Stuttgart / Nadine Vogt  Uhr

Das Spiel gegen Spanien beobachtete Leonie Maier von der Bank. In Trainingsjacke und Fifa-Leibchen, das sie als Auswechselspielerin ausweist. Auch den 1:0-Sieg zum Auftakt gegen China hatte sie schon von der Seitenlinie aus verfolgt. Auf ihren ersten Einsatz bei der Weltmeisterschaft 2019 wartet die Verteidigerin aus Stuttgart noch.

„Klar habe ich eine etwas andere Rolle“, sagt die 26-Jährige über ihre Stellung im Team. „Aber wenn man dabei ist, will man auch spielen.“ 69 Länderspiele hat sie für die Nationalmannschaft gemacht, war bei der WM in Kanada dabei, gehört zum Team das 2016 den Olympiasieg holte. Unter der damaligen Bundestrainerin Silvia Neid war sie gesetzt, als eine der absoluten Leistungsträgerinnen. Jetzt ist die Ersatzspielerin froh, überhaupt bei der Weltmeisterschaft dabei zu sein.

Karrierestart beim TV Aldingen im Kreis Ludwigsburg

„Ich habe nicht mehr damit gerechnet“, sagte sie bereits im Trainingslager in Grassau und noch einmal bei einer Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Spanien. Mit Trainerin Martina Voss-Tecklenburg saß sie auf dem Podium, zwischen ihnen der bunte WM-Spielball. Die Fifa gibt vor, dass bei diesem Medientermin mindestens eine Spielerin dabei sein muss. Einen Tag vor der zweiten Vorrundenpartie in Valenciennes war es also die Auswechselspielerin Maier, die das deutsche Team vertrat und die Fragen der Journalisten beantwortete. „Wenn ich Einsatzzeiten bekomme werde ich versuchen mein Bestes zu geben“, sagt die 26-Jährige, „und wenn nicht, werde ich von außen alles geben.“ Mit ihrer Erfahrung will sie den Jüngeren zur Seite stehen, sich im Training zeigen und bereit sein, wenn die Bundestrainerin sie braucht. Maier stellt sich in den Dienst der Mannschaft, auch wenn der Platz auf der Bank – für jede Spielerin – ein undankbarer ist.

Leonie Maier bei der Pressekonferenz vor dem zweiten Vorrundenspiel gegen Spanien.
© Foto: dpa

„Ich bin allgemein ein sehr positiver Mensch“, sagt Maier, deren leichter Dialekt ihre schwäbische Herkunft erkennen lässt. Sie lächelt viel, sogar wenn sie über ihre Rolle als Auswechselspielerin spricht. Beim TV Aldingen (Kreis Ludwigsburg) fing sie mit Fußball an, spielte bei der JSG Remseck mit den Jungs, wechselte mit 16 zum VfL Sindelfingen. Es folgte der Schritt in die erste Bundesliga, sechs Jahre lang war die 1,63 Meter große Verteidigerin beim FC Bayern München unter Vertrag. Nach einem Kreuzbandriss 2014 kämpfte sie sich mit Willensstärke zurück. Nur ein Jahr später löste sie bei der Weltmeisterschaft in Kanada die ihr zugedachten Aufgaben spielerisch.

In der Abwehr-Hierarchie hinter Simon, Hendrich, Schweers

In Frankreich, vier Jahre später, reiht sich die Nummer vier des deutschen Teams hinter Carolin Simon, Kathrin Hendrich und Verena Schweers in die Abwehr-Hierarchie ein. Maiers Nominierung für die Weltmeisterschaft sei eine knappe Entscheidung gewesen, verriet die Bundestrainerin bei der Bekanntgabe des Kaders im Mai. Das ist der Stuttgarterin auch bewusst.

Auf der Autogrammkarte jeder Nationalspielerin steht eine persönliche Zuschreibung. „Wadenbeißerin“ ist Maiers. Die 26-Jährige hat gelernt mit Rückschlägen umzugehen. Und ihren Blick immer wieder nach vorne zu richten. Zur neuen Saison geht es für sie deshalb zum FC Arsenal, in die Women’s Super League.

Leonie Maier wechselt im Sommer zum FC Arsenal

„Ich glaube, dass mich der Schritt ins Ausland persönlich und spielerisch weiterentwickeln kann“, sagt sie. Noch liegt ihr Fokus aber auf den kommenden Spielen in Frankreich. Sie ist zuversichtlich, dass jede im Kader „noch gebraucht und gefordert“ wird.

Und nachdem die Bundestrainerin mit ihrer Mannschaft flexibel und unberechenbar bleiben will, sind Maiers Chancen auf einen Zweikampf vor der Reservebank auch nicht gering.

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In Montpellier angekommen

Vorrunde Von Lille im Nordosten Frankreichs ging es für die deutsche Nationalmannschaft am Donnerstag fast 900 Kilometer gen Süden. In Montpellier an der Mittelmeerküste bestreitet das Team sein letztes Vorrundendspiel. Im Stade de Mosson trifft Deutschland am Montag (18 Uhr/ARD) auf Südafrika.

Spielorte Anders als bei vorherigen Turnieren hat das deutsche Team kein zentrales Quartier, sondern bezieht an jedem Spielort ein neues Hotel.