Thissen
Steht im Aufgebot von Bundestrainer Joachim Löw: Mark Uth von Schalke 04. Foto: Bernd Thissen © Foto: Bernd Thissen
Berlin / Von Jens Mende und Klaus Bergmann, dpa 05.10.2018

Joachim Löw verblüfft wieder. Mit dem Schalker Überraschungs-Neuling Mark Uth und gleich 18 Spielern, die bei der größten deutschen WM-Blamage im Sommer in Russland dabei waren, geht der Bundestrainer in den besonders kniffligen Teil zwei der Wiedergutmachung und des Neubeginns.

Löw berief den 27 Jahre alten Angreifer Uth in sein 23-köpfiges Aufgebot für die Nations-League-Partien am 13. Oktober in Amsterdam gegen die Niederlande und drei Tage später in Paris gegen Weltmeister Frankreich. „Ich bin unfassbar stolz“, kommentierte Uth via Twitter seine Berufung. Im September 2010 hatte er mit dere U20 gegen die Schweiz gespielt. Es war sein bislang einziger Einsatz im DFB-Trikot.

„Vor uns liegen zwei wichtige Spiele, die wir sehr ernst nehmen“, erklärte der DFB-Coach. Er ist sich der weiterhin brisanten Situation reichlich drei Monate nach dem WM-Debakel bewusst. „Die Ergebnisse werden richtungsweisend für das Abschneiden in unserer Nations-League-Gruppe sein“, unterstrich Löw.

Sein Team muss in dem neu geschaffenen Wettbewerb unbedingt Punkte holen, sonst droht sogar der Abstieg aus der höchsten Liga A. Und die Diskussionen über die Zukunft und Konsequenzen rund um die deutschen Nationalmannschaft würden dann garantiert neue Brisanz bekommen.

Am Dienstag trifft sich das Team in Berlin zur Vorbereitung auf die Duelle mit dem Oranje-Team und Les Bleus. Die verletzten Ilkay Gündogan (Manchester City) und Nils Petersen (SC Freiburg) werden dann fehlen. Torhüter Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt), Sebastian Rudy (Schalke 04) und Jonas Hector (1. FC Köln), die beim Saisonstart gegen Frankreich (0:0) und Peru (2:1) fehlten, kehren zurück. „Im Kern vertraue ich in dieser Phase den Spielern, die wir auch schon im September zusammenhatten“, sagte Löw.

Nicht berücksichtigt wurde der Leverkusener Jonathan Tah. Dass Uth zum jetzigen Zeitpunkt den Sprung in Löws Aufgebot gelingt, war nicht vorauszusehen, auch wenn der Bundestrainer begründete: „Wir haben Mark Uth schon länger beobachtet. Er ist dynamisch, schnell und strahlt immer eine gewisse Torgefahr aus.“ Nach seinem Wechsel von 1899 Hoffenheim zu Schalke in diesem Sommer hat der gebürtige Kölner Uth allerdings noch nicht gezündet.

Als Soforthilfe gegen die seit Monaten grassierende Torarmut im Nationalteam hat Löw den Neuling aber wohl selbst nicht vorgesehen. Man wolle Uth nun „gerne besser kennenlernen“, wird der Bundestrainer in einer DFB-Mitteilung zitiert. Nach neun Pflichtspielen für die Königsblauen wartet Uth immer noch auf sein erstes Tor. Im jüngsten Bundesligaspiel gegen Mainz musste er sogar auf die Bank. „Wir hatten zuletzt das Gefühl, dass er ein bisschen seine Leichtigkeit verloren hat“, bemerkte Domenico Tedesco. Dennoch war der Schalke-Coach über Uths Nominierung nicht überrascht: „Mark hatte in den letzten Spielen gute Werte und wird sich auch bald mit Toren belohnen.“

Die Leichtigkeit suchen auch Löws etablierte Offensivkräfte. Hoffnung macht vor allem Marco Reus, der mit sechs Pflichtspieltoren großen Anteil am Aufschwung von Borussia Dortmund hat. Dass er dennoch der einzige BVB-Profi in Löws Kader ist, liegt vor allem daran, dass außer Reus bei den Schwarz-Gelben nur ausländische Spieler glänzen. Bei der aufstrebenden Hertha ist WM-Spieler Marvin Plattenhardt nicht mehr gesetzt und spielt bei Löw keine Rolle mehr.

Der Bundestrainer muss vor der Zusammenkunft in der Hauptstadt vor allem hoffen, dass die angeschlagenen Bayern am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach zurück in die Spur finden. Denn mit gleich sieben Akteuren stellt der Rekordmeister die mit Abstand größte Fraktion im Nationalteam. Ein Schuss mehr Selbstbewusstsein wäre da wichtig. „Wir wissen, was uns sportlich und atmosphärisch in Amsterdam und Paris erwartet“, sagte Löw. Frankreich führt die Gruppe mit vier Punkten vor Deutschland (1) und Holland (0) an. Der Erste ist im Juni 2009 bei der Endrunde der Nations League dabei - der Gruppenletzte steigt ab. Daran mag beim DFB lieber keiner denken.

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