Im Tor gegen Österreich Finale Entscheidung zu Neuers WM-Einsatz erst am Sonntag

Eppan / Von Klaus Bergmann und Jens Mende, dpa 01.06.2018

Am Tag vor der entscheidenden WM-Bewährung für Kapitän Manuel Neuer betätigte sich Joachim Löw erst einmal als Diplomat.

Vor dem Anpfiff des Abschlusstrainings führte der Bundestrainer auf dem Fußballplatz in Eppan ein rekordverdächtig langes Vier-Augen-Gespräch mit Marc-André ter Stegen, der das Nummer-1-Rennen gegen Rückkehrer Neuer kaum noch gewinnen kann. Nach 599 Tagen wird der 32 Jahre alte Weltmeister am Samstag (18.00 Uhr) in Klagenfurt gegen Österreich ins Tor der deutschen Nationalmannschaft zurückkehren. „Wenn alles okay ist, dann wird er von Anfang an im Tor stehen“, kündigte Löw an. Und wenn der Fuß hält und nichts Gravierendes schiefgeht, wird Neuer dann auch am 17. Juni in Moskau gegen Mexiko im WM-Tor stehen.

Den vorletzten WM-Test im Wörthersee Stadion will der Bundestrainer ohnehin mehr zur individuellen Überprüfung der WM-Reife nutzen. Das Einspielen der WM-Elf folgt erst noch, zumal Stammkräfte wie Toni Kroos (Sonderurlaub nach Champions-League-Sieg) und Jérôme Boateng (Aufbautraining) noch fehlen. Zudem verzichtet Löw bei dem Kurztrip aus Südtirol nach Kärnten auf die Vielspieler und Fixkräfte Mats Hummels und Thomas Müller.

Streichkandidaten wie Nils Petersen, der gegen Österreich wohl als Joker sein Länderspieldebüt feiern darf, Jonathan Tah oder Sebastian Rudy sollen sich dagegen noch mal zeigen dürfen. „Das Spiel fließt in die Entscheidungsfindung ein“, sagte Löw: „Am Sonntagabend werden wir uns die Köpfe nochmal heißreden.“

Hauptaspekt des „wichtigen Tests“ gegen den Nachbarn Österreich aber ist für den Chefcoach, dass neben Neuer auch WM-Startelfkandidaten wie Sami Khedira und Mesut Özil „in Rhythmus kommen“. Zudem will er wertvolle WM-Neulinge wie Marco Reus oder Ilkay Gündogan auf den WM-Prüfstand stellen. „Das Ergebnis ist völlig nebenan gestellt“, betonte Löw. Ihm gehe es um „Erkenntnisse“, mit der Einschränkung: „Von einem Spiel kann nicht alles abhängen.“

Bei Neuer irgendwie schon. Das Jubiläums-Comeback (75. Länderspiel) des Weltmeisters nach acht Monaten Wettkampfpause soll den letzten Aufschluss ergeben, ob der linke Mittelfuß ein strapaziöses Turnier aushalten kann. Und ob Neuer die Torwart-Automatismen nicht nur im Training, sondern auch im Ernstfall schnell wieder aktivieren kann. Nur dann wird der 32-Jährige Deutschland als Kapitän und Nummer 1 in die angestrebte Titelverteidigung in Russland führen.

„Ein Spiel, ein Wettkampf ist etwas anderes als Training. Die finale Entscheidung fällt erst am Sonntagabend. Wir haben vereinbart, dass Manuel sich dann offen und ehrlich uns gegenüber äußert, wie er sich fühlt, ob er in der Lage ist, das Topniveau zu erreichen“, sagte Löw.

Der 58-Jährige äußerte sich bei der Pressekonferenz in Eppan diplomatisch, nachdem er zuvor auf dem Trainingsplatz fast sieben Minuten intensiv mit Neuers Kronprinz ter Stegen geredet hatte. „Er ist zu einem sehr, sehr starken Torwart geworden, auch bei uns in der Nationalmannschaft. Es ist klasse, was er für ein Standing in Barcelona erreicht hat. Er ist unheimlich gereift, er wirkt sehr stabil und klar. Das imponiert mir bei ihm“, sagte Löw. Am Ende gab es einen Klaps auf die Schulter von ter Stegen und einen Handschlag.

Im Österreich-Spiel wird ter Stegen trotzdem schon mal seine programmierte WM-Rolle als Nummer 2 auf der Bank einnehmen. Löw ließ aber offen, ob Neuer auf Anhieb 90 Minuten spielt. Am 11. Oktober 2016 hat der Bayern-Keeper beim 2:0 gegen Nordirland letztmals im DFB-Tor gestanden. Noch länger zurück liegt das letzte der nur 29 Länderspiele von Reus. Der 29-jährige Dortmunder soll gegen Österreich erstmals nach 795 Tagen wieder im Nationaltrikot auflaufen. „Er wird zum Einsatz kommen“, kündigte Löw an: „Er ist ein Spieler mit außergewöhnlichem Können, eine Rakete.“

Eine hohe Wertschätzung des Bundestrainers genießt auch Özil. Aber Löw hat dem 29-Jährigen im Trainingslager Dampf gemacht - verbal und mit Sonderschichten. „Ich habe mit Mesut ein längeres Gespräch geführt und ihm gesagt: Wir brauchen Dich auch in einer starken körperlichen Verfassung. Es war wichtig, ihm Trainingseinheiten aufzubürden.“ Löws Fokus richtet sich gegen Österreich auf die Akteure, die in Russland eine Hauptrolle spielen sollen. Dazu zählt auch Boateng, der im Training schon wieder höchster körperlicher Belastung nach einer Muskelverletzung ausgesetzt wird.

Dem „4 aus 27“ für den endgültigen WM-Kader sieht Löw noch „völlig entspannt“ entgegen. Er kennt die Situation als Langzeit-Bundestrainer: „Erst wenn es am Montag zu den Absagen an die Spieler kommt, ist es kein schönes Gefühl. Da bricht für die Spieler zunächst eine kleine Welt zusammen.“ Drei Feldspieler und einen Torwart wird es erwischen. Aber Manuel Neuer wohl kaum noch.

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