Querpass Die Tücken der Statistik

 über Joachim Löw als Rekord-Bundestrainer.
über Joachim Löw als Rekord-Bundestrainer. © Foto: Gerold Knehr
Ulm / Gerold Knehr 10.09.2018

Die verkorkste Fußball-Weltmeisterschaft in Russland lässt Joachim Löw bis heute nicht los. Beim erwarteten WM-Verlauf hätte er im Viertelfinale sein 167. Spiel als Bundestrainer bestritten und damit mit dem legendären Sepp Herberger, dem Weltmeister-Trainer von 1954, gleichgezogen. Im möglichen WM-Halbfinale wäre Löw, dazu benötigt es keine Adam-Riese-Rechenakrobatik, zum alleinigen Rekordhalter unter den deutschen Bundestrainern avanciert. Und hätte sich im Endspiel mit seinem zweiten WM-Titel zum ungekrönten Häuptling aller Nationaltrainer aufschwingen können.

Doch bekanntlich kam es ja ganz anders – ganz nach dem Motto Hätte, hätte, Fahrradkette.  Das 0:2 im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea bedeutete das vorzeitige WM-Aus. Statt sich feiern zu lassen, geißelte sich der Bundestrainer in seiner WM-Analyse selbst als arrogant und überheblich. Als Strafe  musste er  bis gestern Abend warten, ehe er zu Herberger aufschließen durfte. Überholen wird er ihn dann erst am 13. Oktober in Amsterdam, wenn die DFB-Auswahl zu ihrem zweiten Spiel der Nations League gegen die Niederlande antritt.

Doch in Zeiten der Fake News scheint selbst auf die Statistik kein Verlass mehr zu sein. Fußball-Historiker wollen herausgefunden haben, dass Sepp Herberger keineswegs bei 167 Länderspielen der hauptverantwortliche Coach gewesen sei und Löw deshalb seit längerem schon der Trainer mit den meisten Länderspielen ist. Was nun Verschwörungs-Theoretiker auf den Plan rufen könnte. Möglicherweise ist Deutschland in Russland ja gar nicht vorzeitig ausgeschieden ... 

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