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Rennes / Nadine Vogt  Uhr
Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft zählt bei der Weltmeisterschaft in Frankreich zu den Favoriten. Das Team startet am Samstag in Rennes ins Turnier.

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg spricht viel vom Fokus, den sie und ihre Spielerinnen brauchen. Die Konzentration auf den Gegner, aufs eigene Können, auf die Weltmeisterschaft, die an diesem Freitag in Frankreich beginnt. „Wir haben eine klare Idee, wie wir spielen wollen“, sagt die 51-Jährige. Zuviel verraten will sie nicht. Die Spielweise soll flexibel bleiben – und auch ein bisschen unberechenbar.

Seit sieben Monaten ist Voss-Tecklenburg Cheftrainerin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. In dieser Zeit hat sie einen Kader geformt, der beim Turnier bestehen soll. Das Team hat Qualität. Es darf zum großen Kreis der Titelfavoriten gezählt werden. Nicht nur, weil Deutschland als achtmaliger Europameister, zweimaliger Weltmeister und Olympiasieger eine der erfolgreichsten Nationen im Frauenfußball ist. Sondern vor allem, weil sich die Mannschaft seit dem Viertelfinal-Aus bei der EM 2017 und drei Trainerwechseln in zwei Jahren neu ge- und erfunden hat. Auf Steffi Jones folgte Horst Hrubesch, jetzt hat Voss-Tecklenburg das Sagen. Ein Umbruch.

Das Ziel: Qualifikation für die Olympischen Spiele

„Unser Ziel ist die Qualifikation für die Olympischen Spiele“, sagt die 51-Jährige, die als Spielerin 125 mal für die Nationalelf auflief, viermal Europameisterin wurde. Vom Titelgewinn spricht die Bundestrainerin nicht. Noch nicht. Denn Schritt für Schritt soll sich das Team in Frankreich beweisen. Erst der Gruppensieg. Dann das Bestehen in der K.o-Phase. Mindestens das Viertel- oder sogar das Halbfinale muss erreicht werden, um unter den besten drei Mannschaften Europas zu landen. Erst in diesem Fall ist das Olympia-Ticket gesichert.

„Wir brauchen alles“, sagt Voss-Tecklenburg, um im Wettbewerb gegen die fünf, sechs Topteams der Welt bestehen zu können, „Maximalität in allem, was zu tun ist.“ Eine gute Taktik, Kreativität, auch die physische Basis muss stimmen. Bei der ersten Elf wie bei den Spielerinnen auf der Bank. „Es sind alle bereit, sich auf dem Platz zu zeigen und sich etwas zuzutrauen“, sagt die Trainerin, für die „Leitlinien und Prinzipien“ mehr zählen, als festgelegte Spielsysteme.

Der Teamgeist könnte zu einer der großen Stärken der DFB-Elf werden. Der Zusammenhalt soll den Unterschied machen. Das sagen Trainerin und Spielerinnen, in Interviews, auf Social Media wie Instagram und Facebook. „Es kann nur funktionieren, wenn man auch neben dem Platz ein Team ist“, formuliert es Giulia Gwinn, die zur kommenden Saison vom SC Freiburg zum FC Bayern wechselt.

Fünftägige Vorbereitung in Grassau

Ein Trainingslager im Januar in Marbella, eine fünftägige Vorbereitung am Chiemsee vor einer Woche. Dort kamen erstmals die 23 Spielerinnen des Kaders zusammen. Nicht viel Zeit für die Vorbereitung auf eine Weltmeisterschaft. Es war eine intensive Woche mit viel Ballarbeit. Am Offensivspiel feilten die Trainer und steigerten mit Workshops den Teamgeist. Symbolisch entfachten sie das WM-Feuer: Die Spielerinnen legten Holzklötzchen in eine Feuerschale. Mit ihren Träumen und Zielen, handschriftlich darauf geschrieben.

Ein Programm, das sich offenbar auszahlt. Beim letzten Testspiel vor dem Turnier gegen WM-Debütant Chile zeigten die deutschen Frauen gute Ansätze. Ein ruhiger Spielaufbau, die souveräne Mittelfeld-Achse – Sara Däbritz, Melanie Leupolz, Dzsenifer Marozsan, Alexandra Popp – die Druck in der Offensive machte, der Mut beim Torabschluss. Chile wird die Vorrunde in Gruppe F (Gegner: USA, Schweden, Thailand) vermutlich nicht überstehen. Der 2:0-Sieg der DFB-Auswahl war dennoch aussagekräftig. Zumal sich abseits der gezeigten Spielfreude und Euphorie vor mehr als 10 000 Zuschauern in Regensburg, auch Schwachstellen offenbarten: Zu viele Fehlpässe, ungenutzte Chancen. „Die Präzision muss noch kommen“, sagt Torhüterin Almuth Schult nach dem Spiel.

Ob die etatmäßige Nummer 1 bei der WM dabei sein kann, war lange unsicher. Nach einer Verletzung an der rechten Schulter – Diagnose unbekannt – zählte sie bei der Kader-Benennung im Mai noch zu Voss-Tecklenburgs Sorgenkindern. „Ich habe jede Trainingseinheit mitgemacht“, sagt die 30-Jährige zum Verlauf der Vorbereitung. Das und ihr Einsatz gegen Chile deuten darauf hin, dass die Bundestrainerin zum Auftaktspiel am Samstag (15 Uhr/ARD) auf die Wolfsburgerin setzt.

Eine Mannschaft mit gestandenen Spielerinnen und jungen Talenten

Mit 59 Länderspielen zählt Schult zu den Erfahrenen. Älteste Spielerin im Team ist Verteidigerin Lena Goeßling. Mit 33 Jahren hat sie 105 Länderspiele gemacht, gefolgt von Kapitänin Popp mit 96. Die deutsche Mannschaft ist eine Mischung aus gestandenen Spielerinnen wie Dzsenifer Marozsan, Svenja Huth, Verena Schweers. Und jungen Talenten wie die 19-jährige Giulia Gwinn, Klara Bühl (18), Lena Oberdorf (17). „Wir geben den Spielerinnen jetzt schon das Vertrauen“, sagt die Bundestrainerin. Auf Einsatzzeit können Stürmerin Bühl und Innenverteidigerin Oberdorf durchaus hoffen, Außenverteidigerin Gwinn könnte sogar regelmäßig in der ersten Elf auf dem Platz stehen. 

Zusammen sollen sie bei der WM überzeugen. Das ist die Richtung, die Martina Voss-Tecklenburg vorgibt. Jetzt muss nur noch der Fokus stimmen.

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