Auf dem Rasen im Roazhon Park kommen sie alle im Kreis zusammen. Die Spielerinnen, das Trainerteam. Nach 98 Minuten WM-Viertelfinale überwiegt bei der deutschen Nationalmannschaft die Enttäuschung. Nur wenige Meter von ihnen entfernt feiern die Schwedinnen ihren 2:1-Sieg. In der Ansprache nach der Niederlage zeigt Bundestrainerin ihren Spielerinnen den kommenden Weg auf: Neue Ziele müssen gesteckt werden, es gilt weiter an sich zu arbeiten. Und womöglich das Wichtigste für Voss-Tecklenburg: „Wir sind auch in der Niederlage ein Team.“ Dann löst sich der Kreis auf.

Und in Rennes endet, was für das deutsche Team auch in Rennes begann. Eine Weltmeisterschaft, bei der die Mannschaft vier Spiele lang zu überzeugen wusste. Zwar mit Schwachstellen, aber doch mit genug Kreativität und Willen in den entscheidenden Momenten da zu sein. Bis Samstagabend. „Wir haben eigentlich richtig gut angefangen, haben den Ball gut laufen lassen und hervorragend das 1:0 raus gespielt“, sagt Spielführerin Alexandra Popp und sucht eine Erklärung für das, was kurz nach der Halbzeit-Pause passierte und das deutsche Team aus der Bahn warf: „Dann kriegst du wieder so ein dämliches Ding und läufst dem Resultat hinterher.“

Was zu Beginn gut aussah, verlor sich im Verlauf des Spiels zunehmend. Schnelle Konter in den ersten Minuten, mit Pressing und Tempo und einer starken Lina Magull in der Offensive. Popp sicherte vor der Abwehr-Kette ab, hatte mal Sara Däbritz, mal Linda Dallmann neben sich. Letztere stand erstmals in der Startelf, Melanie Leupolz musste auf die Bank. Das 4-1-4-1 war lange nicht zuzuordnen, so oft wechselten die Spielerinnen ihre Positionen. In der 16. Minute dann der erste Applaus von den sonst eher verhaltenen Zuschauerrängen: Nach einem Fehlpass in der schwedischen Abwehr kam Däbritz an den Ball,  spielte ihn in den Strafraum zu Magull, die per Seitfallzieher versenkte. Ein Treffer der Kategorie „Tor des Monats“, das 1:0.  „Da hätte ich lieber gewonnen, als so ein Tor zu machen“, sagt die 24-Jährige.

Schwedens Treffer in der 48. Minute bringt DFB-Elf aus dem Konzept

Nur sechs Minuten später war die Führung für Deutschland dahin. Ein lange Flanke aus der schwedischen Defensive – das war im gesamten Spiel die Taktik der Skandinavierinnen – fand Stürmerin Sofia Jakobsson, die aus kurzer Distanz abzog. Torhüterin Almuth Schult blieb machtlos. Ihr erster Gegentreffer im Turnier und der 1:1-Halbzeitstand.  Als das Team von Peter Gerhardsson nur drei Minuten nach Wiederanpfiff in Führung ging, kam keine Ruhe mehr ins deutsche Spiel. Stürmerin Stina Blackstenius verwandelte einen Abstauber in der 48. Minute. Das 1:2 aus deutscher Sicht.

Jubel bei den Schwedinnen: Nach ihrem Sieg beim WM-Viertelfinale.
© Foto: David Vincent/dpa

Auch die Einwechslung von Dzsenifer Marozsán, die nach drei Spielen Pause wieder auf dem Platz stand, brachte kaum einen entscheidenden Effekt. Die Defensive wackelte, und Deutschlands Offensive wurde ungeduldig. Trotz guter Chancen fehlte das Trefferglück. „Ich hätte mir schon gewünscht, dass wir mehr Situationen kreieren, in denen wir mit dem ersten Kontakt mutiger nach vorne gehen“, sagt Voss-Tecklenburg. Neben dem WM-Aus verpasst ihr Team auch die Olympia-Qualifikation, nach der ersten Pflichtspiel-Niederlage gegen Schweden seit 1995.

Zuviel Rotation, zu viel der unberechenbaren Flexibilität, sagten die ersten Kritiker kurz nach der Partie. Während die Spielerinnen in der Mixed Zone, dort wo sie den Journalisten Interviews geben,  noch nach einander nach Worten rangen. „Jetzt muss man auch die Pille schlucken, dass wir nächstes Jahr kein Turnier haben“, sagt Torhüterin Schult. Es wäre einfach mehr drin gewesen, wertet Spielführerin Popp. Besonders mitgenommen wirkt die Jüngste im Team, Lena Oberdorf. Zittrige Stimme, rote Augen. „Das ist natürlich bitter, das es so endet“, sagt die 17-Jährige. „Es ist einfach eine überragende Mannschaft.“

Folgt ein Umbruch in der deutschen Nationalmannschaft?

Einen leichten Umbruch deutete die Bundestrainerin bereits an: „Man muss auch sehen, wie sich das Gesicht der Mannschaft vielleicht noch ändert“. Für die 33-jährige Lena Goeßling dürfte es das letzte Turnier gewesen sein, auch für Verena Schweers (30). Hervor hob Voss-Tecklenburg noch einmal die Leistung der Jüngsten. Giulia Gwinn (19), Lena Oberdorf (17), Klara Bühl (18). „Wir müssen diesen Prozess jetzt einfach weitergehen, sagt die 51-Jährige. „Nur weil wir jetzt ein Spiel verloren haben, stellen wir sicherlich nicht alles in Frage.

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