Kopenhagen ist Vorreiter beim Klimaschutz: Bis 2025 will die dänische Hauptstadt klimaneutral sein. Die Spiele der Fußballeuropameisterschaft werden deshalb zur umweltpolitischen Herausforderung. Kopenhagen ist nur einer von zwölf über ganz Europa und Vorderasien verteilten Austragungsorten. Doch gerade diese Aufteilung bedeutet, dass Fans kreuz und quer über den Kontinent fliegen werden - und damit das Klima belasten.

"Wenn man Leute in seine Stadt einlädt, hat das natürlich Auswirkungen auf den Kohlendioxidausstoß und die Umwelt", sagt der sozialdemokratische Bürgermeister Frank Jensen. "Wir konzentrieren uns darauf, wie man eine Großveranstaltung mit einem möglichst niedrigen ökologischen Fußabdruck ausrichten kann."

Die EU zeichnete Kopenhagen 2014 als Grüne Hauptstadt Europas aus. Auch die EM will Kopenhagen so grün wie möglich gestalten. Deshalb soll kaum Einwegplastik verwendet und Müll recycelt werden, Fans bekommen Bio-Essen angeboten. Der europäische Fußballverband UEFA verspricht, als Beitrag zur Nachhaltigkeit in jedem der zwölf Länder 50.000 Bäume zu pflanzen.

Jens Peter Mortensen von der Umweltschutzorganisation Danmarks Naturfredningsforening gehen die Pläne nicht weit genug. Vor allem die Restaurants seien gefordert, sagt er und schlägt ein Flaschenpfand und wiederverwendbare Essensboxen vor.

Vier EM-Spiele finden in Kopenhagen statt, unter anderem die Gruppenspiele der Nationalmannschaft. Die meisten Dänen begeistern sich für Fußball und freuen sich auf die EM in ihrer Hauptstadt. Für das Turnier ist keine neue Infrastruktur nötig, es gibt ein großes Stadion mit 38.000 Plätzen und eine nagelneue U-Bahn. Das hilft, den CO2-Ausstoß niedriger zu halten.

Doch wie groß der ökologische Fußabdruck der Meisterschaft sein wird, ist schwer vorherzusagen. "Das hängt davon ab, wie viele Touristen und Fans während des Turniers kommen", sagt Mia Kjaergaard, Sprecherin des dänischen Fußballverbandes.

"Wir können die Organisatoren nur dazu auffordern, ihr Bestes zu tun, um zu zeigen, dass Kopenhagen seinem guten grünen Ruf gerecht wird", sagt Mads Flarup Christensen, Generalsekretär der Umweltschutzorganisation Greenpeace in Dänemark.

Das Umweltbewusstsein der Kopenhagener ist groß. Sie sind vom steigenden Meeresspiegel bedroht, und heftige Regenfälle überschwemmten 2011 bereits einige Teile der Stadt und richteten enormen Schaden an. 40 Prozent der Fahrten in Kopenhagen werden mit dem Fahrrad erledigt, 99 Prozent der Gebäude sind an das Fernwärmenetz angeschlossen.

Kopenhagen müsse die EM "als eine Chance" begreifen, sich beim Thema Nachhaltigkeit zu profilieren, sagt Maria Figueroa, Professorin an der Copenhagen Business School und Mitglied des Weltklimarates. "Kopenhagen kann neue Wege zeigen, Großveranstaltungen verantwortungsvoll auszurichten", sagt sie. Die Besucher könnten sensibilisiert werden - bei Unterbringung, Verpflegung und Transport. "In jedem dieser Bereiche kann man ihnen zeigen, wie Nachhaltigkeit Teil ihres Lebens sein kann."

sp/jep